Ludwigsburg Festhalten an der Niederflurtechnik

Ludwigsburgs OB Werner Spec und Baubürgermeister Michael Ilk sind sich einig: für sie liegt die Zukunft des Ludwigsburger ÖPNV in Schnellbus und Niederflurbahn. Nun hoffen sie, am Mittwoch vom Gemeinderat (erneut) Zustimmung zu bekommen.
Ludwigsburgs OB Werner Spec und Baubürgermeister Michael Ilk sind sich einig: für sie liegt die Zukunft des Ludwigsburger ÖPNV in Schnellbus und Niederflurbahn. Nun hoffen sie, am Mittwoch vom Gemeinderat (erneut) Zustimmung zu bekommen. © Foto: Martin Kalb
Ludwigsburg / Uwe Roth 25.07.2018

Oberbürgermeister Werner Spec und sein Baubürgermeister Michael Ilk halten an der Niederflurtechnik als die ihrer Ansicht nach einzig mögliche Variante für eine Stadtbahn in Ludwigsburg fest.

Eine Ausweitung der Diskussion über die mit dem Landkreis vereinbarte Doppelstrategie um eine Hochflurtechnik als mögliche Alternative ergibt nach ihrer Überzeugung keinen Sinn, betonten beide am Dienstag in einem Pressegespräch. Ihre Auffassung, dass „eine Hochflurbahn keinen erkennbaren Nutzen für die Stadt hat“, wollen sich Spec und Ilk in der  Sitzung des Gemeinderats an diesem Mittwoch mit einer Abstimmung bestätigen lassen. Beide gehen davon aus, dass ihnen eine breite Mehrheit folgen wird.

Gegen Haas gerichtet

Der Beschlussvorschlag ist indirekt gegen den Landrat gerichtet. Dr. Rainer Haas brachte die Hochflur-Stadtbahn der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) erneut in die Debatte ein, nachdem die SSB Vorschläge über eine Fortführung der Stadtbahnlinien in den Landkreis vorgelegt hatte (die BZ berichtete).

Um die Stimmung derjenigen Kommunen auszuloten, die für einen Anschluss an das SSB-Stadtbahnnetz in Frage kämen, lud der Landrat am 6. Juli zu einem ÖPNV-Gipfel ins Landratsamt ein. Die Vertreter von Ditzingen, Korntal-Münchingen, Schwieberdingen, Markgröningen und Möglingen machten deutlich, dass ihnen die Lösung einer SSB-Stadtbahn lieber wäre, als zusätzlich drei neue Verkehrssysteme einzurichten.

Gemeint sind neben einer Niederflurstadtbahn ein Brennstoffzellenzug, der zwischen Markgröningen und Ludwigsburg verkehren soll, sowie eine schienenlose Straßenbahn (BRT). Auch die Stadt Remseck, die bereits Endhaltestelle einer Stadtbahnlinie ist, möchte am Altbewährten festhalten.

Anderer Auffassung ist Baubürgermeister Ilk: „Die Hochflurtechnik der SSB ist über 40 Jahre alt. Es ist an der Zeit, auf die moderne Niederflurtechnik umzustellen“, sagte er. Ein solcher Impuls fürs Neue könne von Ludwigsburg ausgehen. Ein Hin und Her zwischen Hoch- und Niederflur ist für die beiden jedoch für die beste Wahl weniger ausschlaggebend als der Faktor Zeit. Nach ihrem Zeitfenster sind Regionalzug und BRT spätestens 2022 in Betrieb; die Stadtbahn aber erst acht bis zehn Jahre später. Ilk sagte, bei aller Kritik, die beim ÖPNV-Gipfel an den Plänen der Ludwigsburger geäußert worden sei, für die Gemeinderäte in Möglingen und Markgröningen stünde der Aspekt „möglichst schneller Anschluss“ eindeutig im Vordergrund. „Die freuen sich darauf“, so Ilk.

Entscheidung im Herbst

Spec räumte allerdings ein, dass über den Einsatz der Brennstofftechnologie erst im Herbst endgültig entschieden werde. Möglicherweise, so deutete er an, gebe es eine alternative Technik mit Elektroantrieb.

Spec und Ilk stellten gegenüber den Journalisten nicht nur die Zukunftsfähigkeit der Hochflurtechnik in Frage, sondern ebenso das Finanzierungskonzept des Landrats. Haas spreche von einem Finanzierungsanteil des Bundes und des Landes von insgesamt 80 Prozent.

Bei einer Investitionssumme von 215 Millionen Euro verbleibe ein Betrag über 40 Millionen Euro, den sich der Landkreis mit den beteiligten Kommunen teilen müsste. So die Rechnung des Landrats. OB Spec hält diese jedoch für unrealistisch.

Im Gespräch mit Vertretern des Landesverkehrsministeriums sei ihm signalisiert worden, dass eine Förderung maximal bei 70 Prozent liegen werde. Die Summe für die Kofinanzierung läge demnach bei 65 Millionen Euro. Dazu kämen Planungskosten bis zu 30 Millionen Euro, die nicht förderfähig seien. Die Planungskosten für schienenfreie Trassen, auf denen der BRT fährt, seien mit vier Millionen Euro dagegen überschaubar. Die Trassen könnten dann so angelegt werden, dass später die Niederflurbahn darauf fahren könne.

Oberbürgermeister Werner Spec hält es für möglich, dass der BRT zusammen mit der geplanten digitalen Verkehrsleittechnik eine so hohe Akzeptanz in der Bevölkerung erreichen könnte, so dass niemand mehr nach einem Systemwechsel frage.

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