Urteil Fast die Tochter getötet

Ludwigsburg / Bernd Winckler 29.08.2018

Der Fall einer schweren Kindesmisshandlung, den das Stuttgarter Landgericht gegen einen 26-jährigen Vater  verhandelte, kommt nicht vor das Schwurgericht. So entschied  die 36. Strafkammer am Dienstag, auch liege keine Tötungsabsicht vor. Stattdessen muss der Vater wegen gefährlicher Körperverletzung zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

Der 26-jährige Angeklagte hatte sein Kind am Abend des 18. November vergangenen Jahres in seiner Ludwigsburger Wohnung durch Faustschläge an den Kopf und die Brust sowie durch Tritte lebensgefährlich verletzt. Zu dieser Erkenntnis kamen die Richter  im Urteil gegen den rabiaten Vater. Sie wiesen damit das Ansinnen des Angeklagten, die Vorwürfe mit einer Bewährungsstrafe zu erledigen, strikt zurück.

Drogen konsumiert

Der Angeklagte lebte unverheiratet mit der Mutter des Kindes zusammen, bekam aber   Streit mit der Lebensgefährtin. An jenem 18. November eskalierte die Situation, nachdem die Frau  nach Schlägen des Angeklagten flüchtete und ihn mit dem Kind allein ließ. Die Situation sei ihm über den Kopf gewachsen, sagte sein Verteidiger. Und der Täter,  der bereits wegen Gewaltdelikten gerichtsbekannt ist, habe sich durch den Konsum von Drogen nicht mehr im Griff gehabt. In diesem Zustand verletzte  der  Angeklagten sein  Kind schwer.  So sah es  in der ersten Instanz auch das Ludwigsburger Schöffengericht und verurteilte den 26-Jährigen wegen Misshandlung Schutzbefohlener und gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren und neun Monaten Haft.

 In der Berufungsinstanz vor der Stuttgarter Strafkammer ging es  um die Frage,ob auch ein Verbrechen des versuchten Totschlags an dem Kleinkind vorliege. Der Anwalt des Kindes  forderte die Verweisung des Falles an die Schwurgerichtskammer, die bis zu 15 Jahre Haft verhängen kann.    

Nachdem Ärzte und ein Gutachter zu Wort kamen, betonte selbst die Staatsanwältin, dass der Angeklagte, subjektiv gesehen, keine Tötungsabsicht gehabt habe. Er sei sozusagen von dieser Straftat zurückgetreten, weil er sich nach der Tat darum bemüht habe, sein  Opfer ins Krankenhaus zu bringen. Allerdings wies auch die Anklägerin den Wunsch nach einer Bewährungsstrafe energisch zurück. Dazu seien die Folgen der Tat und die Verletzungen doch zu schwer. Sie beantragte,  es bei dem erstinstanzlichen Ludwigsburger Urteil zu belassen.

 Dem pflichteten die Richter bei und bestätigten den ersten Schuldspruch. Die Anklage hat nun die Möglichkeit einer Revision.

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