Die eigentliche Neuigkeit des Abends hat Jürgen Resch eher beiläufig mitgeteilt: Am Dienstag, 26. November, werde vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) Mannheim über den Luftreinhalteplan für Ludwigsburg verhandelt. Am Ende des Verfahrens könnte ein Fahrverbot für bestimmte Dieselfahrzeuge in der Stadt herauskommen, so Resch. Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) war am Donnerstag in Ludwigsburg. Mittags hatte er ein Gespräch mit Oberbürgermeister Matthias Knecht, das er als segensreich bezeichnete. Abends hielt der Umweltlobbyist aus Radolfzell auf Einladung mehrerer Bürgerinitiative im Staatsarchiv einen Vortrag zum Thema „Wie der aktuelle Niedergang der Automobilindustrie gestoppt werden kann – Mobilitätswende in unseren Städten“.

Sympathien für Knecht

Resch zeigte in der Veranstaltung deutlich: Der neue OB ist ihm sympathischer als dessen Vorgänger Werner Spec. „Das ist eine ganz andere Offenheit“, schwärmte er. Sicher konnte er dem abgewählten Rathauschef nicht verzeihen, dass dieser in einer Demo durch die Stadt mitgezogen ist, bei der die DUH auf einem Transparent der Lügen bezichtigt wurde. Tote wegen Feinstaub- und NO2 seien eine Erfindung der Umweltorganisation. Resch hatte zum Beweis ein Foto in seinen Vortrag eingebaut.

Schneller als geplant

Im Gegensatz zu Spec zeige Knecht Gesprächsbereitschaft  sich mit der DUH außergerichtlich zu einigen. Aus dem kleinen Dienstweg wird nun offensichtlich nichts. Wie der DUH-Geschäftsführer seinem Publikum sagte, trage letztlich die Landesregierung Schuld daran, dass das Verfahren in der zweiten Instanz schneller eröffnet wird als vorgesehen: Die Mannheimer Richter wollten vorab ein klärendes Gespräch, so Resch. Doch das Regierungspräsidium Stuttgart habe dies als Vertreter der Landesregierung abgelehnt. So habe der zuständige Senat beschlossen, umgehend die Klage der DUH gegen das Land in der Causa Ludwigsburg zu verhandeln. „Wir freuen uns auf den 26.“, jubelte Resch unter Beifall seiner Zuhörer.

Recht auf reine Luft

„Jeder Bürger hat das Recht auf reine Luft“, ist seine Maßgabe. Die Schritte, die die Stadtverwaltung bislang dazu unternommen habe, bezeichnete er wiederholt als „Micky-Maus-Maßnahmen“. Die Geschwindigkeit in der Friedrichstraße lediglich 100 Meter vor und 100 Meter nach der Luftmessstation auf 40 Stundenkilometer zu verringern, sei „peinlich“. Resch forderte stattdessen Tempo 30 für das gesamte Stadtgebiet. Die Filtersäulen, die die Firma Mann+Hummel dort aufstellen möchte, finden bei ihm ebenfalls keinen Gefallen. Das sei so, als würde man neben jedes Thermometer eine kleine Klimaanlage stellen, umso das Argument der Erderwärmung zu entkräften. Außerdem seien die Sauggeräusche des Luftfilters mit 70 Dezibel eine nicht unerhebliche Lärmbelästigung für die Anwohner.

Schadstoffe müssten dort bekämpft werden, wo sie entstünden, verlangte er. Nach Studien des Umweltbundesamts seien im Innenstadtverkehr Dieselfahrzeuge zu 65 Prozent für die NO2-Konzentration verantwortlich. Nach wie vor weigern sich nach seiner Auffassung die Autobauer, den Fahrzeugbesitzern eine Lösung anzubieten. Stattdessen trieben sie den Absatz schwerer SUV an. Resch nannte sie wechselweise nicht „Esjuwie“, sondern „Suff“ (von Saufen) oder „Monster-Stadtpanzer“.

Die Politik ließe die Industrie seit Jahren einfach so gewähren und fordere die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben erst gar nicht ein. Neben „Diesel“ war „Betrug“ in allen Wortvarianten die am häufigsten verwendete Vokabel in seinem Vortrag im Staatsarchiv. „Fortschritt durch Betrug – statt Technik“ laute wohl die Devise der Autohersteller. Sowohl in die Politik als auch in die Industrie scheint der DUH-Geschäftsführer das Vertrauen weitgehend verloren zu haben. „Nur das Gerichts- und Rechtswesen ist weitgehend noch in Takt“, so Resch.