Ludwigsburg Es fehlt an der Präzision des irischen Originals

Rena Weiss 11.01.2018

Die „Night of the Dance“ fand am Dienstagabend im Forum am Schlosspark in Ludwigsburg statt und versprach mit ihrem Programm „Irish Dance 2018“ eben genau das: traditionellen irischen Stepptanz. Doch zumindest im Eröffnungsstück „La Conquista“ mit dem gesamten Ensemble wurden die Besucher zunächst auf eine andere Reise geschickt. Mit afrikanisch angehauchten Kostümen traf ein Kriegervolk immerhin auf ein europäisches Volk, deren Anführer Liam Caputo auch der Cheftänzer des Ensembles ist.

Im Spagat auf die Bühne

Bereits mit ihrem ersten Tanzstück überzeugte vor allem Christina Lugo, die als gottgleiche Königin im Spagat von zwei Tänzern getragen wurde. Nicht nur ihr durchtrainierter Körper im knappen Zweiteiler zeigte das harte Training, das hinter solch’ einem Auftritt steckt. Auch die Körperspannung und die bis ins Detail ausgeführten Bewegungen signalisierten, hier ist ein Profi am Werk. Kein Wunder, dass Lugo ausgewählt wurde, um den King of Pop zu porträtieren. In einem Tribut an Michael Jackson brillierte die Tänzerin.

Doch so ganz wollte der Funke im ersten Teil nicht überspringen. Zu sehr sah man den Tänzern die erlernte Choreografie an und zu oft fehlte es den Gruppen an Synchronizität. Entschädigt wurden die Zuschauer jedoch mit „Latin Medley“, dem letzten Stück des ersten Teils. Hier zeigten vor allem die lateinamerikanischen Tänzer aus Mexiko und Venezuela ihre Begeisterung für die südländischen Klänge und den klassischen Hüftschwung.

Cheftänzer Caputo allerdings kämpfte wohl mit seinem Alter es fehlte ihm an Wendigkeit. Doch was dem Tänzer nicht fehlte, war die nötige Selbstironie, die die Aufführung hier und da rettete. Bereits zu Beginn trat Caputo als Krieger mit Wolverine-Krallen auf und während das Publikum dem Alter nach nicht ganz der Superhelden-Generation entsprach, kam es nicht umher eine gewisse Komik in dem getanzten Kampf zu sehen.

Scheinwerfer verdecken Füße

Als der italienische Stepptänzer sich dann mit Breakdancer José Antonio Hernandez Esquivel im Tanzduell maß, verglich er sich scherzhaft mit Michael Flatley. Die Ikone des irischen Stepptanzes und der Erfinder der erfolgreichen Shows „Riverdance“ und „Lord of the Dance“ ist ein Maß, mit dem sich die Veranstaltung in Ludwigsburg nicht messen kann. Es fehlte an Spannung, am Budget und an der finalen Präzision der Ausführung, um an die Originale heranzukommen und leider merkt man den Tänzern an, welche Choreografien sie mochten und welche nicht. Hinzu kam, dass eine denkbar unpassende Platzierung einiger Scheinwerfer gewählt wurde: direkt vorne auf der Bühne. Dadurch konnten vor allem die vorderen Reihen die im irischen Stepptanz so wichtigen steppenden Füße nicht sehen.

„Night of the Dance“ legte den Schwerpunkt zwar auf Stepptanz, doch zeigte die Veranstaltung auch Stile wie Ballett, Contemporary, Latin, Breakdance oder auch Akrobatik. Nallely Vargas Lima überzeugte das Publikum mit ihrem Vertrauen in Partnerakrobat Emiliano Gallando Nunez. Sie balancierte mit einer Hand auf seinem Kopf oder ließ sich mit Überschlag und Kopf nach unten fallen, bis er sie kurz vor dem Aufschlag auffing.

Begeistert war das Publikum vor allem, wenn es die Musik kannte. So auch bei dem Tanzklassiker „Dirty Dancing“. Mit vier Tanzpaaren wurde zu „I’ve Had the Time of My Life“ getanzt und dabei auch das Publikum mitgerissen, dass trotz des hohen Ticketpreises (bis zu 75 Euro) begeistert von der Vorführung schien. Gab es zum Schluss sogar stehenden Applaus und Rufe nach Zugabe – und das, obwohl das Publikum mit eigens beigebrachter Choreografie mittanzen durfte.