Verein Energetikom: Drei Monate nach der Auflösung endgültig am Ende

Ludwigsburg / Uwe Roth 15.02.2018

Mit einem Abschlussbericht im Wirtschaftsausschuss des Ludwigsburger Gemeinderats ist das Energetikom drei Monate nach seiner Auflösung endgültig zu Grabe getragen worden.

Dem 2009 auf Initiative der Stadt eingerichteten „Kompetenzzentrum“ als Verein rund um die Themen Energie, Klimaschutz, E-Mobilität und Ökodesign sind zum Schluss die Aufträge ausgegangen. Für Forschungsprojekte mangelte es an Geld. Außerdem fehlten Mitglieder, die bereit waren, einen Vereinsbeitrag von 1000 Euro jährlich zu bezahlen. Die Mindestzahl von 50 zahlenden Mitgliedern ist nie erreicht worden. Zuletzt stagnierte die Zahl bei 40. Außerdem gab es eine hohe Fluktuation. Das sind, grob zusammen gefasst, die Gründe, warum das Energetikom nie zum Selbstläufer geworden ist.

Geplant waren eine Grundfinanzierung über die Mitgliedsbeiträge sowie die Akquise von Fördermitteln, um den Betrieb abzusichern. Das Einstreichen staatlicher Zuschüsse wäre umso leichter gewesen, je mehr – vor allem je mehr bekannte – Unterstützer hinter dem Verein gestanden hätten. Neben einiger großen Unternehmen wie Bosch oder MHP (eine Porsche-Tochter) waren aber vor allem Ingenieurbüros Mitglieder. Handwerksbetriebe, die ebenfalls zu einer Mitgliedschaft aufgerufen waren und ein großes Potenzial gewesen wären, blieben dagegen weitgehend fern.

Nach der Anschubfinanzierung durch die Stadt musste zudem Jahr um Jahr um die weitere Finanzierung der Geschäftsstelle gerungen werden, was die Arbeit der Mitarbeiter nicht eben erleichterte. Zudem hatte die Geschäftsstelle mehrmals umziehen müssen, nachdem die erste im März 2010 in der Rheinlandstraße komplett abgebrannt war. Zuletzt war sie nach einigen Zwischenstationen in der Hoferstraße untergebracht. Das Leuchtturmprojekt stand von Beginn an unter keinem guten Stern.

Wie aus dem Bericht über den Niedergang des Energetikom herauszulesen ist, litt der Verein unter ähnlichen Strukturproblemen wie so manch anderer Verein, der auf ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen ist, und dem zudem die Mitglieder wegbleiben. Es hat von allem zu wenig gegeben.

Das „zeitliche Engagement der Energetikom-Mitglieder in Projekten“ sei immer weniger geworden, heißt es im Bericht. Entschuldigt wird das mit der boomenden Konjunktur, die den Mitgliedern so viele Aufträge aus der freien Wirtschaft beschert habe, dass für ein Engagement im Energetikom keine Zeit mehr übrig geblieben sei.

Die Treffen sind immer seltener geworden. Damit wurden auch die Erträge geringer. Zuletzt sah der Vorstand keine andere Möglichkeit mehr, als die Reißleine zu ziehen – obwohl die Energiewende längst nicht abgehakt war, wie sie betonten.

In den Anfängen des Vereins vor rund zehn Jahren war das noch anders. Damals herrschte eine globale Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Auftragslage war mau. Das Thema Energiewende stand politisch vor dem Durchbruch. „Sicher hat sich das eine oder andere Vereinsmitglied zu dieser Zeit Hoffnungen gemacht, über das Energetikom Aufträge generieren zu können“, sagt Jochen Lang von der Akademie der Ingenieure in Ostfildern, der zuletzt Vorsitzender war. Tatsächlich sei das nur „selten der Fall“ gewesen.

Zudem sei die Energiewende in der Öffentlichkeit nicht mehr das heiß diskutierte Thema und nach und nach vom aufkommenden Thema Digitalisierung überlagert worden. Lang versichert, keine Minute seines Engagements betreut zu haben.

Das neue Leuchtturmprojekt der Stadt ist jetzt das „Living LaB“. Dieses Innovationsnetzwerk soll die Themen des aufgelösten Energetikom fortführen.