Ludwigsburg Elektro-Spektakel im Barockschloss

Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 03.09.2018

Der König bittet zum Tanz“ war das Motto. Getanzt haben die Besucher des Electrique Baroque, des Festivals für elektronische Tanzmusik, das am Samstag im Schlossinnenhof des Ludwigsburger Barockschlosses zum dritten Mal stattfand, aber eher verhalten.

Dabei fing alles so vielversprechend an. Besseres Wetter hätten sich die Veranstalter des Electrique Baroque, Heiko Kreiter und Stefan Pauen, nicht wünschen können. Bei strahlendem Sonnenschein bildete sich kurz vor 12 Uhr bereits eine beachtliche Schlange vor dem Eingang des Schlosses. Denn wie für ein Festival üblich, ging das Ludwigsburger Elektro-Spektakel bereits mittags los und zog sich den ganzen Tag über bis in die Abendstunden hin. Im Schlosshof erwarteten die Fans der elektronischen Musik diverse Essens- und Getränkestände sowie Sitzgelegenheiten, die auch intensiv genutzt wurden, denn die ersten Stunden des Tanzfestivals waren eher vom Sitzen geprägt.

Anlaufschwierigkeiten

Stimmung wollte trotz der authentischen Festival-Atmosphäre nicht so recht aufkommen. Nicht nur das Publikum lümmelte im Schlosshof herum, auch die ersten DJs zeigten sich zurückhaltend. Milyano bestritt die erste Stunde mit eher gediegenen Tönen, es wurde gemunkelt, er spare sich die Kraft für die After­show im „Fräulein Cluss“ auf, dort legte der Musiker am späten Abend auch auf. Zur Überraschung der Anwesenden tat es ihm Moonbootica gleich. Sonst eher durch energievolle Beats bekannt, konnte das Hamburger Duo das Ludwigsburger Publikum nicht aus der Reserve locken. Daran änderten auch die barock anmutenden Tänzerinnen in einem Hauch von glitzerndem Nichts nicht viel, sie blieben lange Zeit die einzigen, die tanzten. Kurzzeitig ging eine Woge der Begeisterung durch die Menge, als Moonbootica ihren Hit „June“ spielte, aber daraufhin verfielen die Schlossbesucher wieder in Lethargie.

Um 15 Uhr legte Extrawelt eine Schippe drauf. Sie mischten ihre Musik live, das wusste das Publikum durchaus zu schätzen, der Platz vor der Bühne füllte sich ein wenig. Und doch: Mehr als das Getrippel von einem aufs andere Bein ließen sich die Zuschauer nicht abringen. Lokalmatador Marius Lehnert folgte dem Duo und lieferte ein gutes Set ab, ebenso Ame, die von 17 bis 19 Uhr auflegten. Marcel Dettmann beschallte das Publikum die darauf folgenden zwei Stunden, und endlich: der Lautstärkenregler wurde nach rechts bewegt. Während die ersten fünf Darbietungen fast schon leise dahin plätscherten, prallten die elektronischen Klänge Dettmanns gegen die historischen Schlossmauern, wurden von der Fassade reflektiert und landeten in der Magengrube des Zuschauers. Nicht umsonst stand die historische Schlossuhr den ganzen Samstag über auf fünf vor zwölf (wortwörtlich), nach einem netten Spätsommertag bei gediegener Musik und Freunden war es um 19 Uhr dann endlich Zeit für elektronische Musik und zum Tanzen.

Beeindruckende Lichtshow

Kurz vor 21 Uhr, bei Einbruch der Dunkelheit, bildete sich ein Netz aus Laserstrahlen über den Köpfen der Besucher, die sich endlich auch alle vor der Bühne eingefunden hatten. Beeindruckende Lichtspiele und laute sowie drückende Bässe fesselten das Publikum. Die Rufe nach „Monika“ wurden lauter, und um 21 Uhr war es soweit: Der bekannteste Lockenkopf der Techno-Szene betrat die Bühne: Monika Kruse. Die DJane knallte den Schlossbesuchern ein zweistündiges Set vor den Latz, das nicht einmal von der spektakulären Lichtshow ausgestochen werden konnte, und diese war beeindruckend: Geister bewegten sich von Fenster zu Fenster, die Fassade erwachte dreidimensional zum Leben, „Das letzte Abendmahl“ erstreckte sich auf den barocken Mauern.

Ein epochales Ende für einen gelungenen Tag im Schlosshof. Nur das Festival-Konzept scheint in den Köpfen der Musiker und Besucher leider noch nicht ganz angekommen zu sein. Vielleicht beim nächsten Mal.

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