Ludwigsburg Ein Verfechter des Jazz

Der neue künstlerische Leiter im Scala, Mini Schulz, will die Türen des Scalas für die Region zwischen Stuttgart und Heilbronn öffnen aber auch den Ludwigsburgern weiterhin ein spezielles Programm bieten.
Der neue künstlerische Leiter im Scala, Mini Schulz, will die Türen des Scalas für die Region zwischen Stuttgart und Heilbronn öffnen aber auch den Ludwigsburgern weiterhin ein spezielles Programm bieten. © Foto: Helmut Pangerl
Ludwigsburg / GABRIELE SZCZEGULSKI 03.11.2015
Die erste Veränderung im Programm des Scala macht sich in den nächsten drei Wochen breit: Die Ludwigsburger Jazztage haben ein neues Gesicht. Mini Schulz, der neue künstlerische Leiter des Scala, legt sich mächtig ins Zeug für den Jazz.

Mini Schulz, so scheint es, ist immer unter Strom. Vor allem wenn er über Musik oder Musikveranstaltungen spricht, leuchten seine Augen, seine Bewegungen werden leidenschaftlicher. Sein ganzes Leben, sein ganzes Sein hat der neue künstlerische Leiter des Scala Ludwigsburg auf Musik und die Verbreitung von Musik ausgerichtet. Die Anfrage, ob er der Programmmacher der Kultstätte nach dem Weggang von Peter Sömmer werden wolle, sei "ein Segen" gewesen. "Es passt alles zusammen, ich bin Ludwigsburger, ich bin gerne Veranstalter und suchte schon lange einen Raum für 250 bis 800 Besucher. Das ist ein Segment, dass ich bisher nicht füllen konnte", sagt Schulz.

Das Scala, erklärt der Geschäftsführer des Stuttgarter Jazzclubs BIX im Gustav-Siegle-Haus, hätte alles, was man für eine moderne, gute Veranstaltung braucht. "Die technischen Möglichkeiten seit der Sanierung sind einmalig. Das Scala schreit geradezu nach neuen Formen der Veranstaltungen", sagt er und erklärt sofort, was er damit meint: Workshops, Musikaufnahmen, Musiksessions, aber auch die "Nerd Night", die Flo König, der Programmmacher für die jungen Leute, am 29. November zum zweiten Mal veranstaltet. Auch die Verpflichtung des Cro-Schlagzeugers war ein Schachzug für eine Veränderung im Scala: "Ich kann zwar moderne, junge Musik gut finden, aber ich weiß nicht, was junge Leute wirklich gerne hören oder tun, deshalb ist Flo König da. Er bedient das junge Segment, er hat ein Gespür für Neues und ist dabei klug und bedacht", so Schulz.

Dass der Veranstalter der Stuttgarter Jazzopen ein Kenner des Musikstils ist und auch ein Verfechter des Jazz, wird dem Scala zugutekommen: Die Ludwigsburger Jazztage in den nächsten drei Wochen werden zeigen, wie Mini Schulz neue Formen in die Kulturstätte bringen will. "Natürlich wird es weiterhin ein traditionelles Programm, zugeschnitten auf die Ludwigsburger Bedürfnisse geben, aber ich möchte gerne, dass von Stuttgart bis Heilbronn die Leute merken, welch tolle Stätte das Scala ist und was hier für super Konzerte stattfinden", sagt er und meint: "Warum sollen die Stuttgarter immer nur in ihren Kessel bleiben, die sollen mal rauskriechen und schauen, dass es so was bei ihnen nicht gibt." Rivalität will er aber nicht, sondern die gegenseitige Befruchtung der Musikszene in der Region über Stadtgrenzen hinaus.

Erste Kooperation war der Beginn der Ludwigsburger Jazztage am Dienstag vor einer Woche, die als Zusammenarbeit mit der Jazz-open als "Jazzopen Night". Außerdem macht der die Ludwigsburger Jazztage zu einem stadtweiten Event: Der Ludwigsburger Jazzclub macht drei Freitagsveranstaltungen in der Musikhalle, die Bauer-Studios ("die kennt jeder Jazzer in ganz Europa und Amerika auch") veranstalten ein Konzert, in der Karlskaserne findet ein Konzert für Kinder statt. Überhaupt: die Kinder und der Jazz - das liegt Mini Schulz am Herzen, deswegen gibt es den Workshop "Jazz für Kinder ab drei Jahren". Aber auch die klassischen Jam-Sessions, wo jeder mitmachen kann, lässt er wieder aufleben. Ein Highlight im Programm ist sicher der Auftritt des Jugendjazzorchesters Baden-Württemberg und des Jazz-Ensembles Baden-Württemberg am 26. November, die dann gerade von ihrer Indienreise zurückkommen. "Und zwar mit toller Energie und eine Leistungsschau des baden-württembergischen Jazznachwuchses präsentieren", so Schulz. Jazz sei für ihn eine "Art von Musik, die sich immer wieder neu definiert und in der Grenzen verschwinden". Dafür will der Bassist "Neugierde wecken". Die Tradition der regionalen Musikszene, die sich immer wieder im Scala ein Stelldichein gab, will er trotzdem nicht vernachlässigen. "Tradition pflegen" nennt er es, wenn er auf ein Konzert mit "Anyone's Daughter vereist". "Hier gibt es so eine gute DNA von Scala-Gründergeneration, die man bestärken muss", sagt er.

Mit den Schlossfestspielen und deren Intendant Thomas Wördehoff sei er in intensiven Gesprächen über eine Zusammenarbeit. "Ein breites Angebot, aber auf noch höherem Niveau" fasst er seine Ideen fürs Scala zusammen. "Ich versuche einen großen Trichter zu basteln mit vielen, vielen verschiedenen Veranstaltungen, so dass für jeden etwas dabei ist."

Info Die Ludwigsburger Jazztage gehen am Freitag, 13. November, 21 Uhr, mit einem Konzert von Melva Houston und ihrer Band im Podium der Musikhalle weiter. Das weitere Programm gibt's online.

Mini Schulz: Biografie

Musiker Mini Schulz, 1966 in Stuttgart als Andreas Schulz geboren und in Ludwigsburg aufgewachsen, ist sowohl Bassist der klassischen Musik als auch in Jazz- und Popularmusik. Neben Kontrabass und E-Bass spielt er Violine.

Wirken Schulz studierte Kontrabass in Stuttgart, Wien und New York bei Ludwig Streicher, Ulrich Lau, Gary Karr, Niels Henning Ørsted Pedersen und Ron Carter, E-Bass bei Alphonso Johnson und Abe Laboriel.

Laufbahn Schulz war zunächst beim Radio-Sinfonieorchester Stuttgart und als Solobassist beim Württembergischen Kammerorchester Heilbronn tätig. Von 1993 bis 2006 arbeitete er als Bassist und Projektmanager beim Stuttgarter Kammerorchester. Er spielte in der SDR-Bigband und in den Bands von Klaus Graf, Wolfgang Dauner, Peter Lehel sowie mit Stéphane Grappelli oder Les McCann. Auch begleitete er Laurie Anderson, Lou Reed, Nina Corti, Paul Kuhn, Caroll Vanwelden und Helen Schneider.

Beruf Nach Lehrtätigkeit als Dozent wurde er 2006 als Professor und damaliger Leiter des Popstudiengangs an die Musikhochschule Stuttgart berufen. Daneben trat er als Solobassist im Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele und als Violonist im Bereich barocker Kammermusik auf. 2003 wurde er künstlerischer Leiter des Popbüro Region Stuttgart. Von 2003 bis 2007 war er künstlerischer Leiter der Reihe "Jazz für Kinder" in Stuttgart. Zudem ist er stellvertretender Vorstand des Jazzverbands Baden-Württemberg. Seit 2006 ist er Geschäftsführer des BIX-Jazzclubs in Stuttgart, in dem er auch auftritt. Seit 2008 gehört er der künstlerischen Leitung der Stuttgarter Festivals "Jazzopen" und "Boomtown" an.

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