Keine 500 Meter Luftlinie trennt das blaue Haus in der Bogenstraße in Ludwigsburg von der Feuerwehr Ludwigsburg mit Sitz in der Marienstraße. Und doch kam am Donnerstag für zwei Menschen jede Hilfe zu spät.

Am Donnerstagmorgen verständigten Anwohner gegen 8.45 Uhr die Feuerwehr, es dringe ein verdächtiger Rauchgeruch aus dem Mehrfamilienhaus in der Bogenstraße. So berichtet es das Polizeipräsidium Ludwigsburg. Die Feuerwehr rückte daraufhin mit erst einmal einem Fahrzeug aus. Die Feuerwehrmänner bestätigten die Wahrnehmungen des Nachbarn, die Fenster der Wohnung im Erdgeschoss waren von innen verrußt und strahlten Hitze ab. Insgesamt waren am Donnerstagmorgen sechs Feuerwehrfahrzeuge mit 35 Einsatzkräften vor Ort, und auch der Rettungsdienst kam mit vier Fahrzeugen sowie zwei Notärzten und dem Leitenden Notarzt. Die Einsatzkräfte mussten eine Scheibe einschlagen, um sich Zutritt zu verschaffen, denn alle Türen und Fenster waren geschlossen. Deshalb vermuten die Rettungskräfte auch, dass bereits in der Nacht zum Donnerstag ein Feuer ausgebrochen war, und zu einem Glimmbrand mit starker Rauchentwicklung führte. „Eine Person konnte noch ins Freie gerettet werden. Allerdings war sie bereits tot“, berichtet Ludwigsburgs Feuerwehrkommandant Ben Bockemühl auf Nachfrage der BZ.

In der Wohnung seien alle Türen offen gewesen, so konnte sich der Ruß und Rauch in der gesamten Wohnung ausbreiten. Bei einem Schwelbrand werde durch die unvollständige Verbrennung viel Kohlenstoffmonoxid produziert, das müde und schläfrig mache. Man schlafe ein und sterbe an der Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung, erklärt der Feuerwehr-Chef. „Einen Feuermelder konnten wir nicht wahrnehmen“, sagt Bockemühl. Dieser jedoch, „hätte den beiden Bewohnern das Leben retten können.“

Bei den Bewohnern handele es sich um ein älteres Ehepaar, so die Polizei. Ein 73-jähriger Mann und eine 66-jährige Frau. Wie Bockemühl berichtet, sind die beiden Personen in zwei verschiedenen Zimmern aufgefunden worden. Da keine Luft ins Innere der Wohnung dringen konnte, seien die Flammen wieder erloschen, sodass in der Nacht außerhalb des Gebäudes nichts bemerkt wurde, auch die Fenster hielten dicht und sind nicht geplatzt. Durch das Einschlagen des Fensters jedoch, sei Sauerstoff ins Innere der Wohnung gedrungen und das Feuer sei wieder aufgeglimmt. „Das hatten wir aber innerhalb einer Minute im Griff“, sagt der Feuerwehrkommandant. Die Menschenrettung sei die primäre Aufgabe gewesen, nicht das Löschen eines Feuers. „Acht Feuerwehrleute haben im Gebäude nach weiteren Bewohnern gesucht“, so Bockemühl. Gefunden wurde allerdings niemand mehr.

Wie die Polizei mitteilt, ist die eigentliche Brandausbruchstelle im Wohnzimmer vor der Couch lokalisiert worden. Eine technische Ursache konnte noch nicht ausgeschlossen werden. Am Nachmittag habe die Feuerwehr die Wohnung nochmals kontrolliert, die Arbeit der Wehr sei damit abgeschlossen.

Im weiteren Verlauf wird nun eine Ursachenermittlung durchgeführt, unter anderem hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart eine Obduktion der beiden Toten beantragt, um die Todesursache zu klären. Hinweise auf ein Verschulden Dritter am Tod der beiden Personen haben sich laut Polizei bisher nicht ergeben. Die Ermittlungen dauern noch an.