Ludwigsburg Ein Schulcampus nicht nur für Schüler

Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 11.07.2018

Das ist eine richtige Nummer. Wir gestalten hier ein ganzes Stadtquartier“, sagte Ludwigsburgs Erster Bürgermeister Konrad Seigfried beim Pressegespräch am Montagabend. Präsentiert wurde der Siegerentwurf zur Neuordnung des Bildungszentrums West, in Anwesenheit der Schulleiter des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG), Matthias Hilbert sowie des Rektors der Osterholzschule, Michael Marek, und der Konrektorin der Gottlieb-Daimler-Realschule, Claudia Beckenbauer.

Man habe es sich nicht leicht gemacht bei der Entscheidung, sagt Seigfried. 22 Entwürfe wurden abgegeben, die im Preisgericht ausgiebig diskutiert wurden. Letztendlich entschied man sich für drei Preisträger, deren Entwürfe nun im Bildungszentrum West ausgestellt sind. Den ersten Platz belegte das Stuttgarter Architekturbüro „h4a Gessert + Randecker Generalplaner“. Noch ist das Verfahren allerdings nicht abgeschlossen. Mit den drei Sieger­entwürfen geht es ins Verhandlungsverfahren. Im November beginnt dann die mindestens 2,5-jährige Planungsphase, auf die dann die Bauphase folgt. Der Schulkomplex soll bis 2028 zur Realisierung gebracht werden. Die Kosten schätzt Seigfried zwischen 80 und 100 Millionen Euro. In Sachen Fördergelder sei noch nicht allzu viel zu sagen. „Land und Bund halten sich bislang sehr bedeckt“, wirft OHG-Rektor Matthias Hilbert ein.

Ansprüche gebündelt

Das Siegerprojekt habe es geschafft, die Ansprüche an den Schulkomplex zu bündeln, sagt Ludwigsburgs Erster Bürgermeister und erntet zustimmendes Nicken aus der Runde. Entgegen dem vielfach hervorgehobenen Nachhaltigkeitsgedanken, ist der erste Schritt der Abriss der vorhandenen Schulgebäude aus den 1970er-Jahren. Die Grundschule im historischen Kasernengebäude bleibt stehen, und ist vom Umbau daher nicht direkt betroffen. Realschule und Gymnasium werden durch vierstöckige Gebäude in Hybridbauweise ersetzt. Ganze Bauelemente werden in Trockenbauweise vorgefertigt. Entstehen soll eine Holzkonstruktion mit Stahlbeton-Decken, sogenannte Holzbetonverbunddecken (aus Brandschutzgründen).

Die Osterholzschule und das Ludwigsburger Sportinternat, die in denkmalgeschützten Teilen der Königin-Olga-Kaserne untergebracht sind, erscheinen wie Kavaliersgebäude, sodass der neue Campus sich harmonisch in das Stadtteilquartier einfügt, sagt Mathias Weißer, Fachbereichsleiter Hochbau und Gebäudewirtschaft.

Die viergeschossigen Realschul- und Gymnasiumsgebäude der „h4a“-Architekten Martin Gessert und Nicolas Henn stehen sich parallel gegenüber. Mittig steht das Aula, Mensa-und Bibliotheksgebäude. Das besondere daran ist, dass das Gebäude multifunktional gedacht ist. Nicht nur die Schulen sollen von den großen Räumen profitieren, auch Vereine und die gesamte Weststadt sollen dort Veranstaltungen organisieren. VHS und Abendrealschule sowie ein möglicher Ganztag seien ebenfalls bedacht worden. Und auch der geschätzte Zuwachs von heute rund 2000 auf 2500 Schülern bis 2028 sei einberechnet. Wie sich das Innenleben der drei Gebäude konkret gestaltet, steht noch nicht fest. Schulleiter Hilbert lobte bereits jetzt die Bereitschaft des Architekturbüros, auf die tägliche Nutzung der Räume einzugehen, und den steten Dialog zwischen den Architekten und den Schulen.

Realschule und Gymnasium sind im Siegerentwurf nicht nur durch ein gemeinsames großes Pausendach miteinander verbunden. Durch das mittlere Gebäude führt auch ein Gang im ersten Stock, durch den die beiden Schulen erreicht werden können. Durch die abschnittsweise Bauart werden keine oder nur wenige Interimsbauten benötigt, sagt Seigfried, denn der Umbau erfolgt schrittweise bei laufendem Schulbetrieb (die BZ berichtete).

Auch für das Sportprofil der Schulen wird etwas getan: Die vorhandene zweigliedrige Turnhalle wird durch zwei neue Hallen flankiert werden. Dadurch könne auch der langjährige Wunsch nach einer Basketballhalle erfüllt werden. Die Rundsporthalle bleibt bestehen. Der Bereich der Turnhallen und der gemeinsame, weitläufige Pausenhof der Realschule und des Gymnasiums wird durch ein Sportband verbunden, das zum Skaten, Klettern und Verweilen einlädt.

Info Die Entwürfe sind noch bis zum 25. Juli von Montag bis Freitag, 8 bis 20 Uhr, im Bildungszentrum West, Kaiserstraße 10-14, Raum B008/B009, ausgestellt.

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