Komplett abschalten und die Arbeit zuhause lassen, kann Steffen Albrecht im Urlaub nicht. Immer läuft im Hintergrund die Überlegung mit: Wie kann man das, was wir gerade erleben, in Deutschland an den Mann bringen?

Steffen Albrecht ist zusammen mit seinem Cousin Georg Geschäftsführer des Reiseveranstalters Karawane in Ludwigsburg. Das Unternehmen wurde von den Großeltern der beiden gegründet. Steffen und Georg Albrecht leiten die Karawane mit ihren 35 Mitarbeitern bereits in der dritten Generation. „Eigentlich ist keine Reise, die wir unternehmen, der pure Urlaub“, sagt Steffen Albrecht.

Der Familienurlaub im vergangenen April war da keine Ausnahme: Steffen Albrecht zog es mit seiner Frau und den beiden Söhnen nach Südwest-Australien. „Im Hinterkopf hat man natürlich immer das Geschäft mit dabei“, sagt der gelernte Reiseverkehrskaufmann. Für 15 Tage tourte die Familie im Allrad-Camper durch den Bundesstaat Western Australia, brachte auf der Rundreise knapp 2500 Kilometer auf den Kilometerzähler. „Wir hatten schon Reisen, auf denen wir zu viel im Auto gesessen sind, das wollten wir dieses Mal vermeiden. Unser Motto in Australien war: Reisen, nicht rasen.“

Privatsphäre gibt es auf so einem Roadtrip keine: Tagsüber sitzt man meistens zu viert im Auto, geschlafen wird in zwei Dachzelten, die auf dem Geländewagen aufgespannt werden. Die provisorischen Betten auf dem Autodach erreicht man über eine Klappleiter. „Das ist natürlich auch manchmal eine Herausforderung für die Familie“, sagt Steffen Albrecht. „Aber wir haben immer schon solche Roadtrips unternommen und sind daher geübt darin, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Und unsere Kinder haben nur selten einen normalen Urlaub gemacht.“

In Australien war für die Albrechts Abenteuerurlaub angesagt: Zwei Wochen im Auto, ohne Navigationssystem und ohne Internetverbindung. Und zwei Wochen nur im Freien, sehr selten mal in einem Hotel. Morgens wurde die Familie von den Vögeln geweckt. „Wenn man immer draußen ist, lebt man mit der Sonne“, erzählt Albrecht. „Morgens steht der Australier sehr früh, also mit Tagesanbruch, auf, abends geht er recht früh ins Bett. Und davor genießt man den Lagerfeuercharme in der australischen Natur, wie beim Camping. Da kommt man auch schnell mit den Einheimischen ins Gespräch.“

„Auf manchen Sandpisten mussten wir die Luft aus den Reifen lassen, damit wir vorankommen“, sagt Steffen Albrecht. Da hat dann aber der Sohn Druck gemacht: „Unser Auto schafft das“, hat er gesagt.“ Auf einer solchen Reise sind natürlich Ersatzreifen und ein Kompressor Pflicht, aber „ich hatte im Urlaub noch nie einen Platten. Auf den sehr langen Strecken durch die Wüste, sollte man aber immer einen Puffer im Tank einplanen. Wenn man es nicht bis zur nächsten Tankstelle schafft und liegenbleibt muss man sonst hoffen, dass irgendein Australier vorbeikommt und einem hilft.“ Für die Navigation braucht man eine gute Karte und für den Extremfall einen Notfallsender. „Den haben wir aber noch nie gebraucht“, sagt Steffen Albrecht.

Der nächste Abenteuer-Urlaub ist auch schon geplant: Im Sommer wollen Steffen Albrecht und sein 18-jähriger Sohn für zwei Wochen mit dem Rucksack auf dem Rücken durch Kirgistan reisen. „Das hatten wir davor gar nicht auf der Landkarte, deswegen wird das bestimmt auch ganz spannen.“ Touristische Infrastruktur gibt es in dem zentralasiatischen Land kaum, übernachten werden die beiden bei Einheimischen in Jurten. „Und dann wollen wir mal schauen, ob man da vielleicht was draus machen kann“, sagt Steffen Albrecht. Denn ganz kann er die Arbeit im Urlaub nie zuhause lassen.