Der 32-Jährige Wahl-Berliner zeigt recht zügig, warum er zu den größten Vertretern seiner Zunft im deutschen Sprachraum gehört: Weil ihm die Grenzen des Genres so eindrucksvoll schnuppe sind. Weil alles so stimmig durchschimmert, seine Kindheit in Georgia (der Vater war US-Soldat) und die Jugend im Hardcore-Punk: Alle Stile fließen schlüssig ineinander, alles klingt so natürlich, als könnte es gar nicht anders sein. Das ist selten. Ein fetter Fisch also, den sich die KSK Music Open als Hauptact des ersten Abends geangelt haben.

Gleich das erste Stück ist der größte Hit vom besten Album: "Im Ascheregen", von der "Hinterland"-Platte, mitproduziert vom Mannheimer Multiinstrumentalisten Konstantin Gropper: langes Piano-Intro, flirrende Gitarrenläufe und Worte wie Feuer, über Aufbruch, Abbruch, Niederreißen, Hier- und Jetzt-Ergebenheit. All das wird hinausgestoßen von einer Stimme, die klingt, als hätte sich der junge Mann mit dem zarten Vollbart ein Reibeisen durch den Hals getrieben - eine Stimme, die wunderbar zu den Worten passt, die Caspers Abgesang auf alles Stehenbleiben noch viel eindringlicher, radikaler, schmerzvoller klingen lässt.

Das "Hinterland"-Album, nun auch schon zwei Jahre alt und immer noch Caspers aktuelles, trägt das Konzert zu großen Teilen, liefert mit Stücken wie "Im Ascheregen", mit dem bläserbunten "Jambalaya" und "Hinterland" seine Höhepunkte, prägt seine Vielfalt. Das Album ist Crossover vom Feinsten, eine der größten deutschen Rap-Platten, die je gemacht wurden. Das Konzert kann gar nicht scheitern.

Die Atmosphäre ist nach den Einheizern, dem Sänger Bosse und dem Berliner Hip-Hop-Duo "Zugezogen Maskulin" so prächtig wie die Ludwigsburger Schlossfassade: Die feinen Pastelltöne, die untergehende Sonne hüllen die knapp 9000 Zuschauer in ein edles Licht. Der Hofstaat schwenkt brav die Arme, nickt, kreischt und folgt "dem Casper" ordentlich. Der zeigt auf einer kleinen Zweitbühne in der Mitte des Schlosshofes mit einer Handvoll Liedern, dass er trotz aller Rocktönungen in erster Linie ein Rapper ist: Stücke wie "Cas in Paris" feuert er im Maschinengewehrstil ab, fast so, als thronte der US-Schnellrapper Basta Rhymes über dem Schlosshof.

Caspers Band begleitet ihn artig. Grobe Schnitzer leistet sie sich nicht, Höhepunkte bietet sie aber auch nicht. Sie spielt für die Rampensau, und das ist der "Cas". Und der ist übrigens ein ganz arg Lieber, ein so richtig Lieber: "Casper liebt Ludwigsburg" steht am Schluss auf die Bühne projiziert. "So perfekt" hat er nach einer seiner Oden auf die Ludwigsburger Fans auch geboten, auch gegen Nazis hat er noch was gesagt und dann "Mittelfinger hoch" gerappt, das er mit Kollegah und Favorite geschrieben hat. Das sind begabte Herren, auf deren Dicke-Eier-Gehabe Casper angenehmerweise verzichtet. Bushido müsste sagen: "Ersguterjunge". "Hier in Ludwigsburg fühl ich mich - endlich angekommen", sagt der Schelm berechnend. Denn das letzte Lied, "Endlich Angekommen", ist damit raffinierterweise auch gleich eingeleitet: träumerische Frauenstimmen vom Band, die Bühne blinkt ein letztes Mal in satten Farben, Funken regnen. Was passt besser zum Aufbruch, zum Niederreißen als ein Konzert, das in Asche beginnt und in Funken endet? Eine schöne Botschaft. Guter Junge.

Bericht über den zweiten KSK-Music-Open-Abend. Mehr Fotos im Internet auf

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