Dr. Klaus Bästlein referiert am Dienstag, 15. Oktober, 19 Uhr, im Staatsarchiv Ludwigsburg auf Einladung des Fördervereins der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen über sein Buch „Der Fall Globke – Propaganda und Justiz in Ost und West“.

Hans Globke, Verwaltungsjurist im Reichinnenministerium, kommentierte nicht nur die NS-Rassengesetze, sondern verfasste auch jene Verordnungen, die der Deportation der Juden den Weg bereiteten. Dennoch machte ihn Kanzler Konrad Adenauer in der neuen Bundesrepublik zum Chef des Bundeskanzleramts. Nach Einschätzung des Office of Strategic Services (OSS) der Vereinigten Staaten von Amerika zählte Globke zu den deutschen „Kronjuwelen“, aus denen nach Kriegsende eine spätere deutsche Regierung gebildet werden sollte. Hans Globkes Name symbolisiert die Integration der NS-Eliten in die westdeutsche Gesellschaft. Sein Fall steht auch, so eine Mitteilung des Fördervereins der Zentralen Stelle, für das desaströse Scheitern der NS-Strafverfolgung in der Bundesrepublik.

Hans Globke wurde zum Ziel wütender Propaganda-Attacken des SED-Regimes der DDR. Das Oberste Gericht der DDR verurteilte ihn 1963 in Abwesenheit wegen Mittäterschaft am Judenmord zu lebenslangem Zuchthaus. Der Fall Globke führte zu den Mythen und Legenden der Nachkriegszeit. Er ist ein Lehrstück über Justiz und Propaganda in Ost und West, das der Jurist und Historiker Klaus Bästlein zum Anlass nahm, um zu beleuchten, wie NS-Größen auch nach dem Ende des Dritten Reiches das politische Leben beeinflussten.

Info Dr. Klaus Bästlein, „Der Fall Globke – Propaganda und Justiz in Ost und West“, erschienen 2018, Metropol-Verlag, 22 Euro.