Ludwigsburg Ehrung für Flüchtlingsarbeit

Insgesamt vier Gruppen, die sich besonders im Bereich Flüchtlingsarbeit engagieren, wurden mit dem Karl-Mommer-Preis ausgezeichnet.
Insgesamt vier Gruppen, die sich besonders im Bereich Flüchtlingsarbeit engagieren, wurden mit dem Karl-Mommer-Preis ausgezeichnet. © Foto: Martin Kalb
Ludwigsburg / GÜNTER JUNGNICKL 29.06.2015
Vier besonders gelungene Aktionen für Asylbewerber im Landkreis Ludwigsburg wurden am vergangenen Freitag im Landratsamt mit dem Karl-Mommer-Preis der SPD ausgezeichnet.

Der Arbeitskreis Asyl in Benningen animierte Asylbewerber aus aller Herren Länder dazu, im Herbst gemeinsam in den Streuobstwiesen der Gemeinde Äpfel aufzulesen und daraus Apfelsaft zu keltern. Der dann auch noch mit Erfolg verkauft wurde.

Der Schwimmverein Freiberg erteilt Jugendlichen und erwachsenen Kriegsflüchtlingen aus Syrien kostenlos Schwimmunterricht und besorgt dazu sogar Badehosen umsonst.

Das Mehrgenerationenhaus in Ludwigsburg wurde zu einem Haus der Begegnung und in Markgröningen geben Gymnasiasten Kindern Sprachunterricht, während ehrenamtliche Helfer im "Café Zuflucht" deren Eltern zu Ratgebern in allen Lebensfragen werden.

Selbst die Integrationsbeauftragte Meri Uhlig aus Karlsruhe war begeistert, wie einfallsreich im Kreis Ludwigsburg die Arbeitskreise Asyl sind und wie viele es inzwischen gibt. Sie hatte nämlich für die SPD-Kreistagsfraktion und den Kreisvorstand die Aufgabe übertragen bekommen, jene vier Initiativen auszuzeichnen, die von einer zehnköpfigen Jury aus insgesamt 17 Bewerbungen ausgewählt hatte. Denn das Thema für die Verleihung des mit insgesamt 3000 Euro ausgestatteten Karl-Mommer-Preises hieß diesmal "Gelebte Willkommenskultur".

Zur Freude von Landrat Dr. Rainer Haas, der das Thema Asylbewerber längst zur Chefsache gemacht und ihm erst kürzlich den sechsten Demografietag des Landkreises gewidmet hatte. Denn für ihn ist es nicht nur eine "große Herausforderung", die zunehmende Zahl von Kriegsflüchtlingen unterzubringen und "in Arbeit zu bringen", sondern dafür in der Bevölkerung auch Akzeptanz und Unterstützung zu finden. Das inzwischen beinahe flächendeckende Engagement der vielen Arbeitskreise sei deshalb von unschätzbarem Wert.

Dass es dennoch in der Bevölkerung eine "diffuse Abwehrhaltung" gegenüber dem Flüchtlingsstrom aus dem Nahen Osten und vom Balkan gibt, veranlasste den stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Kreistagsfraktion, Rainer Fröbel, an den Mann zu erinnern, der dem Ehrenpreis seinen Namen gegeben hat: Karl Mommer. "Auch heute würde er noch seine Stimme erheben für Flüchtlinge", meinte er, zumal er selbst während der Nazizeit zum Flüchtling wurde. Der SPD-Kreisvorsitzende Lars Barteit bedankte sich nicht nur bei den Preisträgern, sondern bei allen Ehrenamtlichen im Landkreis für ihre wichtige Arbeit. Ziel müsse es immer sein, den Neuankömmlingen am Ende ein Gefühl der Zugehörigkeit zu geben. Nur so funktioniere Integration oder Teilhabe.

Zur Person: Karl Mommer

Karl Mommer (1910-1990): Der im nordrhein-westfälischen Wevelinghoven geborene Politiker wurde während der Nazizeit wegen subversiver Tätigkeit für die KPD zu 21 Monaten Gefängnis verurteilt und flüchtete danach nach Belgien, wo er auch promovierte. Im Nachkriegsdeutschland war er einer der profiliertesten Bundestagsabgeordneten. Im Wahlkreis Ludwigsburg gewann der SPD-Mann in den Jahren 1953, 1961 und 1965 das Direktmandat. Bis 1969 war er auch Vizepräsident des Bundestags. Mommer starb 1990 in Bonn.

NICK

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel