Ludwigsburg Druckkammer für Klinikum

Bunt bemalt und an ein U-Boot erinnernd: die neue Druckkammer beim Einbau ins Untergeschoss des Ludwigsburger Klinikengebäudes.
Bunt bemalt und an ein U-Boot erinnernd: die neue Druckkammer beim Einbau ins Untergeschoss des Ludwigsburger Klinikengebäudes. © Foto: Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim
Ludwigsburg / BZ 21.11.2014
Im Klinikum Ludwigsburg gibt es ab Dezember ein Druckkammerzentrum. Das "DCS" ist in diesen Tagen von Stuttgart in die Barockstadt umgezogen.

"DCS (decompression sickness) am Klinikum Ludwigsburg" lautet der neue Name von Stuttgart nach Ludwigsburg umgezogenen Druckkammerzentrums. Ab Dezember werden Ralf Schäfer, Geschäftsführer des Privatinstituts für Tauch- und Überdruckmedizin, und sein Team die neue Praxis in den eigens dafür geschaffenen Räumen im Untergeschoss des Klinikums in Betrieb nehmen.

Bekannt sei die Druckkammertherapie vielen aus dem Bereich des Tauchsports, erklärt Dr. Clemens Henze, Funktionsoberarzt der Ludwigsburger Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie und zugleich langjähriges Mitglied des DCS-Ärzteteams. "Wenn es aufgrund des erhöhten Drucks im Wasser zu einem Tauchunfall kommt, wird ein Taucher in der Druckkammer erneut einem erhöhten Druck im Medium Luft ausgesetzt, um damit die in seinem Körper entstandenen Stickstoff-Gasblasen wieder zu verkleinern, das Gas in Lösung zu bringen und abzuatmen." Zusätzlich, ergänzt der ausgebildete Taucherarzt, werde dem Taucher über eine festsitzende Maske reiner Sauerstoff zum Atmen gegeben. Hyperbare Sauerstofftherapie, kurz HBO, bezeichnet daher die Medizin diese Behandlungsform. Hoher Sauerstoffgehalt im Blut fördert die Regeneration.

Längst wird daher die Therapie mittels Sauerstoffüberdruck nicht nur bei Tauchunfällen angewandt, heißt es in einer Mitteilung des Klinikums. Zu den klassischen Behandlungsbereichen zählen auch Kohlenmonoxidvergiftungen, Gasbrandinfektionen oder Gasembolien, ebenso durch Bakterien ausgelöste, lebensbedrohende Infektionserkrankungen. "Mit der Behandlung von Rauchgasverletzten wird unserer Kernkompetenz als überregionaler Versorger von Schwerstverletzten ein weiterer wichtiger Baustein hinzugefügt", so Regionaldirektor Matthias Ziegler. Damit sei das Klinikum Ludwigsburg künftig für jeden Notfallpatienten, unabhängig seiner Verletzung, die richtige Adresse. Ein Vorteil, den der Ärztliche Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, Prof. Götz Geldner, bestätigt. Jeder Transport von Schwerstkranken sei für den Patienten lebensgefährlich und erfordere einen hohen medizinischen und finanziellen Aufwand.

Seit mehr als fünf Jahren pflegt seine Fachabteilung bereits die Zusammenarbeit mit dem Druckkammerzentrum. Im Gespräch ist ein zukünftig gesicherter 24-Stunden-Notfalldienst.

Um dies personell zu gewährleisten, bietet das Klinikum Ludwigsburg im Januar nächsten Jahres nach eigenen Angaben einen Taucherarztkurs an. Der praktische Teil dieses Kurses kann in der neu eingebauten Druckkammer im eigenen Haus stattfinden.

Die 17,5 Tonnen schwere Druckkammer wurde jetzt mit einem Schwerlasttransporter von Stuttgart nach Ludwigsburg überführt. Bereits seit Juni wurden die neuen Praxisräume im Klinikum vorbereitet.

Während die Kliniken gGmbH für den Praxisausbau und je nach Bedarf auch Personal stellt, hat sich das Privatinstitut gemäß eines Kooperationsvertrages dazu verpflichtet, auf eigene Kosten den Umzug und Einbau der Druckkammer zu bewerkstelligen und in Eigenregie den täglichen Praxisbetrieb zu gewährleisten.

"Um die Druckkammer betreiben zu können, mussten wir die Sauerstoffversorgung mit einem Vier-Kubikmeter-Tank für medizinischen Sauerstoff und die Druckluftversorgung mit separater Technikzentrale für 225 bar Druckluft autark von den Anlagen des Klinikums sicherstellen", beschreibt Bauleiter Christian Wecker die bisherigen Vorkehrungen.

Umbaumaßnahmen im Bereich der Nuklearmedizin ermöglichten auf einer Fläche von 164 Quadratmetern die Konzeptionierung der DCS-Praxis, die neben der Druckkammer zwei Untersuchungsräume, Rezeption sowie Betriebs- und Technikräume, ausgestattet mit modernster Technik, Monitoring und Videoüberwachung, bietet.

Das Innere der Druckkammer gleicht einer Flugzeugkabine. An die zehn Patienten können gleichzeitig behandelt werden. Zum therapeutischen Behandlungsspektrum zählen sowohl akute als auch chronische Erkrankungen, wie Tinnitus, Hörsturz, Problemwunden bei Diabetikern, Crush-Verletzungen oder Knochenerkrankungen.

Je nach Indikation reicht die Dauer einer Einzelbehandlung laut Kliniken von 45 Minuten bis zu sechs Stunden.

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