Ludwigsburg Dreharbeiten am Favoritpark

Filmdreh der Schule am Favoritepark. An der Kamera Schüler Manuel Kröll und Medienpädagoge Oliver Koll, daneben Lehrer Andreas Wilk mit Darstellerin Jasmin Glenk.
Filmdreh der Schule am Favoritepark. An der Kamera Schüler Manuel Kröll und Medienpädagoge Oliver Koll, daneben Lehrer Andreas Wilk mit Darstellerin Jasmin Glenk. © Foto: Martin Kalb
Ludwigsburg / Ifigenia Stogios 08.02.2018

Jasmin Glenk steht am Mittwoch kurz vor 11 Uhr am Gleis 2 der S-Bahn-Station Favoritepark in Ludwigsburg. Nach drei Minuten kommt die Bahn. „Action!“, ruft ihr Klassenkamerad Manuel Kröll mit einem breitem Lachen im Gesicht. Er steht hinter einer Kamera. Daraufhin steigt die 17-jährige in die S-Bahn ein und ganz schnell wieder aus.

Später läuft Glenk Richtung Schule und trifft eine weitere Schülerin, Mara Bauer, die mit ihrem Roller unterwegs ist. Bauer, ein Mädchen mit Down-Syndrom, übernimmt die Rolle der Reporterin und fragt Glenk, was sie erlebt, wenn sie unterwegs ist. Erst liest ihr die Lehrerin Annette Griesmaier die Fragen vor, dann wiederholt sie Bauer.

Das sind zwei Szenen eines Films über Mobilität, den die Förderschule am Favoritepark dreht. Beide Schülerinnen scheinen großen Spaß zu haben, dass sie mitwirken dürfen, auch wenn es sie Überwindung kostet, vor der Kamera zu stehen.

Diese Woche ist in der Förderschule am Favoritepark Projektwoche. Die Schüler drehen eine Videoreportage zum Thema „Mobilität“ im Rahmen des Medienprojekts „Übergang in die Arbeitswelt“. An diesem Donnerstag, dem letzten Tag des viertägigen Medienprojekts, wird Klassenlehrer Andreas Wilk interviewt. Er spricht über bestimmte Busse, mit denen behinderte Schüler in die Schule gefahren werden.

Die Schule beteiligt sich zum ersten Mal an einem Medienprojekt der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) Baden-Württemberg, das mit Unterstützung der Landesanstalt für Kommunikation für Schüler mit und ohne Handicaps angeboten wird. Nicht nur Lehrer begleiten die Kinder am Set, sondern auch drei Medienpädagogen der LKJ. Clarissa Schnitzer und Lara Ducks übernehmen die Regie, und Oliver Koll steht hinter der Kamera.

„Mobilität ist für unsere Schüler ein wichtiges Thema“, sagt Klassenlehrer Andreas Wilk. Er unterrichtet die Orientierungsstufe. Das ist die 11. und 12. Klasse. Danach bereiten sich die Schüler auf den Arbeitsmarkt vor, berichtet er.

Zwar sind die Schüler dann alle erwachsen, doch kaum jemand wird den Führerschein machen können, weiß der Lehrer. Aus diesem Grund sei es umso mehr sinnvoll, sich an die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmitteln zu gewöhnen.

Das Medienprojekt soll dazu beitragen. Die Schüler werden zwar täglich mit Verkehrsmitteln konfrontiert, nicht alle sind aber in der Lage, unbegleitet damit zu fahren. Für diejenigen, die selbstständiger sind, kommt es auch darauf an, „auf Pünktlichkeit zu achten und beizeiten am Arbeitsplatz zu sein“, sagt Lehrerin Griesmaier. Das wird auch im Film thematisiert. In der Videoreportage wird ein Wettrennen gezeigt. Drei Reporter sind jeweils mit dem Fahrrad, einem Kettcar und dem Roller unterwegs. Es geht darum, wer zuerst an sein Ziel kommt.

Verkehrsmittel im Mittelpunkt

Das Projekt macht die Schüler auf öffentliche Verkehrsmittel aufmerksam. „Manche werden von kleinen Bussen abgeholt, andere kommen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit der Bahn“, sagt Lehrer Wilk. Die Rückmeldungen seitens der Schüler sind bisher sehr positiv. „Wir haben mit den Kindern spielerisch Ideen gesammelt und haben uns in Kleingruppen aufgeteilt“, sagt die Medienpädagogin Clarissa Schnitzer. Am ersten Tag führten die Medienpädagogen die Schüler in die Grundlagen des Filmens ein. „Wir zeigten den Kindern, wie man eine Film-Angel hält und wie eine Kamera scharfgestellt wird“, sagt sie. Ausdrücke wie „Cut“, „Action“ und „Ton läuft“ sind nun nicht mehr unbekannte Begriffe für die Schüler.