Ludwigsburg Dolmetscher: Kein geschützter Beruf

Der ehrenamtliche Dolmetscherdienst hat 2015 auf Einladung von Rainer Wieland das Europäische Parlament in Straßburg besucht.
Der ehrenamtliche Dolmetscherdienst hat 2015 auf Einladung von Rainer Wieland das Europäische Parlament in Straßburg besucht. © Foto: Stadt Ludwigsburg
Ludwigsburg / Von Ifigenia Stogios 10.07.2018

Im Alltag kommt es immer wieder vor, dass Dolmetscher benötigt werden, ob im Gericht, in der Schule oder im Krankenhaus. Einen ehrenamtlichen Dolmetscherdienst gibt es in Ludwigsburg seit 2004. Von exotischen Sprachen wie etwa Somali, Susu (Sprache der Susu aus Guinea) und Tigrinya bis hin zu Französisch, Griechisch und Italienisch: Die rund 60 Ehrenamtlichen in Ludwigsburger übersetzen in mehr als 30 Sprachen. Mitglieder für den ehrenamtlichen Dolmetscherdienst, werden immer wieder gesucht, auch wenn zahlreiche Sprachen bereits abgedeckt sind.

Für sein Engagement hat der Dolmetscherdienst den Europäischen Bürgerpreis erhalten. Dazu beigetragen hat der Vizepräsident der europäischen Parlaments Rainer Wieland. Auf seinen Vorschlag kam der Dolmetscherdienst in die engere Auswahl. Den Preis, der jährlich vergeben wird, erhält das Dolmetscherteam im Herbst in Brüssel.

Mehr als 500 Einsätze im Jahr bewältigen die ehrenamtlichen Dolmetscher in Ludwigsburg. Menschen aus unterschiedlichen Ländern vermitteln Sprache und Kultur. Sie werden in Schulen, Kindergärten, bei Ämtern und Beratungsstellen und beim Jobcenter eingesetzt.

Aber was halten hauptberufliche Dolmetscher von Ehrenamtlichen? Fühlen sie sich von ihnen bedroht? Rechtsanwalt und staatlich geprüfter Dolmetscher und Übersetzer Evangelos Doumanidis ist Vorsitzender beim VVU Baden-Württemberg. Der VVU ist ein Interessenverband der Verhandlungsdolmetscher und Urkundenübersetzer, die von einem Gericht in Baden-Württemberg beeidigt worden sind. „Wir sind keine Agentur, wir empfehlen Dolmetscher und Übersetzer weiter, kriegen aber dafür kein Geld.“ Außerdem bietet der VVU Dolmetschern professionelle Beratung und ist Ansprechpartner bei Fragen zur Vergütung.

„Der Beruf des Dolmetschers ist nicht geschützt“, bedauert Doumanidis. Es könne quasi jeder ein Schild an seine Tür hängen und behaupten, er sei ein Dolmetscher, sagt er. „Es würde mich nicht wundern, wenn eine kostenlose Tätigkeit oder eine, die eben wenig kostet, dementsprechend nicht professionell genug ist. Man würde ja auch nicht einem Elektriker trauen, nur weil er nicht viel Geld verlangt.“

Schlimme Folgen beim Gericht

Besonders schlimme Folgen habe der Einsatz Ehrenamtlicher beim Gericht, behauptet er. „Normaler­weise sollten Gerichte nur  Vereidigte laden.“ In der Praxis passiere das nicht unbedingt.

In Ludwigsburg sind Mitglieder des ehrenamtlichen Dolmetscherdienstes allerdings nicht beim Gericht tätig, bestätigt die Stadt auf Nachfrage der BZ.

„Ohne die notwendigen Fachkenntnisse passieren häufiger Fehler. Dann müssen die Gerichtsbetroffenen in Berufung gehen“, sagt Doumanidis. Ein professioneller Dolmetscher müsse eine von drei bestimmten Prüfungen bestanden haben. „Es gibt die staatliche Prüfung als Dolmetscher, die staatlich anerkannte und die Eignungsfeststellungsprüfung.“

Fazilet Bozkurt ist allgemeine verteidigte Dolmetscherin für Türkisch und hat Jura studiert. Sie ist Mitglied beim VVU und arbeitet unter anderem auch in Ludwigsburg. „Wer gut genug ist, wird immer wieder vom Gericht geladen“, sagt sie. „Die Richter merken schon, ob man gut genug dolmetschen kann“, sagt sie. „Es ist in Ordnung, wenn es auch Ehrenamtliche gibt.“ Wer jedoch mehrere Sprachen kann, ist nicht gleich Dolmetscher“, betont sie. Außerdem sei ihr aufgefallen, dass Laien oft dazu tendieren, wortwörtlich zu übersetzen, was zu Missverständnissen führe.

Die Ehrenamtlichen dolmetschen aber nicht nur, sie übersetzen auch Briefe, Flyer und andere Schriftstücke. Beglaubigte Übersetzungen von Zeugnissen erstellen sie allerdings nicht. Albanisch, Arabisch, Kurdisch, Slowakisch, Slowenisch, Somali, Tschechisch und Urdu gehören zu den Sprachen, die bei den Ehrenamtlichen sehr gefragt sind.

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