Die Stadt Ludwigsburg sucht einen Kümmerer für die Belange der Fußgänger. Eine Stelle ist ausgeschrieben. „Doch im Moment haben es alle Städte sehr schwer, auf dem Arbeitsmarkt einen Verkehrsplaner zu finden“, stellt Bürgermeister Michael Ilk fest. Dabei hätte eine solche Fachkraft aktuell viel zu tun, um die Interessen der Verkehrsteilnehmer auf zwei Beinen oder auch im Rollstuhl zu vertreten, über die in der Abwehr von Dieselfahrverboten kaum bis gar nicht gesprochen wird.

Am Mittwoch hat Ilk dem Gemeinderat den aktuellen Stand des Green-City-Masterplans berichtet. Dieser war Grundlage, um möglichst hohe Zuschüsse aus dem „Sofortprogramm Saubere Luft 2017 bis 2020“ der Bundesregierung zu erhalten. 21 Millionen Euro hat das Bundesverkehrsministerium bereits genehmigt. Der Masterplan zur Verringerung der Feinstaub- und Stickoxidkonzentration basiert auf vier Säulen: den Kauf von Elektroautos für den städtischen Fuhrpark, Ausbau des ÖPNV, den Bau neuer Radwege und die Digitalisierung der Verkehrsleitsysteme. Fußgänger und deren potenzieller Beitrag für weniger Verkehr in der Innenstadt kommen im Masterplan der Stadt überhaupt nicht vor. Das fiel vor allem Gemeinderätin Elga Burkhardt auf. Fußgänger seien schließlich am umweltfreundlichsten unterwegs. Deswegen sei eine Fußwegeplanung notwendig, forderte sie. Die 25 Jahre alte Beschilderung zu modernisieren, reiche allein nicht aus. Das ist seit fast einem Jahr Thema im Bauausschuss. Die Wegweiser mit dem eingekerbten Pfeil in der Spitze sind teilweise ein Relikt, weil sie dem Fußgänger nicht mehr die optimale Richtung vorgeben. Die Stadt hat sich verändert, das Leitsystem seit Jahren nicht. Einheimische ignorieren die Wegweiser. Fremde verwirren sie. Außer Bezeichnungen, die nicht immer selbsterklärend sind, fehlen Angaben, wie weit das Ziel entfernt ist und wo es barrierefreie Straßenübergänge gibt. Mit ihrem Konzept, neue Masten und Infotafeln zu platzieren, ist die Verwaltung insbesondere bei der CDU und den Freien Wähler wegen der Kosten nicht durchgekommen. Ursprünglich waren 130 000 Euro angesetzt. „Der Gemeinderat hat uns weitere Hausaufgaben gegeben“, erläutert Ilk auf Anfrage.

Die Stadt hat 1992 den historischen Marktplatz von Autos befreit und den Menschen zum Flanieren und Erholen überlassen. Tatsächlich ist seither nicht mehr viel passiert, was Fußgängern außerhalb der autofreien Zonen Spaß an ihrem Tun machen könnte. Verkehr und Zahl der Fußgängerampel nehmen stetig zu. Lärm und Abgase machen die Wege in die Innenstadt beschwerlich. Die Stadt schenkt dem motorisierten Verkehr weiterhin die größere Aufmerksamkeit.

Um die Autoabgase zu senken, muss der Verkehr flüssiger werden. Neue Technik soll Ampeln so schalten, dass Fahrzeuge seltener zum Halten kommen. Längere Grünphasen sind während der Hauptverkehrszeiten folglich unvermeidlich. Das hieße, Fußgänger müssten sich an roten Ampeln noch länger die Füße in den Bauch stehen, wie sie es beispielsweise vor dem Schloss oder der Wilhelmgalerie bereits tun. Verkehrsexperten empfehlen eine Rotphase von längstens 40 Sekunden. An vielen Ampeln sind es wesentlich mehr. Ilk sieht darin „eine spannende Herausforderung, den Fußgänger nicht in den Hintergrund geraten zu lassen“.

Im Masterplan nicht bedacht

Für ihn steht fest, dass „die Digitalisierung dafür sorgen muss, dass der Fußgänger zu seinem Recht kommt“. Im Übrigen habe der Fußverkehr im Masterplan schlicht deswegen keinen Platz gefunden, weil dieser vom Sofortprogramm der Bundesregierung nicht gefördert werde. Die Stadt habe ihn dennoch im Fokus. Beispiel sei ein Fußgängerüberweg an der B 27 auf der Höhe des Schlosses. Die Ampel sei mit einem Sensor ausgestattet, der Menschen erkenne, die sehr langsam die vielspurige Straße queren. Die Grünphase werde automatisch verlängert. Nach und nach sollen sämtliche Ampeln mit einer solchen Technik ausgestattet werden.

Ilk ist überzeugt, „wenn man einen Fußweg schön und sicher anlegt, dann sind die Menschen gerne zu Fuß unterwegs“. Dass dafür in der Stadt einiges zu tun bleibt, weiß der Bürgermeister. So gebe es viele kleine öffentliche Fußwege, fernab von lauten Straßen, die aber kaum bekannt seien. Dies müsse sich ändern. In der Planung und Kommunalpolitik solle zudem öfter daran gedacht werden, „dass der Mensch vom Grundsatz her angewachsene Fortbewegungsmittel hat“.