Dieselfahrverbot Digitalisierung gegen Fahrverbote

Die Bundesregierung hat eine Frist bis zum Jahr 2020 gesetzt. Von da an muss der Stickoxid-Grenzwert an der Friedrichstraße eingehalten werden, um Dieselfahrverboten zu entgehen. Mit den geplanten Digitalisierungsprojekten soll das vorgegebene Ziel erreicht werden.
Die Bundesregierung hat eine Frist bis zum Jahr 2020 gesetzt. Von da an muss der Stickoxid-Grenzwert an der Friedrichstraße eingehalten werden, um Dieselfahrverboten zu entgehen. Mit den geplanten Digitalisierungsprojekten soll das vorgegebene Ziel erreicht werden. © Foto: dpa
Ludwigsburg / Uwe Roth 24.07.2018

Zwölf Millionen Euro investiert Ludwigsburg in eine moderne Verkehrsleittechnik, um auf dem letzten Drücker einem Dieselfahrverbot zu entgehen. Die Hälfte der Investition bekommt die Stadt vom Bund erstattet. Konkret bedeutet das: Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Stickoxid-Wert an der Schadstoffmessstelle Friedrichstraße bei 51 Mikrogramm je Kubikmeter Luft. Es sind elf Mikrogramm mehr als gesetzlich erlaubt. Unabhängig von Gerichtsurteilen sowie Anordnungen der Landesregierung hat die Bundesregierung als Geldgeberin eine Frist bis zum Jahr 2020 gesetzt. Von da an muss der Grenzwert an der Friedrichstraße eingehalten werden. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass sie mit ihren geplanten Digitalisierungsprojekten das vorgegebene Ziel erreichen wird. Nach Auskunft eines Rathaussprechers sollen dem Gemeinderat am Mittwoch, 25. Juli, erstmals genaue Zahlen vorgelegt werden.

Ob die Millionen gut angelegt sind, um mit den geplanten Technologien den Innenstadtverkehr flüssiger zu machen und damit die Autoabgase zu verringern, kann die Verwaltung bislang aber nur vermuten. Denn die Datenlage ist mäßig. Viele Fahrzeuge durchfahren Ludwigsburg bloß. Wer beispielsweise in Aalen als Ziel Heilbronn ins Navi-Gerät eingibt, wird unweigerlich mitten durch Ludwigsburg geführt. Daran wird die „Digitalisierung der kommunalen Verkehrsleittechnik“, wie die Stadt ihr Projektpaket bezeichnet, nicht viel ändern. Der Durchgangsverkehr wird auf den zwei jeweils vierspurigen Trassen nicht weniger werden, nach Prognosen sogar zunehmen und nur weniger Schadstoffe in der Stadt hinterlassen, wenn die Rotphasen verkürzt werden.

Das gilt ebenso für den starken Lkw-Verkehr. Die Stuttgarter Straße und Schlossstraße werden nach Angaben der Stadt täglich von etwa 3000 Lkw befahren; jeder dritte Lkw-Fahrer will lediglich in die Stadt rein und auf der anderen Seite wieder raus. Die Friedrichstraße ist ebenso stark mit Lkw-Verkehr belastet. Da viele Lkw-Fahrer in die Stuttgarter Straße abbiegen oder im Industriegebiet im Westen ihr Ziel haben, liegt der Anteil der Durchfahrer bei nur 16 Prozent. Der Rathaussprecher weist aber darauf hin, dass die Daten mehr als fünf Jahre alt sind. Durchfahrende Autofahrer werden sich nicht zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen lassen. Diesen attraktiver zu machen, in dem Busse digitalisiert bevorzugt durch die Stadt fahren, gehört zum Plan der Stadt. Auch von der Digitalisierung des Parkraummanagements werden Durchfahrer unberührt bleiben. Wie hoch ihr Anteil am Durchgangsverkehr tatsächlich ist, kann die Verwaltung nicht sagen. „Aktuell sind diese Zahlen nicht bekannt. Dazu wären konkrete Befragungen oder Erfassungen über digitale Routendaten notwendig“, teilt der Sprecher dazu mit. Exakte Aussagen könnten erst gemacht werden, wenn die neue Verkehrsleittechnik in Betrieb ist, die auch Verkehrsströme analysieren kann.

Die Stadt geht bislang von einem Anteil der Durchfahrer (inklusive Lkw) am Stadtverkehr zwischen 15 bis 20 Prozent aus. Für die Stadt trägt – davon ausgehend – der innerstädtische Verkehr die Hauptlast an der Schadstoffbelastung, die die Messstation an der Friedrichstraße aufzeichnet. Sollten künftig die Zählungen der digitalen Leittechnik diese Annahmen bestätigen, hätte die Stadt mehr Möglichkeiten auf den Verkehr Einfluss zu nehmen, als nur mit einer digitalen Steuerung für mehr Grüne Welle zu sorgen. Aber auch dies soll dafür sorgen, dass der Durchgangsverkehr einen Beitrag zu „einer Reduktion der Luftschadstoffe“ leisten wird.

Die Hoffnung auf den Erfolg der digitalen Technik zur Verkehrsentlastung ist das eine, den Gemeinderat dafür als Unterstützer zu gewinnen, ist das andere. Die CDU-Fraktion stellte sich geradezu euphorisch hinter das Maßnahmenpaket.

Gleichzeitig reichte Klaus Herrmann, der Fraktionschef der CDU, den Antrag ein, „überall dort, wo durch Umbaumaßnahmen, durch Umgestaltung, durch Einrichten von Fahrspuren für Fahrräder, Busse, BRT oder Stadtbahn, Parkplätze wegfallen, Ersatzparkplätze in fußläufiger Entfernung zu schaffen“.

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