So langsam kommt die Gemeinschaft auf. Jetzt, wenn’s mal mehr grünt“, sagt Norbert Heselmann, der Vorsitzende des Vereins der Gartenfreunde Ludwigsburg. Am 25. September letzten Jahres fand die offizielle Eröffnungsfeier der Kleingartenanlage am Römerhügel in Ludwigsburg statt (die BZ berichtete). Die Geschichte dieser noch jungen Anlage ist durchaus bemerkenswert, denn wie oft kommt es schon vor, dass eine komplette Schrebergartenkolonie umzieht?

Aber von vorne: Der Ludwigsburger Gemeinderat fasste einstimmig (mit zwei Enthaltungen) im November 2016 den Beschluss, die Kleingärten der Frommann-Anlage an den Römerhügel umzusiedeln. „Viele hatten dort 40 Jahre und länger ihren Garten. Es sind auch nicht alle Gärtner mit, viele aus Altersgründen“, erinnert sich Heselmann im Gespräch mit der BZ. Das Gebiet der ehemaligen Frommannkaserne, inmitten des Gewerbegebiets und nahe der Autobahnauffahrt Ludwigsburg Süd, war zu diesem Zeitpunkt schon seit Jahren als neue Gewerbefläche in der politischen Diskussion. Die Kleingartenanlage selbst gibt es seit der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg – 1945/46 wurde die Anlage angelegt. „Um als Stadt zukunftsfähig zu bleiben, müssen wir Unternehmen und Arbeitsplätze in die Stadt holen. Doch Gewerbeflächen sind rar“, sagte Bürgermeister Michael Ilk Ende 2016. Das Gewerbegebiet Weststadt könne durch die Flächen der ehemaligen Frommannkaserne ideal ergänzt werden, so Ilk damals. Aber natürlich lägen der Stadt auch die Belange der Kleingärtner sehr am Herzen.

Zu diesem Zeitpunkt war die etwa fünf Hekar große Fläche auf rund 150 Parzellen aufgeteilt. Der Beschluss fiel. Weit weg mussten die Kleingärtner aber nicht ziehen, knapp zwei Kilometer liegen zwischen der alten und der neuen Gartenanlage, die sich beide in der Ludwigsburger Weststadt befinden. Im Juni 2017 erfolgte der Spatenstich am Römerhügel, der bis dato landwirtschaftlich genutzt wurde.

Die neue Anlage für die Kleingärtner gliedert sich in elf unterschiedlich große, schollenartige Quartiere, in denen insgesamt 105 Parzellen, jeweils zwischen 121 und 433 Quadratmetern groß, zusammengefasst sind. Die gesamte Fläche am Römerhügel umfasst sieben Hektar. Die Fläche besteht allerdings nicht nur aus den Garten-Grundstücken. Denn das besondere am Konzept am Römerhügel ist, dass das Areal durch öffentliche Grünflächen für jedermann zugänglich ist und durch Sitzgelegenheiten und Spielflächen sowie den Rodelhang als Naherholungsgebiet genutzt werden kann.

Zwei Jahre Planungs- und 14 Monate Bauzeit stecken in der neuen Anlage, die im vergangenen Jahr eröffnet wurde. Ebenso 14 000 Stunden Arbeit der beauftragten Firmen sowie 3,8 Millionen Euro, welche die Barockstadt investierte.

75 Prozent sind zufrieden

Heutzutage seien schätzungsweise Dreiviertel der Kleingärtner mit der neuen Anlage zufrieden, berichtet Heselmann. 70 der 105 Parzellen wurden übrigens von den ehemaligen Frommannkasernen-Gärtnern bebaut, 35 seien Neupächter, sagt der Vereinsvorsitzende. Die Stadt habe die Hütten aufgestellt und 1,3 Kilometer Wasserleitungen verlegen. Die Gestaltung sei den Kleingärtnern selbst überlassen, wobei gewisse Vorgaben zu beachten seien, je nach Größe und Fläche, erklärt Heselmann gegenüber der BZ. Angekreidet wurde von Beginn an die Vorgabe, dass die Hecken, die die einzelnen Parzellen umgeben, nur 1,20 Meter hoch sein dürfen. „Es wird sich zeigen, ob wir mit der Höhe hinkommen“, sagt Heselmann. Er sage den Gärtnern aber immer wieder, wenn die Bäume und das Gesäte wachsen und blühen, dann sei es in der neuen Gartenanlage besser. „Das Umfeld der Frommannkaserne war unschön“, so der Vereinsvorsitzende. Die Kleingärtner seien schon gut vorbereitet auf das Frühjahr und warten darauf, dass alles gedeiht und wächst.

Stand im Gewerbegebiet Waldäcker


Im Februar 2019 hat die Stadt Ludwigsburg das Gelände der ehemaligen Frommannkaserne von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) erworben und sogleich die Räumung begonnen. Diese musste allerdings am 1. März schon wieder eingestellt werden, bis zum 30. September gilt die Schonzeit für Gehölze. In diesem Zeitraum dürfen bundesweit weder Hecken, Gebüsche noch Bäume entlang von Straßen geschnitten oder gerodet werden.

Welche Firmen im Gewerbegebiet Waldäcker angesiedelt werden, steht noch nicht vollständig fest. Es gelten jedoch laut Angaben der Stadt gegenüber der BZ bestimmte Anforderungen. Unter anderem müssen viele Arbeitsplätze generiert werden und der Logistik-Anteil dürfe nicht zu hoch sein.

Fest steht, dass eine Teilfläche nördlich der Karl-Pfizer-Straße, also nördlich des Audi-Autohauses Hahn an die Firma Goetze gehen wird. Das Unternehmen sitzt bislang in der Robert-Mayer-Straße 21, wo dem Armaturen-Hersteller der Platz ausgehe, so ein Stadtsprecher. hevo