Vielleicht war es der außergewöhnliche Name: „Der Katze und die Hund“, vielleicht, dass das sechsköpfige selbsternannte „Bordsteinkantenorchester“ auf Deutsch singt, vielleicht aber auch die Tatsache, dass sie erst kurzfristig eingeladen wurden. Auf jeden Fall: Das Ensemble aus Leipzig, Berlin, Karlsruhe und Tübingen hat das 15. Straßenmusikfestival im Blühenden Barock gewonnen.  Insgesamt besuchten an drei Tagen 30 000 Menschen das Festival im Blühenden Barock in Ludwigsburg. Nicht ganz so viele wie 2018 (35 000 Anm. d. Red.), als an allen drei Tagen das Wetter hervorragend war.

Bestbesuchtester Samstag

„Am Freitag war es zu windig, am Sonntagabend sah es nach Regen aus, so dass der Besucherandrang nicht ganz so gut war wie im vergangenen Jahr“, sagte Jochen Schroda, Chef der Agentur Pulsmacher, die das Straßenmusikfestival gemeinsam mit dem Blühenden Barock veranstaltet. Doch: „Der Samstag war der bestbesuchteste in 15 Jahren und riss die Besucherzahl nach oben“, so Schroda. Und auch Reiner Pfisterer, seit Jahren der Fotograf für das Festival, bestätigt: „Man konnte kaum noch auf den Wegen gehen, so groß war der Andrang, es sind ja immer viele Besucher gerade am Samstag beim Straßenmusikfestival, aber das war unglaublich, man kam kaum noch an die Bühnen ran.“

600 Musiker und Bands hatten sich für die Teilnahme beworben, 40 hatte der Veranstalter, die Agentur Pulsmacher, ausgewählt. „Wir hatten uns zwar beworben, wussten aber, weil wir im vergangenen Jahr dabei waren, dass wir nicht ausgewählt werden“, so der Sänger von „Der Katze und die Hund“ auf der Bühne. Doch zwei Tage vor Beginn des Festivals rief Organisatorin Cynthia Graf von Pulsmacher an, es werde noch ein Ensemble als Ersatz gesucht, ob „Der Katze und die Hund“ könnten? Sie konnten und gewannen das Preisgeld von 1500 Euro.

Beste Show aus Österreich

33 000 Stimmkarten wurden abgegeben, da jeder Besucher zwei Stimmen hatte, die meisten wurden für das deutsch-deutsche Ensemble gezählt. Den zweiten Platz belegte Gap’s Orchestra mit dem charismatischen Sänger Alessandro Vast aus Italien. Weder die Band noch das Publikum bekam genug von den italienischen Popklassikern wie „Volare“ und so spielten die Musiker auch in ihren Pausen, auf den Wegen vor Hunderten von Zuhörern.

Der Folksänger Schraubenyeti gewann den dritten Preis. Mit seinem selbst ernannten Klavierfolk in hoher Qualität gewann er still und heimlich die Herzen der Besucher. Die beste Show machten sicher die Jungs von Blechsalat aus Österreich, denen die Bühnen des Blühenden Barocks nicht ausreichten und die mitten im Publikum spielten. Hits von der Tuba gespielt, hört man nicht aller Tage: Platz 4. Auf Platz 5 wurde Ramm Tamm Tilda gewählt, die hauptsächlich Jazz spielen, und damit hat das Publikum so vielseitig ausgesucht, wie das Angebot auf dem Festival.

Das Straßenmusikfestival ist mittlerweile bei den Musikern aus aller Welt so beliebt, dass sie keine Kosten und Mühen sparen, um nach Ludwigsburg zu kommen: Wie ein Ensemble aus Australien namens Buckit, die aus Geldmangel auf Eimern und Tonnen statt auf Trommeln spielen. Auch aus Australien kommt der Favorit von Festivalbesucherin Irene Schmidt aus Murrhardt: Beranger, dessen Kopf Beranger Gras eigentlich aus Frankreich stammt. „Der Pianist Beranger Gras spielt zum Niederknien, der gehört in große Konzertsäle“, sagte sie zu dem Ensemble, das Grunge mit Klassik verbindet. Schlagzeuger Todd James spielte auch bei Buckit mit.

Viele Stile auf einmal

Franka Mahler aus Schwäbisch Gmünd kommt seit Jahren mit ihrer gesamten Familie zum Straßenmusikfestival. Sie konnte bei der Folkmusik von Helmet Duty, einem Leipziger Bluegrass-Ensemble, nicht stillstehen. „Ich liebe es, dass man hier immer so viele verschiedene Stile zu hören bekommt, alles auf einen Schlag, das ist toll“, sagte sie. „Was auffällt in diesem Jahr“, so Jochen Schroda, „sind viele Familien mit Kinder, die gekommen sind, um hier zu picknicken, zu spielen, zusammen zu sein und Musik zu hören“. Kinder, das sah man, liebten vor allem schnelle, rhythmische Musik wie von Calle Mambo aus Chile und Kolumbien. „Wir sind super zufrieden, wie das Festival abgelaufen ist, so ein ausgewogenes Programm hatten wir selten“, so Schroda.