Ludwigsburg Die Ludwigsburger "Meet-HipHop"-Community vernetzt sich

Ludwigsburg / GABRIELE SZCZEGULSKI 01.02.2014
Musik wird selten diktiert, sondern kommt aus den Menschen. Ein Projekt, ein Trend oder eine kreative Gemeinschaft entsteht. Die "Meet HipHop Community" hat sich in Ludwigsburg im Laufe von zehn Jahren von der Subkultur zu einer vernetzten Szene entwickelt.

Noch immer gilt HipHop als Subkultur. Dabei hat sich die Musikbewegung, die aus Rap, DJing, B-Boying (Breakdance) und Graffiti-Writing besteht, längst etabliert, wird in Tanzschulen gelehrt und selbst Volksmusiker wie Heino rappen, was das Zeug hält. Das Problem an der Sache: Diese Kommerzialisierung lehnen HipHopper ab. "HipHop kommt von der Straße", sagt Tänzerin Carina Clay, die Kurse an der Tanz- und Theaterwerkstatt gibt und die Initiatorin der Vernetzung der HipHop-Szene ist.

In den 1990er-Jahren erfasste auch Deutschland das HipHop-Fieber. Es wurden Kurse gegeben, die den Tanz und die Musik weitergaben. So auch in der Tanz- und Theaterwerkstatt in Ludwigsburg. Natürlich gab es einige Jugendliche, die auch danach weitermachten. Die Künstler arbeiteten aber meist im Verborgenen, kannten sich nicht und hatten kaum die Möglichkeit, aus ihrem Schattendasein aufzutauchen. Carina Clay sah die Notwendigkeit, dass sich die HipHop-Szene besser vernetzt. 2003 veranstaltete sie zum ersten Mal mit Hilfe der Tanz- und Theaterwerkstatt Ludwigsburg in der Karlskaserne die "Meet HipHop", aus der sich dann die "Meet HipHop Community" bildete, ein Netzwerk aus HipHoppern der verschiedensten Couleur. Das Besondere: Alles wird von der Community selbst organisiert. Nichts wird von öffentlicher Hand getragen oder beeinflusst. Das lässt HipHop in Ludwigsburg immer noch eine Subkultur sein. Die Tanz- und Theaterwerkstatt, eine städtisch geförderte Institution - im übrigen auch aus einer Subkultur-Bewegung entstanden - unterstützt mit Räumlichkeiten und organisatorischen Strukturen.

"Meet Hip Hop" war von 2003 bis 2008 ein alljährliches Event, bestehend aus HipHop-Theater, Contests, Battles und zahlreichen Workshops nach der Idee von Carina Clay. Unter Clays künstlerischer Leitung und der organisatorischen Leitung der Tanz- und Theaterwerkstatt entstand bei "Meet HipHop" eine außergewöhnliche HipHop-Show mit Rappern, Tänzern, DJs, Musiker, Graffiti-Artists, Sängern und Schauspielern. Begleitend dazu wurden im dienstägigen Programm Streetdance Contests, Rap- und B-Boy-Battles und Workshops veranstaltet, um alle Interessierten in das Geschehen bei Meet HipHop aktiv mit einzubinden. "Der Schwerpunkt liegt in der kulturellen Bildung von Jugendlichen und das Projekt dient als Sprungbrett und Experimentierfläche aller mitwirkenden Künstler", so Carina Clay.

Innerhalb von nur sechs Jahren hatte sich "Meet HipHop" zu einer der beliebtesten Eventreihen der Region entwickelt. 2008 fand das letzte "Meet HipHop" in dieser Form statt. Geplant war eine Kreativpause, um bisherige Vorgehensweisen zu überdenken und zu verbessern, neue Konzepte zu entwickeln und Raum zu geben für ähnlich geartete Projekte, die auch kurze Zeit später folgten. Mittlerweile gibt es zweimal im Jahr in der Karlskaserne eine Open Stage für Künstler aller Art, bei denen die "Meet HipHop"-Community ausgewählte Künstler zeigt. Es gibt alljährlich "Meet HipHop"-Shows, wie 2013 "Dreadlocks", an denen die verschiedensten Künstler der Community teilnehmen und im Vorfeld der Show gemeinsam arbeiten, um so die Vernetzung voranzutreiben. "Wir veranstalten auch Projekte, um aktive Jugendliche und begeisterte HipHopper zu vernetzen und ihnen die Möglichkeit zu bieten, sich auszutauschen", erklärt Carina Clay das Junior-Projekt. Ein ganz besonderes Programm sind die "Syndicate Projects". Ziel ist die Vernetzung regionaler professioneller Tänzer zu fördern und die regionale Szene stärker in den internationalen Kontext einzubinden. Außerdem gibt es Workshops bei der Tanz- und Theaterwerkstatt. Das Wichtigste aber: "Wir legen vor allem Wert auf die Zusammenarbeit und den Austausch", so Carina Clay.

Die "Meet HipHop"-Community ist mittlerweile eine selbst organisierte Künstlergemeinschaft, bestehend aus Profis und Nachwuchstalenten, die aus den gemeinsamen HipHop-Projekten von Carina Clay und der Tanz- und Theaterwerkstatt entstanden ist.

Die Community hat es sich zum Ziel gesetzt, die HipHop-Kultur im Kreis Ludwigsburg und Stuttgart zu fördern. "Wir verbreiten HipHop-Geist auf allen Ebenen", sagt Carina Clay - "und bleiben weiter unabhängig", fügt sie hinzu. Und Unabhängigkeit ist ein Zeichen für eine Subkultur.

Wie aus einer Werstatt eine Institution wurde: die Tanz- und Theaterwerkstatt
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