Ludwigsburg Die Feuerwehr hat wieder einen Chef

Ben Bockemühl, der neue Feuerwehrkommandant Ludwigsburgs, trat am 1. September seine Stelle an. Am Mittwoch stellte er sich im Rathaus vor und zeigt sich optimistisch, die Ludwigsburger Wehr, die rund 20 Monate keinen Chef finden konnte, zu leiten.
Ben Bockemühl, der neue Feuerwehrkommandant Ludwigsburgs, trat am 1. September seine Stelle an. Am Mittwoch stellte er sich im Rathaus vor und zeigt sich optimistisch, die Ludwigsburger Wehr, die rund 20 Monate keinen Chef finden konnte, zu leiten. © Foto: Helmut Pangerl
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 06.09.2018

Lange musste die Ludwigsburger Feuerwehr auf ihren neuen Chef warten. Bereits seit Dezember 2016 war die Stelle vakant.  Seitdem leiteten Hans-Peter Peifer und Frank Pfersich die hauptamtliche Abteilung der Ludwigsburger Feuerwehr kommissarisch. Dies entspreche der Stellvertretungsregelung und sei keineswegs ungewöhnlich, sagt Ludwigsburgs Erster Bürgermeister Konrad Seigfried beim Pressegespräch zur Vorstellung des neuen Kommandanten am Mittwoch. Wohl jedoch die Länge der Vertretungszeit.

Am 1. September trat Ben Bockemühl seine neue Stelle als Feuerwehrkommandant an. Der 38-Jährige zeigte sich beim Pressegespräch gut gelaunt und zuversichtlich – ob des Rufs der Ludwigsburger Wehr als „Sorgenfeuerwehr“. Auf die „alten Kamellen“ gebe er nichts. „Es gibt in jeder Feuerwehr Phasen, in denen es menschlich schwieriger ist“, sagt Bockemühl. Da helfe es nur, Mensch zu bleiben und miteinander zu reden. „Ich arbeite gern mit Menschen“, ergänzt er. Sein nicht gerade klassischer Lebenslauf unterstreicht diese Aussage. Der neue Feuerwehrkommandant Ludwigsburgs ließ sich ursprünglich zum Hauptschullehrer ausbilden. Sozialkunde, Arbeitslehre, Deutsch und Sport unterrichtete der aus dem Landkreis Friedberg in Bayern stammende Bockemühl.

„Mit ihm haben wir einen Menschen gefunden, der Feuerwehr atmet“, beschreibt Seigfried den 38-Jährigen. Und tatsächlich: Bereits mit zehn Jahren ist der heutige Feuerwehrkommandant der freiwilligen (Jugend-) Feuerwehr Friedberg, Abteilung Sätzling, beigetreten. Mit 19 war er Gruppenführer, in jeder freien Minute besuchte er Lehrgänge. „Die Feuerwehr hat mich nie losgelassen“, sagt Bockemühl. Das Gefühl, im Einsatz Menschen helfen zu können, habe ihn angespornt, mehr zu machen. Er war Kreisjugendwart für zwei Landkreise, und auch während eines einjährigen USA-Schüleraustauschs, half er bei der freiwilligen Feuerwehr in Fremont, Kalifornien mit. Dort verbrachte er nach dem Abitur weitere eineinhalb Jahre.

Lehrer und Kreisbrandrat

Während seiner Zeit als Lehrer war er parallel sechs Jahre lang Kreisbrandrat, also gemäß Bayerischem Feuerwehrgesetz der höchste feuerwehrtechnische Grad. In Bayern ist die Feuerwehr immer ein kommunales Ehrenamt, erst mit seinem Wechsel nach Villingen-Schwennigen, wo er für anderthalb Jahre war, konnte er sich dem reinen Feuerwehramt widmen. Neben diversen Fortbildungen hat Bockemühl auch einen Master of Disaster Management and Risk Governance (Master Katastrophenvorsorge und -management) von der Uni Bonn vorzuweisen.

All diese Stationen im Lebenslauf des 38-Jährigen überzeugten die Stadt Ludwigsburg. Wie Erster Bürgermeister Seigfried betont, habe es durchaus Bewerbungen auf den Posten gegeben. Keiner dieser Bewerber habe aber den Ansprüchen der Barockstadt genügt. Durch ein Personalbüro habe man Bockemühl aufgespürt und nach Ludwigsburg geholt. Er habe einerseits Erfahrung, eine Feuerwehr zu leiten. Andererseits kenne er die Thematik – und ab und an auch Problematik – zwischen Feuerwehrhauptamt und -ehrenamt. Auch habe Bockemühl alle Voraussetzungen, in den höheren Dienst aufzusteigen. Denn dem 38-Jährigen steht noch eine einjährige Fortbildung an der Feuerwehr-Schule in Münster bevor. Bislang in Feuerwehr-Kreisen unbekannt, ist die neue Kommandantenstelle Ludwigsburgs im höheren Dienst angesiedelt, und nicht wie bislang im gehobenen. Die Feuerwehr ist in Ludwigsburg nun nicht mehr „nur“ eine Abteilung des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung, sondern ein eigener Fachbereich, dessen Leiter Bockemühl somit auch ist. Die Bezeichnung des Dienstgrads ist dann Oberbrandrat und die Vergütung erfolgt nach A 14. Auch soll die Ludwigsburger Feuerwehr in Sachen Bevölkerungsschutz weiterentwickelt werden. Also vorbereitende Maßnahmen zu treffen, um etwa bei Starkregen schnell und geübt handeln zu können.

Die erste große Aufgabe, die Ben Bockemühl bevorsteht, ist der Brandschutzbedarfsplan, in den er seine Vorstellungen einbringen soll. Auch seinen ersten Einsatz hat er bereits hinter sich, am Dienstag habe es einen „kleinen Flächen- und Wiesenbrand in der Weststadt“, wie Bockemühl sagt, gegeben, bei dem er seinem Team „live beim Einsatz zusehen konnte“. Sein Fazit: „Es flutscht“.

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