Ludwigsburg Die „sorgende“ Gesellschaft

Der Anteil der alten Menschen in der Gesellschaft ist enorm aufgestiegen. Das hat als Folge, dass das Thema Pflege auch für Politik und Verwaltung immer wichtiger wird.
Der Anteil der alten Menschen in der Gesellschaft ist enorm aufgestiegen. Das hat als Folge, dass das Thema Pflege auch für Politik und Verwaltung immer wichtiger wird. © Foto: Angelika Warmuth
Ludwigsburg / Von Ifigenia Stogios 14.02.2018

Noch vor 20 Jahren seien 100-jährige Geburtstage eine „extreme Seltenheit“ gewesen, aber heutzutage seien sie beinahe „die Regel“, sagt Landrat Rainer Haas. Die Zahl der Glückwünsche, die er an solchen runden Jubiläumstage verschickt, seien nicht mehr überschaubar. „Wir haben es mit einer immer mehr alternden Bevölkerung zu tun“, sagt er. Das heiße zugleich, dass die Anforderungen im Pflegebereich ständig größer werden.

Um die Bevölkerung auf die Herausforderungen des Demografiewandels aufmerksam zu machen, fanden bereits sieben Demografieforen statt, das erste bereits im September 2007. Das nächste ist am 20. Februar und trägt den Titel „Herausforderungen in der Pflege – Die Rolle von Politik, Kommunen und Arbeitgebern“.

Ein Referent ist der Altersforscher Andreas Kruse. Der Professor wird auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für ältere Menschen eingehen und die Idee von sogenannten sorgenden Gesellschaften vorstellen. Der frühere Geschäftsführer der Kleeblatt Pflegeheime im Landkreis, Walter Lees, spricht darüber, wie wichtig es ist, dass Pflegeheime mitten im Ort eingebunden sind. Michaela Noé-Bertram, Leiterin der Mitarbeiterberatung bei Bosch befasst sich mit Unterstützung von Mitarbeitern in schwierigen Lebenssituationen wie etwa bei der Pflege von Angehörigen. Ein besonderes Augenmerk des Demografieforums wird bei den Themen auf die Pflegearbeit durch Angehörige gelegt. Alle Interessierten dürfen teilnehmen.

Kurzzeitpflege im Fokus

Zum Thema Pflege sagt Haas: „Wir sind zwar gut aufgestellt, müssen dennoch am Ball bleiben.“ Neben dem Betreuten Wohnen sei die Kurzzeitpflege ein wichtiges Thema. „Für pflegende Angehörige ist es keine leichte Aufgabe sich rund um die Uhr für die Pflegebedürftige zu kümmern. Auch sie haben beispielsweise den Wunsch in den Urlaub zu gehen und kurz Kräfte zu schöpfen“, sagt der Landrat. In der Kurzzeitpflege gebe es kaum Plätze. „Das bedrückt uns besonders“, sagt Haas.

„Bei Menschen ab 80 ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf Pflege angewiesen sind, bei über 50 Prozent“, sagt die Leiterin des Fachbereichs Soziales Pflege und Versorgungsangelegenheiten Heike Dierbach. Die meisten Menschen im Landkreis werden laut Dierbach zu Hause gepflegt. „30 Prozent befinden sich in einer Pflegeeinrichtung.“ Passende Versorgungsmodelle in der Kurz- und Teilzeitpflege zu finden, sei eines der Ziele, die mit Hilfe des Forums erreicht werden soll. Dabei trägt der Pflegestützpunkt Landkreis Ludwigsburg bei. Der ist beim kommenden Forum mit einer Ausstellung dabei. Die Pflegestützpunkte beraten umfassend und individuell zu allen Fragen rund um die Pflegebedürftigkeit eines Menschen.

Da die Zahl der Pflegebedürftigen immer steigt, sind mehr Fachkräfte nötig. „Gute Kräfte sind knapp, wir müssen dafür ringen“, sagt Dierbach. Wie wird der Pflegeberuf attraktiv und wie werden Pflegekräfte im Beruf gehalten? Das sind laut Dierbach Fragen, die die Verwaltung des Landkreises beschäftigen und im Rahmen des Forums diskutiert werden. Haas betont hierzu: „Die Verdienstmöglichkeiten haben deutlich zugelegt und sind in den letzten fünf Jahren bei weitem besser als zuvor.“

Das diesjährige Forum soll auch Auftakt für Entscheidungen zur Gesundheit und Pflege im Landkreis sein, etwa zur Neuausrichtung des Marbacher Krankenhauses oder zur Weiterentwicklung der Kurzzeitpflege.

Haas blickt positiv in die Zukunft: „Pflege ist ein dynamischer Prozess voller Herausforderungen, aber wir sind auf einem guten Weg.“

Info Das Demografieforum findet am Dienstag, 20. Februar, um 19 Uhr in Ludwigsburg im Großen Sitzungssaal des Kreishauses, Hindenburgstraße 40, statt. Eine Anmeldung ist unter E-Mail demografieforum@landkreis-ludwigsburg.de möglich. Bisher haben sich 130 Menschen angemeldet. An das Podiumsgespräch schließt sich eine offene Bürgerdiskussion an.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel