Krankenhäuser Die „schwarze Null“ rückt näher

Das Ludwigsburger Krankenhaus aus der Luft. Hier steht die Erweiterung der Psychiatrie für 8,6 Millionen Euro an.
Das Ludwigsburger Krankenhaus aus der Luft. Hier steht die Erweiterung der Psychiatrie für 8,6 Millionen Euro an. © Foto: Werner Kuhnle
Ludwigsburg / Uwe Roth 08.12.2018

Die Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gehen in die Offensive, um dem drohenden Pflegenotstand zu begegnen. Als Arbeitgeber treten sie in Konkurrenz zu den Pflegeeinrichtungen. „Wir suchen jetzt Altenpfleger, um vakante Stellen zu besetzen“, sagte Kliniken-Geschäftsführer Jörg Martin am Freitag bei der Präsentation des Unternehmensplans für das kommenden Jahr.

Die Regionale Kliniken Holding (RKH), zu der die Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gehören, hat erste Stellenanzeigen geschaltet. In denen fordert sie nicht wie üblich nur Gesundheits- und Krankenpfleger zur Bewerbung auf, sondern ausdrücklich auch Altenpfleger. „Wir zahlen besser als die Altenpflege“, ist seine Hoffnung auf mehr Interessenten. Zudem will die RKH eine Akademikeroffensive starten, wie Martin mitteilte, um „auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige Pflege anbieten zu können“. Außerdem sollen Absolventen eines Pflegestudiums das medizinische Personal entlasten. Üblicherweise hat eine Pflegefachkraft eine dreijährige Ausbildung an einer Pflegefachschule hinter sich. Das Studium mit einem Bachelorabschluss dauert hingegen vier Jahre. Die Akademiker unter den Pflegekräften sollen sich beispielsweise um Problempatienten kümmern und „auch mal eine Nadel legen“. Anreize sollen eine höhere Bezahlung sein.

Gefahr für Intensivstationen

Hintergrund der Offensive ist, dass von 2020 an nach den gesetzlichen Vorgaben ausschließlich examinierte Pflegekräfte refinanziert werden können. Besonders drastische Auswirkungen werde diese Entwicklung beispielsweise für Intensivstationen haben, prophezeit der Klinikchef. Sollten in einer Schicht zu wenige Fachkräfte im Dienst sein, müssten Patienten notfalls abgewiesen werden. „Wir werden wieder einen Intensivtourismus bekommen“, zeigt sich Martin überzeugt und stellt fest: „Wir können keine modernen Konzepte mehr entwickeln.“ Dafür fehle es an unternehmerischen Freiheiten.

Mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Krankenhäuser in Ludwigsburg, Bietigheim und Marbach sowie der Orthopädischen Klinik Markgröningen (OKM) ist die Klinikleitung allerdings zufrieden. Während der Ludwigsburger Standort auf ein zu erwartendes Ergebnis im kommenden Jahr von 1,28 Millionen Euro kommt, ist Bietigheim mit 25 600 Euro mittlerweile leicht im Plus. Marbach jedoch stagniert bei einem Minus von zwei Millionen Euro. In der OKM sind nach einer längeren Umbaupause 2019 wieder sämtliche zwölf Operationssäle in Betrieb. Während für dieses Jahr noch ein Minusergebnis von 915 800 Euro erwartet wird, soll im nächsten Jahr ein kleines Plus von 33 200 Euro stehen, so OKM-Geschäftsführer Olaf Sporys.

Investition: 200 Millionen Euro

Insgesamt, so ist sich Holding-Geschäftsführer Martin sicher, könne zum Ende nächsten Jahres eine „schwarze Null“ für alle Häuser erreicht werden. „Wir haben die Kliniken für den Landkreis wirklich gut konsolidiert.“ Mit 15 000 Betten für etwa 540 000 Kreisbürger sei das Verhältnis ausgewogener als in der Landeshauptstadt, in der die Kapazitäten größer seien. In den kommenden vier Jahren sollen in die Häuser Ludwigsburg, Bietigheim und Marbach 200 Millionen Euro investiert werden, so Regionaldirektor Matthias Ziegler. In Bietigheim werde der Masterplan Bau ständig fortgeschrieben. Die Wahl des Architekturbüros für den Erweiterungsbau mit einer Fläche von 15 000 Quadratmetern sei im September erfolgt, ebenso im November die Wahl der Fachplaner. Die Ausführungsplanungen sollen Anfang des Jahres beginnen. Die beiden früheren Notaufnahmen seien bereits zusammengelegt worden. „Das hat uns große Fortschritte gebracht“, so Ziegler. Derzeit werde der OP-Bereich umgestaltet und die plastische Chirurgie weiter ausgebaut und die Kapazitäten in der Adipositas-Chirurgie erweitert. Eine papierlose Patientendokumentation (Orbis mobility) soll es bis zum Jahresende in allen Stationen geben.

In Ludwigsburg steht die Erweiterung der Psychiatrie an. Dafür sind 8,6 Millionen Euro eingeplant. 6,8 Millionen Euro hat die Holding in eine neue Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) investiert, die im ersten Quartal 2019 in Betrieb gesehen soll. Die Abteilung in Bietigheim soll dann geschlossen werden.

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