Troja: Ein Begriff, der für einen Krieg steht, der anscheinend wegen einer Frau, der schönen Helena, geführt wurde. Das will uns zumindest Homer in seiner Ilias glaubhaft machen. Heute weiß man, so sagt Reiner Kittel, künstlerischer Leiter des Ludwigsburger Bürgertheaters, dass „wenn der Trojanische Krieg wirklich stattfand, eher der Reichtum, die strategische Lage als Hafenstadt und die Vormachtstellung Trojas die Gründe für die kriegerischen Auseinandersetzungen waren“.

Das seien die Gründe, die immer zu einem Krieg führten, auch heute noch. Der Trojanische Krieg ist – frei nach Homer – der „Vater aller Kriege“ in seinem Ausmaß, seiner Symbolik und seiner Schreckenhaftigkeit. Alles Punkte, die für eine theatralische Beschäftigung mit dem Stoff des Teams um Rainer Kittel, Regisseur Axel Brauch, Gesine Mahr (Bühne und Kostüm), Christine Macco (Dramaturgie) und Produktionsleiterin Bettina Gonsiorek sprach.

Großes Bürgertheater

Alle zwei Jahre findet eine Inszenierung des Bürgertheaters statt – seit 32 Jahren. 2017 hatte das Team beschlossen, dass sich eine große Produktion mit einer eher kleineren Inszenierung abwechseln sollten. „Troja Macht Krieg“ wird eine sehr große Inszenierung sein. Beteiligt sind neben vier Profi-Schauspielern die Gruppe Stahl Fatal, eine Stepping-Gruppe, ein kurdisch-türkisches Musikduo und die Theater-AG des Friedrich-Schiller-Gymnasiums sowie die Kunstschule Labyrinth. Mehrere Hunderte Freiwillige arbeiten im Hintergrund mit.

Ausgangspunkt für die Inszenierung ist natürlich der Trojanische Krieg und der Text von Homer. „Wobei ich an einigen Stellen die Metrik gekillt habe“, sagt Axel Brauch, der nicht nur Regie führt, sondern auch die Texte bearbeitet und neue dazu schrieb, so dass eine Art Collage entstand. Zudem basiert das Stück auch auf Texten aus „Die Troerinnen“ von Euripides.

Der antike Krieg der Griechen gegen die Trojer ist Kunstgriff und Stellvertreter, um den Krieg, „pur und schrecklich wie er ist“, so Brauch, zu entlarven und gleichzeitig zu zeigen, dass jeder Krieg, zu jeder Zeit, die gleichen Szenarien hervorbrachte. Bis heute gültige Mechanismen und Strukturen von Kriegen werden, so der Regisseur, aufgezeigt: „Ein absurder Kriegsgrund, an den sich später niemand mehr erinnert, Tausende Opfer, keine Sieger, viel Gewalt, Wut und Trauer, Menschen, die vollkommen anders sind als sonst, Nationalismus, Intrigen“, so Rainer Kittel.  „Irgendwo ist immer Krieg, wir haben herausgefunden, dass nur acht Tage lang nach dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima keine kriegerischen Auseinandersetzungen auf der Welt stattfanden, sonst immer“. „Der Stoff ist verstörend und packend und bringt uns die Wahrheit des Krieges so nahe, dass wir sicher sind, nie wieder Krieg und doch ist immer Krieg, aus diesem Widerspruch kommt die Kraft unserer Produktion“, sagt Axel Brauch.

Mit der antiken Theaterform mit einem Schauspieler und einem Chor arbeitet die Inszenierung genauso wie mit ganz modernen Bühnenformen, erzählt Axel Brauch. Zum ersten Mal wird in Ludwigsburg auch Stepping, eine Form des perkussiven Tanzes, bei der der gesamte Körper des Teilnehmers als Instrument verwendet wird, als Ausdrucksmittel verwendet. Tänzerin Carina Clay richtete dafür extra einen Kurs ein. Kriegsmärsche und Kriegsgeräusche kommen von Fässern und Schlagwerk der Percussiongruppe Stahl Fatal. Die Schüler der Theater-AG des Friedrich-Schiller-Gymnasiums wirken als Erzähler: „Gleich zu Beginn erzählen sie in drei Minuten den Verlauf des Trojanischen Krieges“, erklärt Kittel.

In der ehemaligen Turnhalle

Aufgeführt wird das Anti-Kriegsspektakel in der Alten Reithalle der Karlskaserne. „Der passende Ort, da dies früher die Turnhalle der Soldaten war“, sagt Ausstatterin Gesine Mahr. Hier, so erklärt sie das Szenenbild, das eine Replik einer alten Turnhalle mit Linoleum-Boden, Turnpferd (das Trojanische), Sprungböcken und Sprossenwand ist, „wurden die Soldaten auf ihren Einsatz vorbereitet, ohne zu wissen, was auf sie zukommt und dass sie darunter leiden, was andere entscheiden“.

Aufführungen: „Troja Macht Krieg“


Aufführungen von „Troja Macht Krieg“ sind am 19., 21., 22., 27. und 28. September, am 3., 4. und 5. Oktober in der Reithalle des Kunstzentrums Karlskaserne, Hindenburgstraße 29 in Ludwigsburg. Karten gibt es ab Ende Juli. sz

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