Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec war durchaus nach Superlativen zumute, als er am Dienstag bei der offiziellen Pressekonferenz zur Eröffnung des Marstalls an diesem Mittwoch auf das zurückblickte, was im Handelsneudeutsch "Shopping-Center-Refurbishment" genannt wird und die Sanierung beziehungsweise Auffrischung einer Einzelhandelsimmobilie meint. Es sei einer der wichtigsten Maßnahmen des Jahrzehnts für Ludwigsburg, betonte Spec. Denn dass die Wiederbelebung des großen Sorgenkinds Marstall-Center überhaupt gelingen würde, daran gab es lange Zeit mehr als begründete Zweifel. Zu kompliziert waren die Besitzverhältnisse des 1975 erstmals eröffneten und dann von einem beispiellosen Niedergang betroffenen Einkaufscenters am Ende. Mit den früheren Eigentümern - drei internationalen Immobilienfonds mit Sitz in Großbritannien, den Niederlanden und Luxemburg, weiteren 18 Shopeigentümern sowie den irischen Eigentümern der großen Tiefgarage - war es zunächst nicht gelungen, einen Neuanfang auf die Beine zu stellen.

Also habe man, so Spec, einen Weg eingeschlagen, den bislang noch keine Kommune in Deutschland gegangen sei, nämlich ohne finanzielles Risiko für die Stadt die Einzelhandelsflächen in einer eigens gegründeten GmbH zu erwerben und bereits parallel einen Projektentwickler zu finden und vertraglich für den Erwerb und die Projektentwicklung zu binden. Jetzt gehört der Marstall dem "ECE European Prime Shopping Centre Fund I" und wird betrieben von ECE, dem großen Mall-Anbieter, unter dessen Verantwortung etwa auch das Milaneo in Stuttgart und das Breuningerland stehen.

Die Shopping-Center-Spezialisten nahmen schließlich 100 Millionen Euro in die Hand, entkernten die Einkaufsruine und schufen auf mehr als 25.000 Quadratmetern Platz für 70 Fachgeschäfte und Dienstleistungsbetriebe sowie gastronomische Anbieter. Insgesamt haben 600 Menschen im neuen Marstall eine Arbeitsstelle gefunden.

Dass das Gesamtprojekt selbst für erfahrene Entwickler wie ECE nicht leicht war, hob Bereichsleiter Axel Diewald hervor. Und er meinte damit nicht nur die 200 Anwohner, die in den Eigentumswohnungen auf dem Dach der Einkaufsmeile leben. Vor allem ging es - und geht es noch - darum, das völlig heruntergekommene Image des Marstalls aufzupolieren. Deshalb appellierte Diewald auch an die Ludwigsburger und deren Einzelhändler, im gemeinsamen Austausch für eine Attraktivitätssteigerung der Ludwigsburger Innenstadt zu sorgen. "Es geht darum, die Herzen der Menschen wieder für den Marstall zu gewinnen", so Diewald. Oder anders ausgedrückt: Mit dem Marstall soll erreicht werden, dass die Ludwigsburger "einmal weniger nach Stuttgart zum Einkaufen fahren".

Möglich machen soll das alles die Center-Managerin Anne Marschner, die sich am Dienstag schon mal wünschte, dass die Anwohner auf dem Dach des Marstalls künftig in Pantoffeln zum Brötchenkaufen in das Center kommen.

Aber nicht nur der 70er-Jahre- Bau hat eine Frischzellenkur verabreicht bekommen, auch das Umfeld ist komplett neu gestaltet worden. So erzielte die Stadt laut Spec beim Verkauf der Immobilie einen Gewinn in Höhe von rund 2,6 Millionen Euro, der nebst Zuschüssen und einem Eigenanteil von 1,2 Millionen Euro komplett in die sogenannte Attraktivierung des Marstall-Umfeldes gesteckt wurde.

Info
Oberbürgermeister Werner Spec wird an diesem Mittwoch um acht Uhr den Marstall offiziell eröffnen. Wer es nicht schafft, gleich zur Eröffnung mit dabei zu sein, hat dazu am Wochenende Gelegenheit: Beim "Shoptober" öffnen am Samstag, 3. Oktober, sowie am Sonntag, 4. Oktober, alle Geschäfte in der Innenstadt von 13 bis 18 Uhr. Dazu gibt es ein Kinderprogramm und ab elf Uhr einen Kunst- und Genussmarkt auf dem Marktplatz.

Shops und mehr im Marstall

Die Läden im Marstall Etwa die Hälfte der Shop-Konzepte ist laut Center-Management neu in Ludwigsburg oder kommt erstmalig in die Innenstadt. Dazu gehören die beiden In-Labels Superdry und Snipes, die Modeanbieter Reserved, TK Maxx, Only, Tom Tailor und Tom Tailor Denim, "More+More", Mister Lady, Hunkemöller sowie das Konzept Heimatliebe. Premiere in Ludwigsburg feiern auch ein "tegut"-Supermarkt, Ochsner Sport, das Lifestyle-Konzept Xenos, der Spieleanbieter Game Stop sowie das Fitness-Studio Clever fit. Neu in die Innenstadt kommen zudem "K&L Ruppert", Krass Optik, Nanu-Nana, Rituals so-wie die Parfümerie Douglas, die in die Innenstadt zurückkehrt. Weitere bekannte Marken sind: ein Saturn-Elektronikfachmarkt, der am Eröffnungstag bereits ab sechs Uhr die Kunden mit diversen Sonderangeboten erwartet, die Modeanbieter "H&M", "Jack&Jones" und Vero Moda, die Schuhanbieter Deichmann, Skechers und Shoe Town, ein "dm"-Drogeriemarkt, die Accessoires-Labels Bijou Brigitte und "The P Cookery", der Optiker Eyes and More, ein Vodafone-Shop sowie aus der Region die Metzgerei Dietz und die Bäckerei Katz.

Die Gastronomie Eine wichtige Rolle in modernen Einkaufscentern spielt die Gastronomie. Das Center-Management spricht vom neuen "Food Court Marstall Diner" im Obergeschoss: Dort bieten Pizza Sí, Kochlöffel, "gustosa", "Curry&Fritz", Subway, Yaz, Maxi Fresh, die Sushi-Bar Gyoza und das schwäbische Konzept Herr Kächele Speisen und Getränke in einem gemeinsamen Sitzbereich an. Weitere Gastronomiebetriebe im Marstall sind das Eiscafé La Luna, Happy Donazz, eine Segafredo Espresso-Bar, das Konzept Burgerista mit seinem ersten Standort in Süddeutschland sowie ein Tokyo-Restaurant, das im November eröffnen wird.

Das Konzept Erstmals bietet ECE nach eigenen Angaben im Marstall ein neues Gestaltungskonzept für die Shops in der Mall an: Die Geschäfte können die zur Ladenstraße hin offen und flexibel gestalteten Shop-Fassaden nutzen, um so mit ihrem Angebot stärker in den Mall-Bereich hineinzuwirken und die Warenpräsentation besonders effektiv zu inszenieren, heißt es. Das neue Konzept nutzen im Marstall zum Beispiel die Shops von "H&M", Rituals, Douglas, The P Cookery, Krass Optik und Vodafone. Thematisch ist die Innenarchitektur von der Historie des Standorts, dem als Marstall bezeichneten königlichen Pferdestall, inspiriert und erinnert mit Elementen wie Stalltüren, Pferdeskulpturen und Steigbügeln an diese ehemalige Funktion. Im Zuge des sogenannten Refurbishments hat ECE auch das Parkhaus des Centers mit 650 Stellplätzen durch hellere Farben und verbreiterte Zufahrten aufgefrischt.

Über ECE ECE entwickelt, plant, realisiert, vermietet und managt seit 1965 Shopping-Center. Mit 196 Einkaufszentren im Management (davon 43 im Management der MEC METRO-ECE Centermanagement GmbH & Co. KG) und Aktivitäten in 16 Ländern ist die ECE europäische Marktführerin im Shopping-Center-Bereich.