Träumen und Schlafen Der König schlief auf vier Matratzen

Von Sandra Bildmann 22.10.2018

Die Königin schichtete 20 Matratzen und Daunendecken aufeinander, als sie die Echtheit der Prinzessin mithilfe der legendären Erbse auf die Probe stellte. So erzählt es zumindest das Märchen der Gebrüder Grimm. Ganz so viel Polstermaterial nutzten die Regenten im Ludwigsburger Schloss einst zwar nicht – doch mit einer einzigen Matratze gaben auch sie sich nicht zufrieden.

Anfang des 19. Jahrhunderts baute man dem König ein hochmodernes Schiffbett aus Mahagoni-Furnier und stapelte vier Matratzen übereinander. Sie lagen auf Lederriemen und Seilen – einen Lattenrost habe es damals freilich noch nicht gegeben, erzählt Florian Indenbirken, Mitglied der Schlossverwaltung und Kunsthistoriker. Die Matratzen waren damals meist mit Rosshaar gefüllt, zuweilen auch mit Leder oder Wolle. Der König bettete sich mit zwei Kopfkissen auf einer Decke, Plumeau genannt. Ergänzt wurde das Schlafgemach dekorativ mit drei Haipfellkissen, einer dünnen Decke – das sogenannte Couvert – sowie einer blauen Paradedecke, die tagsüber zum Schutz auf das Bett gelegt wurde. Fror der König, nutzte er zusätzlich eine Wildlederdecke.

Gerade im Sommer war den Herrschaften jedoch weniger zum Frieren zu Mute. Vielmehr sei es oftmals unerträglich heiß gewesen, da die Schlafzimmer zur Südseite zeigen, berichtet Indenbirken. Deshalb stand für König Friedrich Anfang des 19. Jahrhunderts beispielsweise im Ankleidezimmer eine zweite Bettstelle bereit, die er vermutlich auch für den Mittagsschlaf nutzte.Von Herzog Eberhard Ludwig, der im 18. Jahrhundert residierte, ist bekannt, dass er im Winter um sechs Uhr und im Sommer um sieben Uhr in der Früh geweckt wurde. Das übernahmen die Diener, die jederzeit einsatzbereit sein mussten und daher selbst keine geregelten Schlafzeiten hatten.

Zur nächtlichen Betreuung des Königspaares gehörte für die Dienerschaft zum Beispiel auch, bei Bedarf den Nachttopf zu bringen, zu entsorgen und Holz nachzulegen. Um den Schlaf der Chefs nicht zu stören, war dies durch ein kleines Loch in der Wand auch von der Rückseite des Zimmers möglich.

Privatsphäre Fehlanzeige

Die Dienerschaft habe nicht im Schloss, sondern im gegenüberliegenden Marstall in großen Schlafsälen genächtigt, erzählt Florian Indenbirken, der auch Schlossführungen leitet. Bis ins 20. Jahrhundert war es ungewöhnlich, dass nur ein Bett in einem Zimmer steht, in dem nur eine Person schläft. Privatsphäre Fehlanzeige. Einzig am Hofe schrieb das Protokoll für das Königspaar und die Erbprinzen getrennte Schlafzimmer vor. Es habe als Privileg gegolten, sich das leisten zu können, erklärt Indenbirken, „Betten waren Luxus.“ Das Königspaar schlief getrennt.

So luxuriös das Leben des Adels war und so pompös und prächtig auch die Tagesmäntel und Roben gewesen waren – so hemdsärmelig gewandeten sich die Herrscher im Bett. Dergleichen Kleidungsstücke sind zwar nicht mehr erhalten, dennoch wisse man laut Indenbirken, dass König und Königin Nachthemden aus Leinen trugen – ähnlich der heutigen Krankenhaushemden-Ästhetik.

Die Dame setzte sich zudem ein Nachthäubchen auf, der Herr trug eine Zipfelmütze. Beides sollte vor Zugluft schützen, denn das Schloss war ungenügend isoliert, die Temperatur lag selbst im geheizten Zustand bei nur etwa 15 Grad.

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