Zwischenbilanz Das Ungewisse wird zum Markenzeichen

Ludwigsburg / Gabriele Szczegulski 08.06.2018

Vincent Klink, der Stuttgarter Sternekoch und Musiker, staunte nicht schlecht, als der Intendant der Schlossfestspiele, Thomas Wördehoff, ihn einlud, ein paar Tage vor seinem eigenen Auftritt das Konzert mit Daishin Kashimoto, Claudio Bohorquez und Friends zu besuchen. Und dann musste Klink auch noch aus dem Stand vor dem versammelten Publikum im Ordenssaal eines der Werke beschreiben, das er zuvor noch nie gehört hatte. Thomas Wördehoff hat sich für diese Saison etwas Neues ausgedacht. „Das Ungewisse“ ist der Saison als Thema überschrieben, „Ins Ungewisse“ heißt eine neue Reihe, die erst am Veranstaltungsabend per Programmheft den Besuchern publik gemacht wird. Ein Gasthörer wird von Wördehoff auserkoren, eines der Werke zu kommentieren.

Mit langem Atem gelang es Thomas Wördehoff, den ersehnten Schlossfestspiel-Charakter nach Ludwigsburg zu bringen. Was er aber vor allem schaffte, ist, dass es eine Besucherklientel gibt, die sich mittlerweile in Konzerte traut, von denen sie gar nicht weiß, was sie erwartet.

Denn: Wördehoffs Intention ist es, dass die Künstler selbst ganz spontan auf den Ort und die Menschen reagieren. Es gibt keine vorgefertigten Tourneekonzerte, die in jeder Stadt genauso gespielt werden, sondern in denen plötzlich YouTube-Texte auf Barockkompositionen von einem Färöer Musiker vorgetragen werden. „Das wäre vor fünf Jahren bei den Schlossfestspielen nicht möglich gewesen“, sagt Wördehoff.

Kein Mainstream-Charakter

In neun Jahren hat er sein Publikum erzogen, so dass es jetzt in Scharen gerade zu den Veranstaltungen kommt, die keinen Mainstream-Charakter haben, also das Ungewisse geradezu als Markenzeichen haben – nicht nur in dieser Saison, die diesen Titel trägt. Noch vor ein paar Jahren kamen zum Danish String Orchestra 30 Besucher, in dieser Saison war das Konzert ausverkauft.

Seit zwei Jahren ist auch die Stadt Bietigheim-Bissingen wieder als Außenspielort dabei: Das Konzert 2017 mit Solveig Slettahjell war genauso ausverkauft und ein voller Erfolg wie das vor kurzem mit Sierra Hull. Der Kulturamtsleiter der Stadt, Stefan Benning, und Wördehoff überlegen sogar, ob es künftig zwei Konzerte in der Kelter geben soll, nachdem die Stadt sich vor ein paar Jahren aus Unzufriedenheit über den Charakter der Veranstaltungen zurückzog.

Wenn Thomas Wördehoff 2019 seine zehnte und letzte Saison spielt, hat er vieles erreicht, nicht nur dass aus einem fast geschassten Intendanten ein Erfolgsmann wurde, sondern dass die Ludwigsburger Schlossfestspiele Kontur bekamen, ein Gesicht, das man nicht so leicht vergisst.

Die Hälfte aller bisherigen Veranstaltungen waren ausverkauft

Von insgesamt 18 bisher durchgeführten Konzerte der Schlossfestspiel-Saison waren neun ausverkauft. Die andere Hälfte war gut besucht. Ausverkaufte Veranstaltungen waren das Eröffnungskonzert, das Konzert mit Pianist Nils Frahm, der Familientag im Schloss, das Konzert mit Geiger Nemanja Radulovic, der einzige öffentliche Auftritt von Hans Magnus Enzensberger, das Bietigheimer Konzert mit Sierra Hull, Vincent Klinks Auftritt, das Konzert mit Rebekka Bakken. Auch das Konzert mit Carrington-Brown an diesem Donnerstag ist ausverkauft.

Nahezu ausverkauft oder bis auf wenige Restkarten sind jetzt schon folgende Veranstaltungen der restlichen Saison: Das musikalische Festmahl, Taksim Trio, Carolin Widman, Maurice Steger, Mnozil Brass, „Mitten wir im Leben sind“. Alle drei Händel Opern sind ausverkauft,. sz

www.schlossfestspiele.de

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