Ludwigsburg Das Staatsarchiv Ludwigsburg kauft Nachlass vom Vater der Schlossfestspiele

Der Ludwigsburger Lehrer Wilhelm Krämer gründete 1933 die Schlossfestspiele. Jetzt ist sein Nachlass aufgetaucht.
Der Ludwigsburger Lehrer Wilhelm Krämer gründete 1933 die Schlossfestspiele. Jetzt ist sein Nachlass aufgetaucht. © Foto: Ludwigsburger Schlossfestspiele
Ludwigsburg / GABRIELE SZCZEGULSKI 31.05.2016
Das Staatsarchiv Ludwigsburg konnte einen Teil des Nachlasses des Gründers der Schlossfestspiele, Wilhelm Krämer, erwerben.

Wer sich bislang über die Geschichte der schon in den 1930er-Jahren gegründeten Festspiele, insbesondere deren Anfänge, informieren wollte, wurde in den Archiven der Region kaum fündig. Dank eines Glücksfalls hat sich das nun geändert: Vor wenigen Monaten konnte das Staatsarchiv Ludwigsburg von einem Tübinger Antiquar die Ludwigsburg und die Festspiele betreffenden Teile aus dem Nachlass des Festspielgründers Wilhelm Krämer, einem Ludwigsburger Lehrer, erwerben. Ergänzt wurde dieser Ankauf durch eine Schenkung aus privater Hand. Damit konnten die wichtigsten Unterlagen der Frühgeschichte der Festspiele für ein öffentliches Archiv gesichert werden.

Der Bestand enthält neben Programmzetteln und Fotos von Konzerten und Theateraufführungen auch Abrechnungen und Schriftwechsel rund um die Organisation der Veranstaltungen im Schloss, insbesondere aus deren Frühzeit in den 1930er-Jahren. Außerdem tritt durch den Nachlass einiges über den Festspielgründer zutage. Der Leiter des Ludwigsburger Staatsarchivs, Dr. Peter Müller, beschreibt den Lehrer am Goethe-Gymnasium als ein von der Musikleidenschaft und der Liebe zu Ludwigsburg geprägten Menschen. Der besondere historische Wert der Überlieferung aber, so Müller, liege in ihrer "Verschränkung mit den anderen, ebenfalls im Nachlass dokumentierten Aktivitäten des Festspielgründers, insbesondere seiner Tätigkeit für die Ludwigsburger Mozartgemeinde und die örtliche Freimaurerloge". Seinem persönlichen Engagement war es, so Peter Müller, zu verdanken, dass das Schlosstheater und der Ordenssaal wiederbelebt und die Schlosskirche für Konzerte freigegeben wurden. 1933 fanden die ersten Schlosskonzerte, Vorgänger der Schlossfestspiele, statt.

Erst über diesen Kontext, der im Übrigen durch weitere Quellen aus dem Staatsarchiv - insbesondere seiner Lehrerpersonalakte - ergänzt werden kann, lasse sich erhellen, wie sehr die Festspiele das Werk einer Persönlichkeit waren und welche Motive den Gründer geleitet haben. Die Akten dokumentierten überdies das lokale Netzwerk, das Krämer erst die Ausrichtung der Konzerte möglich gemacht hat, die rasch wachsenden Kontakte zu auch berühmten Künstlern im In- und Ausland, wie dem Pianisten Claudio Arrau und Wilhelm Kempf, die schon 1946 in Ludwigsburg konzertierten, sowie das künstlerische Profil der Konzerte, bei dem von Anfang an die Anknüpfung an die höfische Musikkultur in Ludwigsburg eine besondere Rolle spielte.

Das jetzt aufgetauchte Schriftgut stammt aus dem Nachlass des mittlerweile verstorbenen Tübinger Universitätsprofessors Hans-Joachim Krämer. Bei der Sichtung stellte sich heraus, dass zu diesem Konvolut auch Papiere aus der Hinterlassenschaft des Vaters von Hans-Joachim Krämer gehörten. Bei ihm handelte es sich um eben jenen Wilhelm Krämer, der die Konzerte im Ludwigsburger Schloss begründet hatte.

Onlinekatalog

Online Das Staatsarchiv Ludwigsburg machte den Nachlass von Wilhelm Krämer öffentlich einsehbar, unter der Bestandssignatur PL 735 kann er jederzeit eingesehen werden. Ein Onlinekatalog der Archivalien steht ab sofort im Internetangebot des Landesarchivs Baden-Württemberg zur Verfügung.

 

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