Ludwigsburg Das Scala will anecken

Auch in der kommenden Spielzeit 2018/2019 konnte das Scala-Live-Team, unter der Leitung von Edgar Lichtner, viele namhafte Musiker für das Kultkino buchen. Auf dem Bild ist Philipp Poisel zu sehen, der 2016 im Ludwigsburger Kinosaal auftrat.
Auch in der kommenden Spielzeit 2018/2019 konnte das Scala-Live-Team, unter der Leitung von Edgar Lichtner, viele namhafte Musiker für das Kultkino buchen. Auf dem Bild ist Philipp Poisel zu sehen, der 2016 im Ludwigsburger Kinosaal auftrat. © Foto: Werner Kuhnle
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 19.07.2018

Man kennt ihn in Ludwigsburg bereits von der Kampagne für das 300-jährige Stadtjubiläum Ludwigsburgs: Wolfgang Benz, Gründer und Gesellschafter der Stuttgarter Werbeagentur „Werbewelt“. Benz hat sich mit seinem Team nun auch mit dem Erscheinungsbild des Scala auseinandergesetzt. Herausgekommen ist eine neue und auffallende Strategie, um das Scala als Austragungsort des kulturellen Lebens wieder mehr in den Fokus der Bürger Ludwigsburgs und der Umgebung zu rücken.

Benz beschreibt beim Pressegespräch am Mittwoch den Status Quo des Scala mit einem Wort: Heterogenität. „Um alles unter einen Hut zu bekommen, mussten wir einiges an Hirnschmalz einsetzen“, sagt Benz und präsentiert das neue Konzept. Man habe sich umgehört und Bürger gefragt, was sie denn mit dem Scala verbinden. Die Befragten spalteten sich in zwei Lager: Einerseits die Älteren, die die Historie des Scala als Ort des kulturellen Diskurses kennen. Auf der anderen Seite die Jüngeren, die das Scala als „etwas für Ältere“ ansehen oder als bloßes Kino. „Unsere Aufgabe war es, das Scala als eine Gesamtmarke aufzubauen“, erklärt Benz. Das Kultkino solle zu einem nachhaltig inspirierenden Ort werden und der Gesellschaft die Augen öffnen. Denn das sei die Aufgabe der Kultur. Aus dieser Überlegung heraus, entwickelte die Werbeagentur „Werbewelt“ gemeinsam mit dem Scala-Team die Kampagne „Öffne dich“. „Gegenüber Neuem, um Schönes zu genießen und Neues zu erfahren“, erklärt Benz. Das Scala solle das kulturelle Leben fördern, eine Plattform für Diskussionen bieten und die Gesellschaft nach vorne bringen. „Es soll anecken, aus der Masse herausstechen. Das Image soll zur Marke werde“, sagt Benz.

Hierfür werden Plakate, Brückenbanner und Flyer mit Sprüchen wie „Lass uns die Faust für dein Auge sein – Öffne dich. Scala hilft“ oder auch „Lass uns der Arsch auf deinem Eimer sein“ bedruckt. Auch die Homepage wird mit den kecken Sprüchen in schlichtem, farbenfrohen Design bestückt sowie Veranstaltungsplakate, die Wiedererkennungswert haben sollen. In dieses Markenkonzept ist auch die Gastronomie des Scala, das „Fräulein Cluss“, eingebunden.

Kino als das Herz des Scala

Das Herz des Scala, nämlich das Kino, darf bei all der Konzeption aber nicht vergessen werden. „An dieser Tür hab ich Karten abgerissen“, sagt Jochen Laube und lacht. Der heutige Filmproduzent hat nicht nur an der Ludwigsburger Filmakademie studiert, sondern ist auch tief mit dem Scala verbunden. „1997 hat die Filmakademie einen Oscar für „Independence Day“ bekommen, davon wird noch heute immer geredet. Danach ist aber noch viel passiert“, sagt Laube. Er möchte die Barockstadt nicht nur als „Filmakademie-Stadt“ wissen, sondern auch als „Filmstadt“ etablieren. Um die Menschen wieder ins Kino zu bekommen, das „der einzige Ort ist, an dem man sich Filme anschauen sollte – und nicht etwa auf dem Handy“, sagt der Filmemacher. Dabei helfen soll das Filmfestival „Lichtspielliebe Ludwigsburg“, das vom 4. bis 10. Oktober im Scala stattfindet.

Gezeigt werden Stummfilme, die live vertont werden, Kinder- und Jugendfilme, bei denen nach der Vorführung die Schauspieler und Regisseure kommen, um über den Film zu reden, und weiteres Rahmenprogramm rund um die Filme. Ziel sei auch, dass sich die Zuschauer nach dem Film noch im „Fräulein Cluss“ darüber unterhalten und dem Kinofilm somit wieder mehr Relevanz zugesprochen wird.

www.scala-ludwigsburg.de

Zum Programm der neuen Scala-Live-Spielzeit 2018/2019

Wie Geschäftsführer Edgar Lichtner berichtet, hat sich das Programm des Scala bereits in den beiden vergangenen Jahren entwickelt. Neue Zielgruppen und Genres wurden erschlossen, mit dem Ziel, das Kultkino wieder zum soziokulturellen Zentrum zu machen.

Gemeinsam mit seinem Bookerteam Alan Covic und Arne Häusermann hat Lichtner auch für die neue Scala-Live-Spielzeit eine bunte Mischung an Künstlern und Musikern engagieren können.

Ein besonderes Augenmerk richtet Lichtner auf das „Beat Weekend“, das vom 20. bis 22. September stattfindet. Der im Kreis beliebten Ära der Beat-Musik der 1960er-Jahre wird an diesen drei Tagen Tribut gezollt mit einer Ausstellung, die zehn Tage zu sehen sein wird, dem Konzert von „King Khan & the Shrines“ (authentisch interpretierte Beat-Musik) sowie einer „Beat Revue“.

Ein musikalisches Highlight ist laut Häusermann Ólafur Arnalds, der den Soundtrack zur Kriminalserie „Broadchurch“ beisteuerte. Der Isländer kommt am Montag, 8. Oktober, ins Forum, um seine zwei semi-generativen, selbstspielenden Klaviere in Kombination mit seinen Live-Improvisationen vorzuführen. Curse kommt am Sonntag, 28. Oktober, ins Scala, im Gepäck hat er „interessante Texte, nicht maskulines Gehabe“, wie Covic sagt.

Auch 2018 beteiligt sich das Scala an den Jazztagen. Popa Chubby macht am Mittwoch, 14. November, den Anfang. Es folgt die elfte „Blues & Boogie night“ mit Henning Pertiet, Calo Rapallo & Band, Jan Hirte & Alex La Duuz sowie Dominic Schoemaker am Samstag, 17. November. Am darauffolgenden Montag kommt die Jazz-Musikerin Kinga Glyk. Den Abschluss macht die „Scala Rock’n’Roll Gala“ am Samstag, 24. November.

Ausverkauft ist schon jetzt der Auftritt von „Annenmaykantereit“ im Februar. Das komplette Programm ist auf der Homepage des Scala zu finden. hevo

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