Ein Kind hat einen Rechtsanspruch auf Umgang mit beiden Elternteilen. Umgekehrt ist jeder Elternteil zum Umgang mit seinem Kind berechtigt. Dies gilt auch, wenn sich das Paar nicht im Guten getrennt hat und kaum in der Lage ist, miteinander zu kommunizieren. Ist eine Verständigung gar nicht möglich, wird der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) eingeschaltet, der wiederum dem Deutschen Kinderschutzbund einen Auftrag für Begleiteten Umgang erteilen kann. Und dann kommen sie ins Spiel: Stefanie Wilbert-Simon und Ulrike Ballschmieter. Die beiden Frauen sind als Hauptamtliche beim Kreis- und Ortsverband Ludwigsburg des Deutschen Kinderschutzbundes angestellt.

Zuerst Vertrauen aufbauen

„Manche Väter haben ihr Kind seit Jahren oder gar noch nie gesehen“, sagt Christa Holtzhausen, Vorsitzende des Ortsverbands, den es seit 50 Jahren in der Barockstadt gibt. Erst einmal müsse Vertrauen aufgebaut werden. Einerseits werde durch den Begleiteten Umgang für die Sicherheit des Kindes gesorgt, durch die Anwesenheit einer neutralen Person, andererseits könne das Elternteil an die Hand genommen werden: Wie trete ich in Kontakt mit meinem Kind? Wie beschäftige ich mich mit ihm? Die ersten Umgänge übernehmen die beiden Hauptamtlichen, um die Eltern und Kinder kennenzulernen. Dann suche man die zum Fall passende Ehrenamtliche aus, die die Familie begleitet, „bis eine Kommunikationsfähigkeit hergestellt ist, sodass wir uns zurückziehen können“, sagt Wilbert-Simon. Den beiden Hauptamtlichen sind 20 ehrenamtliche Mitarbeiter zur Seite gestellt. Das Angebot besteht in Ludwigsburg seit 20 Jahren. „Wir haben etwa 100 Fälle im Jahr. Eigentlich bräuchten wir dafür 100 Ehrenamtliche“, sagt die Vorsitzende und lacht. Der Kinderschutzbund sucht nach weiteren Ehrenamtlichen. Geeignet sei jeder, der sich berufen fühle – vom Studenten bis zum Rentner.

Das Treffen zwischen Elternteil und Kind könne ganz verschieden aussehen, es komme auf das Alter an, sagt die Vereinsvorsitzende. Die Kinder sind zwischen einem halben und 14 Jahren. „Zum Teil wartet die Mutter im Flur, da das Kind sonst fremdeln würde, gerade wenn es noch sehr jung ist“, erklärt Holtzhausen. Für die Kleinen gibt es im Gebäude in der Asperger Straße ein einladend eingerichtetes Spielzimmer, in dem für jedes Alter etwas dabei ist.

Im Regelfall findet alle 14 Tage ein zweistündiges Treffen statt. Das Elternteil, bei dem das Kind lebt, bringt das Kind zum Kinderschutzbund und das umgangsberechtigte Elternteil sieht das Kind dort in Anwesenheit der Betreuerin. „So wird ermöglicht, dass die Elternteile trotz einer konflikthaften Trennung auf Paarebene mit dem Kind Kontakt halten können“, erklärt Ballschmieter. Das Angebot ist eine Maßnahme der Jugendhilfe, und daher für die Eltern kostenfrei. Laufen die Treffen gut, ist eine begleitete Übergabe möglich, wobei sich Kind und Umgangsberechtigter im Gebäude des Kinderschutzbundes treffen, und einen zweistündigen Ausflug auf den Spielplatz oder zum Eisessen unternehmen können, erst mit und dann ohne Begleitung.

Selbstständigkeit als Ziel

„Ziel ist ein selbstständiger Umgang“, sagt Ballschmieter. Die Eltern sollten dann in der Lage sein, soweit miteinander auszukommen, um Treffen zu vereinbaren.

„Wir beenden den Umgang aber auch, wenn es nötig ist“, sagt Wilbert-Simon. Das Wohl des Kindes stehe im Fokus. „Und natürlich das unserer Mitarbeiter“, ergänzt Ballschmieter. Es gebe für die Ehrenamtlichen regelmäßige Treffen sowie Supervisionen, also Beratungen. „Es ist ein herausforderndes Ehrenamt“, sagt Holtzhausen. Bei den Umgangsberechtigten sei „vom Lämmchen bis zum Löwen“ alles dabei. Psychische Erkrankungen, Abhängigkeiten, Gewalt auf Paarebene. Gespräche seien daher wichtig, ob mit den Eltern, den Kindern oder den Begleitern. Die drei Frauen betonen aber auch, dass der Begleitete Umgang keine Therapie sei. „Wir sind nicht dafür da, die Wahrheit herauszufinden. Wir sind neutral“, sagt Wilbert-Simon.

Info Wer Teil des Teams werden möchte, kann sich unter Telefon (07141) 97 86 09 sowie per Mail an stefanie.wilbert-simon@kinderschutzbund-lb.de oder ulrike.ballschmieter@kinderschutzbund-lb.de melden.

www.kinderschutzbund-lb.de