Ludwigsburg/Möglingen Das Gesicht der "exempla"

Herausgeberin Ursula Jetter bei der Vorstellung der Jubiläumsausgabe im Staatsarchiv Stuttgart.
Herausgeberin Ursula Jetter bei der Vorstellung der Jubiläumsausgabe im Staatsarchiv Stuttgart. © Foto: Martin Kalb
Ludwigsburg/Möglingen / GABRIELE SZCZEGULSKI 22.04.2014
Mit einer besonderen Ausgabe feierte die Ludwigsburger Literaturzeitschrift "exempla" vor Kurzem ihren 40. Geburtstag. Die von der Möglingerin Ursula Jetter heute herausgegebene Zeitschrift ist damit die älteste Literaturzeitschrift Deutschlands.

1974 wurde die Literaturzeitschrift "exempla" in Tübingen von einer Studentengruppe um Peter Pörtner (ehemaliger Mitherausgeber des Konkursbuches und heute Professor für Japanologie in Hamburg) und Ralph Roger Glöckler (Literaturwissenschaftler, Ethnologe, Dichter und Schriftsteller) gegründet. Konzeptionell war die Förderung junger literarischer Talente in den Bereichen Lyrik, Kurzgeschichte und Essay angestrebt.

Nach dem Weggang der Initiatoren 1980 übernahm der Lyriker Wolfgang Rappsilber aus Tübingen, Mitglied im Deutschen Schriftstellerverband (VS), die Herausgeberschaft, die von da an im AS-Verlag erschien. Die "exempla" hatte im Laufe der Jahre einen verlässlichen Stamm von Abonnenten gewinnen können und damit ihren Höhepunkt Anfang der 1980er-Jahre.

Als jedoch der Verlag in Schwierigkeiten geriet, schließlich 1987 liquidiert wurde und der Herausgeber, durch Probleme zermürbt, aufgeben wollte, schien das Ende der "exempla" gekommen. Und nun kommt Ursula Jetter, die große Dame der Ludwigsburger Literaturszene ins Spiel: Die Möglinger Autorin, Musikerin und Therapeutin Ursula Jetter, von Beruf Dozentin für Musiktherapie und 20 Jahre leitend tätig als Therapeutin in der Psychiatrie (Musiktherapie, Gesprächstherapie, Kunsttherapie und Psychodrama) übernahm Verantwortung.

"Ich sah die Notwendigkeit, dass man literarische Talente nicht hängen lassen darf", sagt Jetter. Viele heutige Schriftsteller hatten ihren Anfang mit einem Text oder einem Gedicht in der "exempla". Ein Porträt über die Literaturzeitschrift, die 40 Jahre ohne Unterbrechung erschien, ist gleichzeitig auch ein Porträt von Ursula Jetter.

Seit 1990 ist sie als Autorin Mitglied im Deutschen Schriftstellerverband (VS), in der "Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik (Leipzig)", Mitglied in der "Künstlergilde", bei den "Schreibenden Frauen" Baden-Württemberg, in der "Gedok" und dem LGKL Ludwigsburg, zunächst Mitherausgeberin, dann Alleinherausgeberin der "exempla". In den diversen Literaturinstitutionen, in denen Jetter Mitglied ist, baute sie mittlerweile ein literarisches Netzwerk auf. Ursula Jetter wurde in den Internationalen P.E.N.-Club aufgenommen. Eine Mitgliedschaft dort geht nur durch Berufung. 2001 erhielt sie für ihr literarisches Werk und ihr langjähriges Engagement als Herausgeberin den Literaturpreis des Internationalen P. E.N.

Die Aufgabe der "exempla" liegt nach wie vor in der Veröffentlichung von Texten unbekannter, förderungswürdiger Autoren in Verbindung mit arrivierten Schriftstellern aus dem deutschsprachigen Raum und anderen europäischen Ländern. Literarisch befasst sich die Zeitschrift mit den Formen Lyrik, Kurzgeschichte, Ausschnitten unveröffentlichter Romane und Essays. In ihrer Themenvielfalt spiegelt sich menschliches Sein im Kontext und in der Auseinandersetzung mit einer pluralistischen, oft widersprüchlichen gesellschaftlichen Wirklichkeit. Die Bände haben meist ein Schwerpunktthema. Die Illustrationen der als Taschenbuch konzipierten Literaturzeitschrift übernahmen namhafte Künstler. So wie die Jubiläumsausgabe "Literatur und Zeitgeschichte - Krise und Wandel". Zum ersten Mal arbeiteten die Autoren mit dem Staatsarchiv Ludwigsburg zusammen. Der Band enthält eine Reihe von Texten, die von Dokumenten aus dem Archiv inspiriert wurden.

Die finanzielle Basis der mittlerweile nur einmal pro Jahr erscheinenden Zeitschrift sicherte lange Zeit die Unterstützung des Stuttgarter Schriftstellerhauses aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Ende März 2002 strich das Ministerium in Stuttgart ohne Vorankündigung allen Literaturzeitschriften Baden-Württembergs sämtliche Fördergelder. Seither muss sich Ursula Jetter alljährlich auf die Suche nach Sponsoren und Geldgebern machen. Die Jubiläumsausgabe allerdings wurde einmalig vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst gefördert.

Im Haus der Herausgeberin in Möglingen finden regelmäßige Autorentreffen statt. Durch Jetters Veranstaltungen, wie Schreibwerkstätten, Lesungen, Vorträge, Studientage, wird der Bekanntheitsgrad der Zeitschrift vorangetrieben.

Info
Die "exempla" kommt als Taschenbuch zum Preis von 14,80 Euro, der Jubiläumsband 2014 zum Preis von 16,50 Euro, heraus.

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