Unifranck Das Aus für Ludwigsburger Traditionsbetrieb

Der Standort von Unifranck in der Pflugfelder Straße in Ludwigsburg. Die Produktion soll bis Ende des Jahres nach Portugal verlegt werden.
Der Standort von Unifranck in der Pflugfelder Straße in Ludwigsburg. Die Produktion soll bis Ende des Jahres nach Portugal verlegt werden. © Foto: Helmut Pangerl
Ludwigsburg / Jörg Palitzsch 14.06.2018

Der Duft von Zichorien gehört zu Ludwigsburg wie das Blühende Barock. Die Produktion von Röstkaffee begann 1828, vor 150 Jahren, zunächst in Vaihingen und wurde 1868 wegen der besseren Verkehrsanbindung nach Ludwigsburg verlegt. 1971 übernahm der Nestle-Konzern die Unifranck Lebensmittelwerke GmbH, der Konzern hält seitdem die Markenrechte.

Den Zichorienduft wird man in Ludwigsburg nur noch bis Jahresende wahrnehmen. Der Grund: Man werde die Planungen zur Schließung des Werkes  zum Jahresende 2018 aufnehmen, heißt es in einer Mitteilung  des Nestle-Konzerns vom Dienstag. Die rund 100-köpfige Belegschaft sei über die Pläne der Schließung im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung am Dienstag informiert worden. In Abstimmung mit dem Betriebsrat werde man für die Mitarbeiter sozialverträgliche Lösungen auf Grundlage eines Sozialplans suchen. Dies beinhalte auch die Prüfung von Beschäftigungsmöglichkeiten in anderen Nestlé-Standorten. Wobei diese, von Ludwigsburg am wenigsten weit entfernt, in Singen und im Rheinhessischen liegen.

Nestle: Rückläufiger Markt

Das Werk in Ludwigsburg stellt mit seinen rund 100 Mitarbeitern  sowohl Kaffeespezialitäten wie Caro als auch geröstete Cerealien her. Einzelne Teile der Produktion sollen auf verschiedene Standorte in Europa verlagert werden, so der Konzern in seiner Mitteilung weiter. Ausschlaggebend für Pläne sei ein infolge veränderter Ernährungs- und Konsumgewohnheiten rückläufiger Markt für Caro, einem Synonym für Landkaffee. Dies habe zu einer Stagnation des Produktionsvolumens auf niedrigem Niveau geführt, der Standort in Ludwigsburg sei bei Weitem nicht ausgelastet.

„Wir haben nach intensiver Prüfung und Abwägung der Situation am Standort diese Entscheidung getroffen. Wir sind uns bewusst, dass diese Maßnahme große, persönliche Einschnitte bedeutet und schwierige Monate anstehen. In diesem Veränderungsprozess werden wir die betroffenen Mitarbeiter bestmöglich begleiten und unterstützen. In Abstimmung mit dem Betriebsrat vor Ort und allen beteiligten Gremien werden wir diese Maßnahmen verantwortungsvoll umsetzen“, so Alexander Knoch, Vorstand Technik der Nestlé Deutschland AG.

Uwe Hildebrandt, Landesbezirksvorsitzender der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG), kann dieser Aussage wenig Positives abgewinnen. Die Schließung füge sich seiner Meinung nach vielmehr in ein Kosteneinsparungsprogramm von Nestle ein. Um den Ertrag zu steigern, würden nun Standorte geopfert. Hildebrandt verweist auf ein geschlossenes Kaffeewerk in Mainz, von dem Nestle-Mitarbeiter nach Ludwigsburg gekommen sind und jetzt wieder in anderen Werken beschäftigt werden sollen. „Dies wird kein Mitarbeiter machen“, ist sich der Landesbezirksvorsitzende sicher.

Die Schließung und geplante Verlagerung nach Portugal sei für ein Unternehmen, das 150 Jahre in der Barockstadt ansässig sei, schlicht ein Skandal, so  Hildebrandt weiter. Bestätigt wurde der Standort Portugal am Mittwoch von Unternehmen nicht.

NGG: Lukratives Grundstück

Hildebrandt vermute, dass nach dem Abzug mit dem lukrativen Grundstück noch mal „richtig Kasse“ gemacht werden soll. Aus Sicht der Gewerkschaft NGG sei die Geschichte noch nicht durch, ein Sozialplan könne Versetzungen oder auch Geldzahlungen beim Verlust des Arbeitsplatzes beinhalten – müsse aber ausgehandelt werden. „Wir werden um jeden Mitarbeiter kämpfen“, so Uwe Hildebrandt.

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