Schwerpunkt: Ungewöhnliche Sportarten Cheerleading: Mehr als nur „Anführen des Beifalls“

Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 23.06.2018

Mädchen mit knappen Röckchen springen umher und wedeln in den Pausen zwischen den beiden Halbzeiten der Spiele im American Football oder im Basketball mit Pom-Poms. Für die meisten ist das die Definition für Cheearleading. Kann das denn überhaupt als eigene Sportart angesehen werden?

Ja, sagt Helmut Wallisch, der Leiter der Cheerleader-Abteilung des MTV Ludwigsburg. „Es gibt zwei Welten im Cheerleading: einmal als ‚reine Pausenfüller’ und dann gibt es aber auch die wettkampforientierte Seite des Sports“, sagt Wallisch. Während früher die einzige Aufgabe der Cheerleader darin bestand, bei sportlichen Veranstaltungen und Wettkämpfen die eigene Sportmannschaft anzufeuern und das Publikum zu animieren (Cheerleading, wörtlich übersetzt „den Beifall anführen“), hat sich mittlerweile das Cheerleaden verändert. Auf eigenen Meisterschaften werden Cheerleader inzwischen selbst von Zuschauern und Fans angefeuert. „Meine Cheers nehmen an Meisterschaften, wie etwa der Regionalmeisterschaft Süd teil“, sagt Wallisch nicht ohne Stolz.

Wallisch ist seit Mitte der 1990er-Jahre Teil des MTV Ludwigsburg. Seinerseits eigentlich Leiter der Abteilung Rock’n’Roll, kam er eher zufällig zu seiner zweiten Abteilung, dem Cheerleading. Einige Jungs hatten sich im MTV beim Bodenturnen angemeldet, da sie ihre Tumbling-Elemente, also die turnerischen Figuren, ausbauen und verbessern wollten. Daraufhin kam eine Gruppe junger Menschen auf den Verein zu, die eine neue Vereinsheimat suchten: die Cheerleader. Es kam die Frage auf, zu welcher Abteilung man die „Anfeuerer“ zuordnen sollte. Bodenturnen oder Tanzen oder ganz woanders? Die Wahl fiel auf die Rock’n’Roll-Gruppe. „Ich habe die Entscheidung nie bereut“, sagt Wallisch heute. Die Entscheidung war nicht so einfach zu treffen, denn Cheerleading besteht zu einem Teil aus Bodenturnen, aber auch aus akrobatischen und tänzerischen Elementen. Hinzu kommen die Anfeuerungsrufe zu „lauter und schriller Musik“, wie Wallisch sagt.

Den Begriff „Akrobatik“ dürfe man im Cheerleading-Bereich aber nicht verwenden. Beim Tanzen heiße es Akrobatik, beim Cheerleaden Stunts. Diese Stunts sind Hebefiguren, an denen mindestens zwei Personen mitwirken. Sind Jungs in der „Squad“ (Gruppe), reicht meistens einer, der die Basis bildet, auf der dann eine zweite Person die verschiedenen Figuren, also Stunts, vollführt. Bei reinen Mädchen-Gruppen sind zumeist zwei Mädchen als Basis vorgesehen. „Das ist aber alles in einem festen Regelwerk vorgeschrieben“, erklärt Wallisch. Die einzelnen Stunts können sich zu sogenannten Pyramiden verbinden. „Im Cheerleading werden Bilder auf die Fläche gestellt“, beschreibt Wallisch die finale Darbietung.

50 von 7000

Im Ludwigsburger Verein sind etwa 50 Cheerleaders angemeldet, aufgeteilt auf zwei Gruppen: die „Peewees“, zwischen fünf und elf Jahren sowie die „Juniors“, von zwölf bis 18 Jahren. Zum Vergleich: Insgesamt hat der Verein über 7000 Mitglieder. Das sind gar nicht so viele junge Menschen, die diesen Sport ausüben.

„In der Region Stuttgart sind es tatsächlich nicht so viele. Aber Richtung Hessen sind es deutlich mehr“, sagt der Abteilungsleiter. Man müsse sich nur vorstellen, bei der Regionalmeisterschaft Süd seien es 2000 aktive Cheerleader, die sich an einem Tag miteinander messen.

Wie kommt man auf die Idee diesen Sport auszuüben – und das zum Teil in so jungen Jahren? Diese Frage hat sich der Abteilungsleiter selbst auch schon oft gestellt, muss er im Gespräch mit der BZ zugeben. „Die Kinder und Jugendlichen können sich zur Musik bewegen. Zeitgleich haben sie eine turnerische Grundausbildung, ohne aber den Fokus auf dem Leistungsturnen zu haben“, sagt Wallisch, der früher selbst Leistungsturner war und sagt, dass das „für den Körper nicht gut war“. Auch schätzt er am Cheerleading das Gruppengefühl und dass verschiedene Typen gut integriert werden können, da es unterschiedliche Aufgaben mit jeweils anderen Ansprüchen an die Physik gebe.

Die männlichen Mitglieder der Cheerleading-Gruppe sind laut Wallisch übrigens nicht nur als Untermänner für Hebefiguren dabei. Sie seien auch diejenigen, die das Tumbling auf einem hohen Level betreiben.

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