Ludwigsburg / Uwe Roth

Seit 1926 fahren die Busse der Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL) konkurrenzlos im Linienbetrieb durch die Stadt. Bus und Jäger sind in Ludwigsburg gleichsam Synonyme. Doch ob das beim 100-jährigen Firmenjubiläum in einigen Jahren noch der Fall sein wird, ist zumindest zweifelhaft. Debatten über eine Stadtbahn oder schienenlose Trambusse (BRT), die die Innenstadt durchkreuzen und einige Buslinien ersetzen sollen (die BZ berichtete), werden derzeit geführt. Weder für das eine noch das andere Verkehrssystem hat das Busunternehmen die notwendigen Kompetenzen, um Betreiber werden zu können.

Dazu kommt die Ausschreibung der Linienbündel für Busse, die in Ludwigsburg seit Ende März läuft. Die Firma Jäger muss erstmals ein Angebot nach EU-Regeln vorlegen. Drei Monate haben konkurrierende Busunternehmen die Gelegenheit, mit einem günstigeren Angebot die neuen Linienbetreiber in Ludwigsburg zu werden. Eine Tradition wäre dann im Jahr 2020 beendet, wenn der neue Verkehrsvertrag in Kraft tritt. Die Entscheidung dazu soll Ende dieses Jahres fallen.

Mit Spannung verfolgte LVL-Geschäftsführerin Carry Buchholz daher die jüngste Sitzung des Technik­ausschusses des Gemeinderats. Anlass war, dass es für Jäger einen neuen Auftrag geben könnte – oder auch nicht: Die CDU hatte die Verwaltung vor etwa einem Jahr aufgefordert, auszuloten, ob man mit einer weiteren Buslinie das Gewerbegebiet in der Weststadt, das bis zur Autobahn reicht, besser an den Bahnhof anbinden könnte.

Zirkellinien als Vorschlag

Die besondere Idee dazu hatte der Unternehmer Max Maier geliefert, der dort ehemalige Fabrikhallen zu Büroflächen für Hightech-Unternehmen mit einer großen Zahl von Arbeitsplätzen umgewandelt hat. Nach seinen Vorstellungen könnte es eine Zirkellinie mit möglichst vielen Haltestellen und kurzen Taktzeiten werden. Gegen den Uhrzeigersinn soll der Bus das Gewerbegebiet umkreisen. Weil ÖPNV immer gut ist, haben die Grünen, SPD und Freie Wähler den CDU-Antrag mitunterschrieben, zumal die dort ansässigen Firmen signalisiert hätten, sich an den Kosten zu beteiligen.

Für die Mobilität im Rathaus zuständig ist Sascha Behnsen. Er präsentierte in der öffentlichen Sitzung einige Varianten, welche Straßen der Bus nehmen könnte. Er berichtete, dass Experten eine solche Ringlösung nicht empfehlen würden. Ein „Feldversuch“ während des Feierabendverkehrs mit einem (leeren) Linienbus der LVL habe jedoch gezeigt, dass diese doch „eine denkbare Option sein kann“. Auch auf der stark befahrenen Schwieberdinger Straße sei der Bus einigermaßen flüssig durchgekommen.

Keine zusätzlichen Busbuchten

Die sechste Variante, die Behnsen präsentierte, hatte es dann in sich: Sie sieht vor, keine Buslinie einzurichten, sondern in Kooperation mit den Taxibetrieben ein Rufsystem einzuführen. Nach dem Vorbild „Moovel on demand“ könnten Fahrgäste über eine App eine Mitfahrt anmelden. Auf Bushaltestellen könnte so völlig verzichtet werden. Er gab jedoch zu bedenken, dass ein solches Angebot den klassischen ÖPNV „kannibalisieren könnte“. Bei diesem Stichwort verließ die Geschäftsführerin den Sitzungssaal – um einige Minuten später wieder zurückzukehren. Sie konnte beruhigt sein, keiner der Ausschussmitglieder hatte in der Aussprache die On-demand-Idee aufgegriffen. SPD-Fraktionsvorsitzende Margit Liepins betonte, dass es eine Lösung „in Abstimmung mit der LVL“ geben müsse.