Kunstverein Bunter Mix mit viel Drumrum

Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 06.12.2018

„Wir wollen ein so gutes Programm machen, dass keine 100-Prozent-Förderung notwendig ist“, sagt Harald Jahnke, Vorsitzender des Kunstvereins Ludwigsburg am Mittwoch beim Pressegespräch. Jahnke freut sich über die stabilen Besucherzahlen und die leicht steigende Mitgliederzahl. Etwa 800 Mitglieder hat der Kunstverein derzeit – eine ordentliche Zahl für zeitgenössische Kunst, sagt Jahnke. Aber auch: „Die Kosten setzen uns zu.“ Das liege vor allem an den Räumlichkeiten im MIK, in der Innenstadt. Es sei eine andere Gestaltung gefordert, auch müsse gestrichen und gespachtelt werden, das gehe ins Geld. Ebenso die höheren Personalkosten.

Hoffnung auf Zuschüsse

In diesem Sinne hofft Jahnke auf Zuschüsse, das Gespräch mit Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec stehe noch aus. Auch in die Vermittlungsarbeit stecke der Verein viel Kraft und Geld. „Ich finde es wichtig, das auch in einer zeitgenössischen Ausstellung zu machen“.

„Wir möchten den Raum als Kulturraum lebendig machen“, sagt der Vereins-Chef. In diesem Sinne wird es in der kommenden Saison auch ein buntes Rahmenprogramm geben, mit Lesungen, Künstlergesprächen und Filmen. Der Kunstverein hat sich bemüht, ein breites Spektrum der zeitgenössischen Kunst zu zeigen, in dem alle Gattungen vertreten sind und sowohl regionale als auch nationale Künstler. Den Anfang macht der südafrikanische Fotograf Guy Tillim (Infokasten) mit Bildern seiner Serie „Jo’burg“, die am heutigen Donnerstag, um 19 Uhr, in Anwesenheit des Künstlers eröffnet wird, und bis zum 14. Februar zu sehen ist. Flankiert wird die Ausstellung von Rüdiger Penzkofer und Rainer Schall, die unter dem Namen „Büro für verschiebbare Haltungen“ im Salon ausstellen. Im Werk „Anstiftung“ möchten sie „Anstiften zum Impuls weg von und hin zu“, sagt der beim Pressegespräch anwesende Penzkofer. Der Museumsbesucher schaut in umgedrehte, bunt bemalte Sockel. Auf dem Grund des Sockels sind Münder abgebildet, die „Anstiftern“, Agitatoren und Politikern entliehen sind.

Vom 7. März bis 18. April sind Duncan Swann und im Salon der Ludwigsburger Maler Fabian Treiber zu sehen. Swann erzeugt Irritationen durch fotografisch anmutende figürliche Malereien. Auch lässt er für den Raum extra eine Skulptur gießen, sagt zweite Vorsitzende Isabel Jägle. „Très Chic“ vom 9. Mai bis 27. Juni ist eine Gruppenausstellung von elf Künstlern, die sich mit Mode in der Kunst auseinandersetzt. Kuratiert wurde sie von Corina Gertz, die Mode studierte und selbst Fotografin ist.

Regionale Künstlerin

Im Salon stellt die Sachsenheimerin Margarete Eckert-Preisser aus. Vom 18. Juli bis 29. August präsentieren sich die indischen Künstler Thukral und Tagra, die sich „zwischen Design, Kunst und Alltagskultur bewegen“, wie Jägle sagt. Es seien fröhliche Werke der aktuell sehr gefragten Künstler. Im Salon zeigt Annie Krüger Zeichnungen. Es folgt Mila Hundertmark vom 19. September bis 7. November mit ihren bis aufs Detail durchgeplanten begehbaren Installationen und Performances, die in Zusammenarbeit mit der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg entstehen. Im Salon sind vom 11. Oktober bis 24. November alle prämierten Produkte der Focus Open, dem Internationalen Designpreis Baden-Württemberg zu sehen. Den Saisonabschluss bildet die von Dr. Petra Lanfermann, der stellvertretenden Leitung der Städtischen Galerie in Bietigheim, kuratierte Ausstellung „Faszination Holzschnitt heute“, die Werke aus der Sammlung der Kreissparkasse Ludwigsburg zeigt. Im Salon sind die skurrilen Skulpturen von Sebastian Neeb ausgestellt.

Info Die Ausstellungen sind Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 und donnerstags bis 21 Uhr zu sehen.

Guy Tillims Ausstellung „Jo’burg“ im Kunstverein

Der südafrikanische Fotograf Guy Tillim zeigt düstere Großstadtansichten seiner Geburtsstadt Johannesburg. Anfangs arbeitete er als Foto-Reporter und wechselte dann zur dokumentarischen Kunst-Fotografie. Seine in Ludwigsburg ausgestellten Fotos setzen sich mit den Auswirkungen der Apartheid im Vorort Hillbrow auseinander und zeigen Einblicke in Lebenssituationen der armen, schwarzen Bevölkerung. Außenaufnahmen von verfallenen Hochhäusern, Innenaufnahmen von ärmlichen Wohnräumen und Menschen – intim und doch distanziert. Tillim verbrachte 2004 einige Monate dort, es entstanden tausende Aufnahmen. hevo

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