Ludwigsburg / Uwe Roth

Neben dem Holzheizkraftwerk ist am Montag in der Ludwigsburger Südstadt mit dem Bau der größten Solarthermieanlage Deutschlands begonnen worden. Betreiber sind die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim. Aufsichtsratsvorsitzender und Oberbürgermeister Werner Spec ließ es sich nicht nehmen, selbst die Baggerschaufel ins steinige Erdreich zu setzen. Auf dem ehemaligen Gelände des Güterbahnhofs entsteht in Ludwigsburg als einen von drei Komponenten der Anlage ein 20 Meter hoher Wärmespeicher mit einem Fassungsvermögen von 2000 Kubikmetern. Das entspricht dem Volumen von 13 333 Badewannen.

Druckspeicher dient als Puffer

Der Druckspeicher hat einen Durchmesser von 14 Metern und dient als Puffer zwischen dem noch zu bauenden Solarthermiefeld auf dem 400 Meter entfernten Römerhügel und dem Fernwärmenetz der Stadtwerke. Energieträger ist die Sonne, die das Wasser in Flachkollektoren auf Temperaturen bringt. Das im Speicher vorrätig gehaltene Warmwasser wird dosiert an die Kunden der Stadtwerke zum Heizen und für die Warmwasseraufbereitung abgegeben. Laut Stadtwerkechef Bodo Skaletz können mit der Wärme 300 Durchschnittshaushalte versorgt werden. Mithilfe des regenerativen Energieträgers sollen 3700 Tonnen CO2 im Jahr eingespart werden. Das entspricht nach Angaben des kommunalen Unternehmens 1,6 Millionen Liter Benzin oder einer Waldfläche von etwa 470 Fußballfeldern. Zudem entlastet die Anlage im Sommer mit seiner Wärmemenge das Holzheizkraftwerk, das somit weniger seinen Energieträger Holzschnitzel verbraucht.

Anfang Dezember soll der Warmwasserspeicher in Betrieb gehen. Der Spatenstich für die Solarthermieanlage folgt im Juni. Das ist zumindest der Plan. Das Problem: Die künftige Betreiberin hat dafür noch keine Baugenehmigung von der Stadt. Das vorgesehene Gelände neben dem Alten Wasserturm liegt weitgehend unberührt da. Aktuell werden zusätzliche Eidechsenhabitate errichtet. Daneben sollen Kollektoren mit einer Gesamtfläche von 14 800 Quadratmetern installiert werden. Das sind mehr als zwei Fußballfelder. Zum Vergleich: Die bis dato größte Solarthermie-Anlage Deutschlands befindet sich in Senftenberg, Brandenburg, mit 8300 Quadratmeter Kollektorfläche.

Zeitverzögerung beunruhigt

Die Zeitverzögerung beunruhigt Geschäftsführer Skaletz. Das Projekt kostet 13 Millionen Euro. Die zehn Millionen Euro, die das Bundesumweltministerium zur Verfügung stellt, sind an die Bedingung einer fristgerechten Fertigstellung geknüpft. „Wir hatten drei Jahre Zeit. Zwei Jahre sind bereits vorbei. Im März 2020 müssen wir fertig werden. Und wir werden fertig“, versicherte Skaletz vor dem Baggerbiss. Die Komponenten sind beim österreichischen Hersteller Kremsmüller bereits in Arbeit. „Mit der Fertigstellung der Anlage rechnen die Stadtwerke Ende dieses Jahres“, gibt er sich optimistisch.

OB Spec betonte: „Durch Nutzung der Sonnenenergie werden so vor allem in den Sommermonaten fossile Brennstoffe zur Erzeugung von Warmwasser in hohem Maße eingespart – und damit eine gewaltige Menge an Kohlenstoffdioxid-Ausstoß vermieden.“ Die Nationale Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums bringe Ludwigsburg „dem Ziel, bis 2050 klimaneutrale Stadt zu werden, erheblich näher.“