Nein, wir setzen keine Chemie ein und sprühen auch kein Haarspray auf unsere Figuren“, sagt Alisa Käfer vom Veranstaltungsteam und lacht. Diese Frage werde oft gestellt. Seit vergangenem Wochenende sind im dritten Jahr in Folge im Ludwigsburger Blühenden Barock beeindruckende Skulpturen aus Sand zu sehen – und zwar zum Thema Märchen. Die Sandwelten-Ausstellung kann noch bis zum 29. August bestaunt werden.

Vor gut vier Wochen kam der Sand für die Kunstwerke nach Ludwigsburg. Mit einem Binnenschiff wird der sogenannte „Sand 01“ mit einer Körnung zwischen Null und einem Millimeter und damit einem höheren Feinanteil als Bausand, erst über den Rhein, dann über den Neckar nach Neckarweihingen geschifft. Von dort aus geht’s mit dem Lkw ins Blüba.

Sand aus dem Elsass

Die Straßen- und Tiefbau-Firma Wilhelm Hubele mit Sitz in Ludwigsburg hat nämlich im elsässischen Sessenheim in der Nähe von Straßburg ihr Kieswerk Fort Louis. Sand vom Sandstrand wäre ungeeignet, da die Sandkörnchen von den Gezeiten bereits rund gewaschen wurden, der verwendete Sand dagegen ist eckig und scharfkantig. „Wir stellen seit drei Jahren den Sand“, berichtet Hubele-Geschäftsführer Helmut Bärlin.

Mit Jeroen van de Vlag, der nicht nur seit 25 Jahren hauptberuflicher Sandkünstler, sondern auch der künstlerische Leiter der Sandausstellung im Blüba ist, habe man damals den Sand ausgesucht. Ob das denn der beste Sand für die sensible Kunst sei? „Es gibt keinen besten Sand“, erklärt van de Vlag, „es ist aber der beste Sand für hier“, so der Sandkünstler. Ein höherer Lehmanteil wäre zwar beispielsweise besser, um Details herauszuarbeiten, würde sich aber auch mehr mit Wasser vollsaugen, würde es regnen – und das wird es erfahrungsgemäß ab und an. „Bei diesem Sand kann das Wasser abfließen und die Skulpturen saugen sich nicht voll“, so der Sandkünstler. Im Fall der Fälle könne ein wenig ausgebessert werden. Der Sand wird nach der Ausstellung übrigens wieder im Bau verwendet. Hauptsächlich zum Einsanden von Leitungen.

„Wenn wir Leim oder Kleister reinmischen würden, hätten wir 150 bis 200 Tonnen Sondermüll. Das wäre Quatsch“, sagt Blüba-Direktor Volker Kugel. Eine dünne, biologisch abbaubare Eiweißschicht wird aber tatsächlich aufgesprüht, die spüle sich bis Ausstellungsende aus. Diese Schicht biete einen kleinen Schutz, van de Vlag erinnert sich an ein fieses Rotkehlchen, das seiner Skulptur ein Ohr gekostet hat. „Aber auch der Wind wäre sonst ein Problem“, so der Sandkünstler.Die diesjährige Sandkunst-Ausstellung bot nicht nur den Speed-Carving-Wettbwerb (siehe Infokasten), sondern auch drei Sandskulpturen, die erst im Laufe der Ausstellung fertiggestellt wurden, damit die Besucher die Entstehung der Figuren live miterleben konnten. Auch Workshops zum Mitmachen werden angeboten und Kinder können Sandfläschchen befüllen und sich im Sandmalen versuchen. Das gesamte Programm ist online einsehbar.

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Der Speed-Carving-Wettbewerb auf der Sandkunst-Ausstellung im Blüba


Vier Sandkunst-­Künstler stellten sich einer besonderen Herausforderung: Im Rahmen eines Speed-Carving-Wettbewerbs modellierten sie vor den Augen der Blüba-Besucher jeweils nach eigenen Entwürfen eine Märchen- oder Fabelfigur – und zwar innerhalb von 24 Stunden.

Der Startschuss fiel am Freitag um 11 Uhr. Die Werke mussten am Samstag, 18 Uhr abgeschlossen sein. Dabei wurden sieben Stunden Schlaf auf die 24 Stunden aufgerechnet.

Die Platzierungen: Den ersten Platz belegte die Niederländerin Anique Kuizenga mit ihrem Drachen aus einem Ei. Platz zwei erzielte ihr Landsmann Jeroen van de Vlag mit seiner schlafenden Meerjungfrau. Platz drei ging an Benoit Dutherage aus Frankreich, der einen Zwerg auf einem Kürbis schnitzte. Gleichauf mit ihm war Fergus Mulvany aus Nordirland, der einen Elf oder Zwerg auf einer Hand modellierte.

In diesem Jahr wird auch eine kurze Dokumentation in einer Holzhütte auf dem Blüba-Gelände gezeigt, die die Entstehung der Sandfiguren und der Sandmalerei zeigt. hevo