Entwarnung Blecheimer statt Fliegerbombe

Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 12.01.2019

Mit einem Kettenbagger gräbt sich am Freitagmorgen das vierköpfige Team um Stephan Zimmermann, der gleichnamigen Thüringer Spezialfirma für Kampfmittelbergung, durch den nassen Lehmboden in der Eisenbahnstraße in der Ludwigsburger Südstadt. Hier wurde auf dem Gelände neben dem Holzheizkraftwerk der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim, wo ein 21 Meter hoher Solarspeicher entstehen soll, ein Metallgegenstand in sechs Metern tiefe entdeckt (die BZ berichtete).

Wetter verlangsamt die Arbeit

Die Baggerarbeit wird den Männern durch Schneefall und Kälte erschwert. 4,5 bis 5 Meter ist der Bagger im Einsatz, dann sind Schaufeln und Muskelkraft gefragt. Ab einer gewissen Tiefe kommen Schachtringe aus Beton zum Einsatz, diese sollen ein Einstürzen verhindern. Ist der durch Tiefensondierung ermittelte Metallgegenstand erreicht, kommt Mathias Peterle vom Kampfmittelbeseitigungsdienst ins Spiel. Um 15 Uhr steht fest: Die vermeintliche Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist „nicht kampfmittel-relevanter Schrott“, wie Peterle beim Pressetermin am Nachmittag sagt. Es sei ein „alter Blecheimer mit Metallteilen drin“, beschreibt Peterle.

Auch wenn es nun viel Aufregung um nichts war, kann Kommandant und Leiter des Fachbereichs Feuerwehr und Bevölkerungsschutz, Ben Bockemühl, der Sache etwas Positives abgewinnen: „Ich kann feststellen, dass unsere Rahmenübungen gegriffen haben. Ich bin mir sicher, dass die Aktion morgen optimal gelaufen wäre“, so Bockemühl. Hätte es sich um eine Fliegerbombe gehandelt, hätten 3000 Anwohner, darunter auch die Bewohner eines Altenheims, am Samstag evakuiert werden müssen. 500 Einsatzkräfte wären ausgerückt. Der vermeintliche Echtfall habe geholfen, die einzelnen Elemente des Bevölkerungsschutzes unter realen Bedingungen anzuwenden und auszuwerten. Unstimmigkeiten habe es nur wenige gegeben, so Bockemühl, der alle Beteiligten im höchsten Maße lobt. „Es sind nur Kleinigkeiten aufgefallen. Zum Beispiel, dass der Laptop regelmäßig upgedatet werden muss“, scherzt der Feuerwehrkommandant. Peterle verteidigt die Fachfirma Zimmermann, die auch die Messungen im Voraus durchgeführt hat. Das Bohrmittel sei direkt auf den Metallgegenstand gestoßen, so sei es zu den hohen Messwerten gekommen. Da in dem Bereich des ehemaligen Güterbahnhofs ein Bombenabwurf nicht auszuschließen war, sei das Handeln richtig gewesen. Was der Bomben-Experte als Nächstes mache? „Erst einmal Heim fahren und die Füße aufwärmen.“

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