Ludwigsburg / Von Uwe Roth

In Ludwigsburg sollen Feuerwehrfahrzeuge mit digitaler Technik schneller am Einsatzort ankommen. Oberbürgermeister Werner Spec und Stefan Krebs aus dem Innenministerium des Landes haben am Mittwoch das Pilotprojekt vorgestellt. Der Ministerialdirektor ist der Beauftragte der Landesregierung für die Digitalisierung. Nach seinen Worten ist Ludwigsburg die erste Stadt in Deutschland, in der ein solches System flächendeckend in die Verkehrsleittechnik installiert wird, das künftig auch dem autonomen Fahren dienen soll.

Die Feuerwehr Ludwigsburg unternimmt bereits seit ein paar Wochen Testfahrten während echter Einsätze. Davor waren ein Löschfahrzeug, ein Umweltgerätewagen und der Wagen der Einsatzleitung mit Sendern ausgerüstet worden. Alle drei Fahrzeuge sind in der Regel bei jedem Einsatz dabei. Die Hauptwache der Feuerwehr liegt an der B27. Die beauftragte Herstellerfirma Swarco hat acht Ampelanlagen entlang der Hauptdurchgangsstraße zwischen der Einmündung Markgröninger Straße und dem Forum am Schlosspark mit den entsprechenden Empfängern ausgestattet. Bis Ende des Jahres sollen alle rund 130 Ampelanlagen der Stadt eine solche Technik haben.

So funktioniert sie: Kommt beim Einsatz eine Ampel in Sicht, wird sie vom Führerhaus mit einem Knopfdruck auf Grün geschaltet. Im Sekundentakt senden die Fahrzeuge ihre Position und Geschwindigkeit direkt an das Steuergerät der jeweiligen Ampelanlage. Sie schaltet in das Priorisierungsprogramm. Ist die Feuerwehr durchgerauscht, geht die Ampel in ihren Normalzustand zurück. „Mit der Auswertung der Geschwindigkeitsdaten und der sekündlichen Übermittlung der Position erfolgt im Idealfall eine genau auf den Fahrtverlauf angepasste Freigabe der Fahrtrichtung – die grüne Welle“, erläutert Andreas Schmid von der Firma Swarco aus Unterensingen.

Beim Testeinsatz am Mittwoch unter realen Bedingungen funktioniert die Technik problemlos. Autofahrer sind eher irritiert, wenn eine Ampel, die eben rot geworden ist, nach wenigen Sekunden auf Grün springt. Statt zügig weiterzufahren, um so im Kreuzungsbereich Platz für das herannahende Feuerwehrauto zu schaffen, bilden sie eine Rettungsgasse. Sie weichen auf die Gegenfahrbahn oder auf den Gehweg aus. Manche bleiben einfach stehen und werden erst aktiv, wenn Blaulicht und Martinshorn sie aufschreckt. Manuel Moz, der Fahrer des Umweltgerätewagens, kennt die Situation: „Viele Autofahrer merken gar nicht, dass die Ampel wieder grün ist.“ Insgesamt jedoch sei das Durchkommen einfacher, wenn sich ein Feuerwehrfahrzeug nicht bei Rot über die Kreuzung tasten müsse.

Die Umrüstung einer Ampelanlage kostet nach Angaben der Stadt zwischen 10 000 und 20 000 Euro – je nachdem wie viele Lichtzeichen zur Anlage gehören. Das Projekt ist Bestandteil der Maßnahmen, die ein Dieselfahrverbot in der Stadt verhindern sollen, so OB Spec. Der Zeitdruck ist groß, um die Fördermittel des Bundes fristgerecht auszugeben. Ende des Jahres ist Deadline. Über zwölf Million Euro kommen aus dem Bundeshaushalt.