Schlossfestspiele Blasmusik trifft auf Tigerkostüm

DIe Mitglieder von Mnozil Brass überzeugten das Publikum bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen am Samstagabend nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch mit ihren Kostümen und Gags.
DIe Mitglieder von Mnozil Brass überzeugten das Publikum bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen am Samstagabend nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch mit ihren Kostümen und Gags. © Foto: Martin Kalb
Ludwigsburg / Sandra Bildmann 03.07.2018

Ausgebufftem Publikum kann das Septett kaum etwas vormachen. Neulingen unter den Zuhörern geben sie zunächst manches Rätsel auf. Warum trägt der Tubist ein Sakko im Tigerlook samt Schwänzlein und Schnurrhaaren? Warum zieht ein mit Schminke bemalter Trompeter seine Karohose fast bis unters Kinn? Show ist bei Mnozil Brass Programm. Erst recht beim aktuellen Bühnenprogramm „Cirque“.

Mehr als nur Blasmusik

Wer sich ein bisschen mit der Truppe beschäftigt hat, weiß, dass es sich hier nicht um gewöhnliche Blasmusik im Schunkelstil handelt, und dass es den österreichischen Künstlern um mehr geht, als „nur“ um Musik. Hier ein bisschen Slapstick, dort etwas Akrobatik, dazu choreografierte Tanzeinlagen und das alles verquickt mit der Illusion von Zauberei – die Bühnenshow der Blechbläser bedient sich vielen Sparten der Kunst. Offensichtlich nicht ohne Erfolg, denn bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen ist Mnozil Brass bereits seit 2010 Stammgast. Wobei der Klassik-Begriff in diesem Fall wenig streng genommen werden darf.

Das Repertoire beim Konzert in Ludwigsburg reichte von Strawinskys „Feuervogel“ über Samba und Songs von Sting bis zu Eigenkompositionen der Mitglieder von Mnozil Brass. Zusätzlich zu den 20 Nummern auf der Setlist streuten die Tonakrobaten etliche Musik-Schnipsel aus allen Genres ein, darunter „YMCA“ und „Darth Vader“. Oft verstanden sich die Stücke nur als Ideengeber, auf deren Basis Mnozil Brass ihr eigenes Ding machten. Exemplarisch zu beobachten war das bei der Adaption von Johann Strauß‘ Ouvertüre zur „Fledermaus“. Die eingängigen Motive blieben zwar unverkennbar erhalten, doch Mnozil Brass tobte sich in der Ausgestaltung aus.

Zu diesem Zeitpunkt war schon klar, warum Posaunist Robert Rother im Clownskostüm über die Bühne tapste. In seiner Rolle als Spaßmacher war er unter anderem Zentrum einer herausragenden Nummer. Zur Musik von Haydns Sinfonie Nr. 88 inszenierte er eine Szene, in der er einen Plattenspieler bedient, Schallplatten wechselt, das Gerät zerstört und wieder zum Laufen bringt. Die übrigen Musiker bildeten die Geschehnisse und Stimmungslagen des Protagonisten in ihrer musikalischen Umsetzung des Werks ab. Für diese beeindruckende wie unterhaltende Szene gab’s vom Publikum entsprechend Sonderapplaus. Wie für viele anderen Nummern galt auch hier: Hinschauen unentbehrlich. Wer kurzzeitig seinen Blick von der Bühne abwand, verpasste den Fortgang der vielen einzelnen Geschichten, die die Künstler parallel zur Musik erzählten.

Tigerkostüm trifft auf Tuba

So erschloss sich auch das Tigerkostüm von Wilfried Brandstötter, der in „Tiger Rag“ von Nick La Rocca auf allen Vieren auf skurrile Weise in seine Tuba blies. Der Tiger brüllte. Ganz ohne Blech kam dagegen „Ojala“ von Pink Martini aus. Hier dominierte der Spaß.

Ganz anders bei Gustav Mahlers Lied „Ich bin der Welt abhanden gekommen“. Dieses wunderschöne Arrangement war die einzige Nummer, die den Fokus voll und ganz auf die Musik legte. Die Gelegenheit zum Durchschnaufen nach und vor all den optischen Reizen tat gut. Von solchen Momenten hätte es ruhig mehr geben dürfen.

Nach rund zwei Stunden Konzert forderte das begeisterte Publikum eine Zusatzschicht. Es folgte ein Solo für Leonhard Paul in seiner Rolle als dauer-trauriger und gedisster Einzelgänger (der Geschminkte mit der Karohose). Der Gag am Ende war absolut gelungen  – Musik, Schauspiel, Slapstick und Akrobatik vereint – doch die hinführende Rampe war für manchen Geschmack etwas zu lang.

Musikalisch auf höchster Stufe, im Unterhaltungswert top und in dieser Darbietungsform einzigartig hat Mnozil Brass am Samstagabend wieder einmal eindrucksvoll bewiesen, warum die jahrzehntelange Erfolgswelle anhält und dass die Gruppe ihr „Schlossfestspiel-Abo“ zu Recht bekommt.

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