Ludwigsburg Blasinstrumentenbau: "Es gibt keine bessere Ausbildung"

GABRIELE SZCZEGULSKI 30.01.2015
Die Ludwigsburger Oscar-Walcker-Schule bildet als Berufsschule in der dualen Ausbildung Holz- oder Metallblasinstrumentenbauer aus. Sie hat einen so guten Ruf, dass Lehrlinge aus Australien oder den Niederlanden herkommen.

"Ohne mein Instrument bin ich gar nichts", sagte der amerikanische Jazztrompeter Louis Armstrong. Er bevorzugte handgefertigte Trompeten der Firma Henry Selmer aus Paris. Profimusiker kaufen keine Instrumente von der Stange oder vom chinesischen Massenproduzenten, sie lassen eines von einem Instrumentenbauer anfertigen. Und fast alle deutschen Blasinstrumentenbauer kommen während ihrer Ausbildung nach Ludwigsburg. Neben dem Bau von Instrumenten lernen die Auszubildenden aber auch die Reparatur. "Alles, was die Ausbildungsbetriebe nicht leisten können, lernen die Instrumentenbauer bei uns", sagt Werner Stannat, Leiter der Abteilung Instrumentenbau in der Oscar-Walcker-Schule auf dem Ludwigsburger Römerhügel.

Die Abteilung Blasinstrumentenbau der Oscar-Walcker-Schule hat einen weltweit herausragenden Ruf, vor allem auch wegen der dualen Konzeption - Ausbildung in einem Lehrbetrieb und Blockunterricht an der Schule. Außerdem gibt es zwar andere Berufsschulen, auf die Instrumentenbauer in ihren Ländern gehen können, eine solch erstklassige Ausbildung, das ist in der Welt bekannt, gibt es nur in Ludwigsburg. Aber: Nur wer einen Lehrvertrag mit einem deutschen Ausbildungsbetrieb hat, darf auch hier zur Schule gehen. Grund für viele junge Menschen aus aller Welt, sich in Deutschland eine Ausbildungsstelle zu suchen.

So wie Bronwyn Mac Raild aus Sidney in Australien. Sie studierte dort Fagott an der Musikhochschule. Ihr Professor riet ihr zu einer Blasinstrumentenausbildung in Ludwigsburg. "Als Musikerin ist es wichtig, zu wissen, wie dein Instrument funktioniert, damit du es auch reparieren kannst", sagt die Australierin, die extra Deutsch lernte. Sie hat eine Ausbildungsstelle bei dem Tübinger Oboenbauer Jörg Huttenlocher bekommen, der auch an der Schule die Werkstatt für Holzblasinstrumentenbauer leitet. "Mein Professor hat gesagt, geh' in diesen kleinen deutschen Ort, nirgends kriegst du eine bessere Ausbildung", sagt die Auszubildende. Im September 2014 begann ihre Ausbildung in Tübingen, im Januar startete der Blockunterricht in Ludwigsburg. Seit sie in Huttenlochers Werkstatt arbeitet, denkt die 23-Jährige auch darüber nach, nicht das Fagottspielen, sondern die Reparatur von Blasinstrumenten zu ihrem Beruf zu machen. "In Australien gibt es so gut wie keine Musikinstrumentenbauer, man kann seine Instrumente nicht reparieren lassen", so Bronwyn Mac Raild. In der Klasse der Holzblasinstrumentenbauer ist die Hälfte der Auszubildenden weiblich, bei den Metallblasinstrumenten ist die Klasse rein männlich.

Ein Instrument zu spielen, ist zwar nicht Voraussetzung für die Ausbildung, aber Dominik Dindorf aus Bad Kreuznach und sein Kollege Florian Schmidt, die beide bei den Gebrüdern Alexander in Mainz lernen, sind davon überzeugt, dass man nur ein guter Instrumentenbauer werden kann, wenn man weiß, welche Töne später dabei rauskommen sollen. Das bestätigt auch Lehrer Harald Bosch, selbst Instrumentenbauer. Aus den Niederlanden kommt Bryan Verel, der in Deutschland Metallblasinstrumentenmacher lernt. "Die Ausbildung in Ludwigsburg ist in den Niederlanden sehr bekannt", sagt er. "Jeder, der gut werden will, kommt hierher, weil das Niveau hier so hoch ist".

Für das hohe Niveau an der Schule sorgt seit zwei Jahren auch der studierte Musikinstrumentenbauer Dr. Hannes Vereecke aus Belgien, dem einzigen Land in Europa, an dem man das Fach studieren kann. Für Werner Stannat, den Leiter der Abteilung Instrumentenbau, zu der auch noch der Orgel- und Klavierbau gehört, ist es ein "großes Glück", dass der Belgier in Ludwigsburg nicht nur die Meisterklassen leitet, sondern auch mit Engagement neue Innovationen einbringt. In dem von Vereecke angelegten Labor gibt es Hunderte von Blasinstrumente aus allen Zeiten, an denen die Schüler experimentieren. "Der Blasinstrumentenbau ist sehr konservativ, aber um konkurrenzfähig zu bleiben, muss man die neuen Techniken kennen lernen", so Vereecke, der sich sehr dafür einsetzt, dass der Beruf in der Öffentlichkeit mehr bekannt wird. Denn: "Mein Beruf ist der schönste der Welt", sagt Bryan Verel.

DIE FACHSCHULE

Fachschule für Holz- und Metallblasinstrumentenbau Die Einrichtung an der Oscar-Walcker-Schule Ludwigsburg ist dual aufgebaut, das heißt, alle Auszubildenden mit deutschem Ausbildungsvertrag müssen sie während der dreijährigen Lehrzeit besuchen. Träger ist der Landkreis. Junge Leute aus ganz Deutschland besuchen die Schule. Sie erlernen in einem Ausbildungsbetrieb einen Beruf im Musikinstrumentenbau und erhalten ihre fachliche und allgemeine Ausbildung in der Berufsschule. Weil es in diesen Berufen verhältnismäßig wenig Auszubildende gibt, werden sie in überregionalen Fachklassen im Blockunterricht zusammengefasst. Seit einigen Jahren sind es "bundesoffene Landesfachklassen".

Wurzeln Ab 1921 gab es Bestrebungen des Ludwigsburger Orgelbauers Oscar Walcker, den Nachwuchs in Ludwigsburg an einer Schule auszubilden. Eine Fachschule und eine Meisterschule für Orgelbauer wurde eingerichtet. 1936 wurde der erste Orgelbaumeisterkurs in Ludwigsburg abgehalten. Seit den 1960er-Jahren gibt es auch die Bundesfachschule für Holz- und Blasinstrumentenmacher.

Ausbildung Zugangsvoraussetzungen ist der Ausbildungsvertrag mit einem deutschen Ausbildungsbetrieb. Unterrichtet wird im Blockunterricht mit je zweimal sechs Wochen pro Jahr. Es gibt jeweils eine Klasse für Holz- und derzeit zwei für Metallblasinstrumentenmacher. Unterricht gibt es in den allgemeinbildenden Fächer Deutsch, Mathematik, Gemeinschaftskunde, Religion und Wirtschaftskunde. Zudem gibt es Pflichtfächer wie Technologie, Arbeitskunde, Akustik, Musikkunde, Stilkunde oder technisches Zeichnen, außerdem einen Werkstatttag. Diesen Unterricht halten Lehrer, die direkt aus dem Beruf kommen. Für Abiturienten gibt es zusätzlich das Fach Management im Handwerk. Mögliche Weiterbildungen: Techniker, Meister, Berufsaufbauschule, Berufskolleg.

Vortragsreihe Der Fachlehrer Dr. Hannes Vereecke, der die Meisterkurse an der Oscar-WalckerSchule leitet, hat mit dem Landesmuseum eine Vortragsreihe "Musikinstrumentenbau heute" initiiert. Am Mittwoch, 11. Februar, referiert Tillmann Dürring über "Werkzeuge im Blasinstrumentenbauc - von den Anfängen bis zur Gegenwart". Am Mittwoch, 18. Februar, hält Hannes Vereecke "Entwicklung und Optimierung von Blasinstrumenten", Die Vortrage sind um 15 Uhr im Landesmuseum Stiftsfruchtkasten, Schillerplatz 1 in Stuttgart. Info Oscar-Walcker-Schule, Römerhügelweg 53, Ludwigsburg, Telefon (07141) 4 44 9100.