Schwerpunkt Senioren Bewegung im Alter hat eine anderen Qualität

Das Altentanztheater Ensemble Zartbitter zeigte unter der Leitung von Lisa Thomas und Nina Kurzeja 2015 ihre Choreografie „Tanz-Zeit“, die das Festival „VielFalten“, welches zum Dialog zwischen Jung und Alt einlädt, eröffnete.
Das Altentanztheater Ensemble Zartbitter zeigte unter der Leitung von Lisa Thomas und Nina Kurzeja 2015 ihre Choreografie „Tanz-Zeit“, die das Festival „VielFalten“, welches zum Dialog zwischen Jung und Alt einlädt, eröffnete. © Foto: Shana Kappus
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 12.01.2019

Je älter, desto heterogener werden die Gruppen“, sagt Katrin Temme, die bei der Tanz- und Theaterwerkstatt (TTW) Ludwigsburg für den Schwerpunkt Kultur & Alter zuständig ist. „Daher ist es auch wirklich schwierig von ‚dieser Zielgruppe’ zu sprechen“, ergänzt sie. Tanzen an sich, verknüpfe man weitläufig mit Jugend, Bewegung und Preziosität, erklärt Temme. Aber nur weil man ältere Menschen seltener auf der Bühne sehe, heiße das nicht, dass ältere Menschen nicht auch tanzen wollen und es auch tun.

Ein Vorzeigeprojekt sei das Altentanztheater Ensemble Zartbitter, das bereits seit 2009 an der TTW besteht und von der Bietigheimerin Lisa Thomas geleitet wird.

15 Jahre Arbeit mit Senioren

Die Tanzpädagogin und Choreografin widmet sich bereits seit 15 Jahren der Tanztheaterarbeit mit Senioren und sei daher sensibilisiert. Aber, wie Temme berichtet, sei das Interesse an Tanzkursen für Senioren steigend. Neben dem Ensemble Zartbitter gibt es beispielsweise auch einen Flamenco & Sevillanas-Kurs für Tanzbegeisterte ab 60 Jahren, der einmal die Woche von Silke Dawood angeboten wird. „Die Nachfrage, sich auch im Alter künstlerisch und kulturell zu betätigen war groß, sodass wir auch weitere Kurse eingeführt haben, etwa einen Kurs für klassisches Ballett ab 50“, sagt Temme. Der Ballett-Kurs wird von Sibylle Mayer-Brigham angeboten, die auf die „anatomischen Gegebenheiten“ der Teilnehmer Rücksicht nimmt, wie der Beschreibung des Kurses zu entnehmen ist. Der Jazz-Dance-Kurs für Tänzer ab 50, der ebenfalls von Mayer-Brigham geleitet wird, wurde sogar mehrfach und explizit angefragt und auf Wunsch eingeführt, berichtet Temme. Er laufe seit einem Semester – und das sehr gut.

„Wir bieten auch generationsübergreifende Kurse an, die auch gut angenommen werden, aber manchmal besteht eben das Bedürfnis unter Gleichaltrigen zu sein“, sagt Temme. Manchmal fühle der eine oder andere eine Barriere, vor allem wenn der direkte Vergleich bestehe. Es gebe körperliche Einschränkungen im Alter, das seien aber keine wirklichen Einschränkungen. „Eine tänzerische Bewegung im Alter hat eine andere Qualität, als eine Bewegung, die von einer 15-Jährigen ausgeführt wird. Ein 80-jähriger Körper erzählt eine ganz andere Geschichte“, sagt Temme, die früher selbst in der Pflege gearbeitet hat, speziell mit Demenz-Patienten.

Erforschung des Alterns

Nach ihrem Studium der Kulturwissenschaften, fing sie bei der TTW an. Parallel studierte sie Gerontologie, ein Fachgebiet, das das Altern des Menschen erforscht. Die Spezialistin kann sich das steigende Interesse am Tanzen im Alter so erklären, dass die Lebenserwartung des Menschen insgesamt steigt. Das ‚Alter’, also das Leben nach der Rente, sei inzwischen eine lange Lebensphase, die rund 30 Jahre umfassen könne. „Es ist viel möglich. Wer möchte, kann noch vieles entdecken und Neues ausprobieren“, sagt Temme. Sie habe beispielsweise auch nicht den Eindruck, dass die Lust Aufzutreten und das Gelernte auf einer Bühne zu präsentieren, im Alter weniger werde. Im Ensemble Zartbitter habe es eine Tänzerin gegeben, die mit 89 Jahren ihren ersten Bühnenauftritt hatte und dies sehr genoss.

Gerade das Altentanztheater Ensemble Zartbitter sei eine Chance, das Tanzen nochmals intensiv auszuüben. Die Tanzkurse seien Trainingskurse, die fit halten und Spaß machen, das Ensemble hingegen sei um einiges intensiver, da es an längeren Projekten arbeite.

www.tanzundtheaterwerkstatt.de

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