Unifranck-Schließung Betriebsrat verlangt Antworten von der Stadt

Wie berichtet, schließt der Nestlé-Konzern den Unifranck-Standort in Ludwigsburg. Der Betriebsrat will nun wissen, welches Interesse die Stadt an dem Gelände hat.
Wie berichtet, schließt der Nestlé-Konzern den Unifranck-Standort in Ludwigsburg. Der Betriebsrat will nun wissen, welches Interesse die Stadt an dem Gelände hat. © Foto: Werner Kuhnle
Ludwigsburg / von Uwe Roth 29.06.2018

Der Betriebsrat des Caro-Kaffee-Werkes hat sich wegen der drohenden Schließung des Ludwigsburger Unifranck-Standorts zum Jahresende in einem offenen Brief an die Ludwigsburger Gemeinderäte gewandt. Anlass ist die Vermutung der Belegschaft, dass die Stadtverwaltung schon länger darauf spekuliere, das attraktive Gelände an der Westseite des Bahnhofs für eigene Zwecke nutzen zu können. Von der beabsichtigten Produktionsverlagerung des zum Schweizer Nestlé-Konzerns gehörenden Werks nach Portugal sind rund 100 Beschäftigte betroffen (die BZ berichtete).

Die Betriebsräte sind wegen der Aussage eines Unternehmenssprechers kurz nach Bekanntwerden der Schließungspläne hellhörig geworden: Er soll gegenüber Journalisten gesagt haben, dass mit der Stadt Ludwigsburg über „eine Weiterverwertung“ der Immobilie verhandelt werde. Ob diese Auskunft der Tatsache entspreche, will nun die Belegschaft vom Gemeinderat erfahren. Schließlich sei er „für sämtliche Fragen hinsichtlich städteplanerischer Entwicklung und Bauvorhaben verantwortlich“. Indirekt gibt der Betriebsrat der Stadt sogar eine mögliche Mitschuld an dem schnellen Aus des Traditionsbetriebs: Es dränge sich der Verdacht auf, heißt es in dem Schreiben, dass die Stadt „jetzt zusammen mit Nestlé auf unserem Rücken Fakten schafft“. Die Gemeinderäte werden in dem Schreiben gefragt, ob „ein gutes Kaufangebot“ dazu geführt haben könnte, „dass so plötzlich und so schnell unsere Arbeitsplätze vernichtet werden?“

Stadt weist Vorwürfe zurück

Im Rathaus zeigt man Verständnis für die Betroffenen und deren Familien. Ein Sprecher sagte, die städtische Wirtschaftsförderung habe sich angeboten, gemeinsam mit der Agentur für Arbeit neue Beschäftigungsmöglichkeiten für diejenigen zu finden, die nicht an andere Nestlé-Standorte wechseln, sondern in Ludwigsburg bleiben wollen. Zudem habe sich Oberbürgermeister Werner Spec für ein Gespräch angeboten.

Ob die Gemeinderäte sich auf ein Treffen mit dem Betriebsrat einließen, müssten die Fraktionen allerdings selbst entscheiden, heißt es von der Verwaltung. Dass es aktuelle Kaufverhandlungen mit der Stadt geben soll, wies der Rathaussprecher nach seinen Worten „entschieden zurück.“

CDU-Gemeinderat Maik Stefan Braumann betonte am Donnerstag, „Gespräche sind prinzipiell immer gut.“ Daher gebe es eine grundsätzliche Bereitschaft. Es habe ihn allerdings gewundert, dass das Schreiben früher in der Öffentlichkeit gewesen sei als bei ihm im Postfach. Zum Zeitpunkt der Anfrage hatte er es immer noch nicht in den Händen. Dass mit der Stadt verhandelt werde, sei ihm nicht bekannt. Er bedauere die Schließung des Unternehmens, das die Stadt 150 Jahre geprägte habe. Die Entscheidung des Konzerns sei sicher auf viele und vor allem wirtschaftliche Faktoren zurückzuführen.

Für den Betriebsrat sind die seit Längerem beobachteten Vermessungsarbeiten auf dem Gelände ein weiteres Indiz, dass Stadt und der Konzern längst ein neues Kapitel aufgeschlagen haben, in dem die Belegschaft nicht mehr vorkommt. Nach Aussagen des Oberbürgermeisters dienen diese einer Lösung für einen zweiten Fußgängertunnel unter den Bahngleisen. Der vorhandene sei zu den Hauptverkehrszeiten regelmäßig überfüllt. Auf dem Betriebsgelände seien für einen zweiten Westausgang lediglich ungenutzte Flächen in Augenschein genommen worden.

In seinem Brief an die Gemeinderäte führt der Betriebsrat zudem ins Feld, dass von der Produktionsstilllegung nicht allein Arbeitsplätze betroffen seien, sondern auch Landwirte, die das Rohprodukt für den Caro-Kaffee lieferten, und Handwerker in der Region, die den Betrieb in Schuss hielten. Sollte künftig das Getreide nach Portugal geliefert werden, sei dies nicht im Sinn einer nachhaltigen Wirtschaft.

Um „sämtliche Ungereimtheiten aus der Welt zu schaffen“ und Antworten auf die gestellten Fragen zu bekommen, hat der Betriebsrat die Gemeinderäte zu einer außerordentlichen Betriebsversammlung am Montag um zwölf Uhr eingeladen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel