Gute Nachrichten für junge Eltern in Ludwigsburg: Im Stadtgebiet werden in den kommenden Jahren einige Kita-Einrichtungen eröffnet. Insbesondere für die bis dreijährigen Kinder wird es einfacher, einen Betreuungsplatz in Wohnungsnähe zu finden. Bürgermeister Konrad Seigfried hat am Mittwoch die Bedarfsplanung 2020/2021 für Kindertageseinrichtungen vorgestellt, aber auch eine schlechte Nachricht für Eltern mitgebracht: „Die Personaldecke ist enorm angespannt.“

Der akute Mangel an Betreuungskräften hat nach seinen Angaben inzwischen die freien Träger erreicht. Bisher hatte vor allem die Stadt die Entwicklung zu spüren bekommen. Zum Teil hätten diese ihre Öffnungszeiten einschränken müssen oder einen solchen Schritt angekündigt. „Für berufstätige Eltern kann so etwas fatale Folgen haben. Arbeitsmodelle geraten in Gefahr“, ist sich der Bürgermeister für die sozialen Angelegenheiten bewusst.

So kann die „Kindertagesheimat Kurfürstenstraße“ der Evangelischen Kirche seit dem Sommer die Öffnungszeiten von elf Stunden täglich nicht mehr zuverlässig gewährleisten. Der Träger hat sich entschieden, bis auf Weiteres die Öffnungszeiten auf zehn Stunden zu verkürzen.

Es ist eine Notlage

Wie die Notlage bei der Suche nach Fachkräften zeitnah entschärft werden kann, darüber macht sich die Leiterin des Fachbereichs Bildung und Familie, Renate Schmetz, viele Gedanken. Erfahrene Kräfte seien kaum zu gewinnen. Sie mit Geld in eine Anstellung zu locken, sei zwar eine Möglichkeit – aber eine mit einem Folgeproblem. Denn schlechter bezahlte Kräfte könnten abwandern und woanders nach einer besseren Bezahlung suchen. Außerdem könnte das Betriebsklima leiden, wenn neu eingestellte Erzieherinnen nicht weniger verdienen als ihre Vorgesetzte. „Neues Personal besser zu bezahlen, birgt Sprengkraft“, stellt sie fest. Ausbildungsplätze zu besetzen, ist ebenfalls ein Kraftakt: 14 Stellen zu einer praxisintegrierten Ausbildung (PIA) bietet die Stadt an. Aber nur zehn PIA-Plätze seien besetzt, teilt Schmetz mit.

Beruflicher Umstieg

Das Land hat den Zugang zu sogenannten Funktionsstellen Schritt für Schritt erleichtert. So kann beispielsweise eine Logopädin in einer Kitaeinrichtung arbeiten. Insgesamt 19 solcher Profilbilder hat der Kommunalverband Jugend und Soziales für zulässig erklärt. „Jeder, der in seinem eigentlichen Beruf mit Kindern zu tun hat, kann sich inzwischen auf eine Kitastelle bewerben“, sagt der Bürgermeister. Teilweise reichten für den beruflichen Umstieg 25 Fortbildungstage.

Wegen des Fachkräftemangels ist die an sich gute Nachricht eingetrübt: Für die Einrichtungen, die dieses Jahr eröffnet haben oder in den nächsten beiden Jahren aufmachen, wird zusätzliches Personal notwendig, das noch erst gefunden werden muss. Dabei ist die Stadt auf einem guten Weg. Bei den Plätzen für die unter Dreijährigen ist sie mit einem Versorgungsgrad von 36 Prozent nur noch wenig vom Ziel 40 Prozent entfernt.

Babyboom lässt nicht nach

Der Versorgungsgrad für die über Dreijährigen liegt im städtischen Durchschnitt bei 104 Prozent. Was die Stadt geleistet hat, zeigen die Geburtenzahlen, die Bürgermeister Seigfried nennt. 2006, in dem Jahr, als er sein Amt angetreten habe, seien 772 Kinder in der Stadt geboren worden. Im Spitzenjahr 2017 seien es 1131 Geburten gewesen. Zehn Kinder ergeben jeweils eine Kita-Gruppe. Er sieht folglich keine Gefahr darin, dass mittel- und langfristig Überkapazitäten entstehen, weil der Babyboom nachlassen könnte. Die Prognose laute auf ein Prozent Bevölkerungswachstum. „Der Betreuungsbedarf wird weiter steigen“, ist sich Seigfried sicher. „Junge Erziehungskräfte brauchen keine Angst haben, dass sie irgendwann nicht mehr gebraucht werden.“