Parken wird in der Ludwigsburger Kernstadt um 60 Cent die Stunde teurer. In der Zone zwei und drei kommt ein Aufschlag von 40 Cent. Sonntags haben die Parkautomaten weiterhin Pause. Das Monatsticket in der Oststadt kostet künftig 40 statt wie bisher 25 Euro.

Für den neuen Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht war die Abstimmung nach einer heftigen Debatte am Donnerstag im Gemeinderat zumindest eine Teilniederlage. Knecht hätte das Pendlerticket gerne sehr viel teurer gemacht und die Parkzeiten generell auf 20 Uhr ausgeweitet – auch an den Wochenenden. Ursprünglich hatte die Verwaltung sogar 80 Euro für den Monatsparkschein vorgeschlagen. „Wir müssen mit der Höhe der Parkgebühren lenkend eingreifen“, ermahnte Knecht bereits am Mittwoch den Umweltausschuss.

Wie wichtig ihm das Thema ist, zeigte sich daran, dass er persönlich bei diesem Tagesordnungspunkt die Sitzung leitete und nicht Bürgermeister Michael Ilk. Parkgebühren seien zwar „kein Rettungsanker für eine Verkehrswende und den Klimawandel“, stellte er klar. Doch das Maß an Parkgebühren gehöre zu einem Gesamtpaket, mit dem die Stadt dem chronischen Verkehrschaos begegnen wolle. In einer Fachtagung zum Thema habe er die Rückmeldung anderer Städte erhalten, dass dies so funktioniere. Doch weder sein Ausschuss noch der Gemeinderat hat mehrheitlich mitgezogen. Die beschlossenen 40 Euro fürs monatliche Parken sind nach Auffassung der Verwaltungsspitze zu wenig, um Pendler zum Umstieg auf den ÖPNV zu motivieren. Nun bleibt ihr die Hoffnung, dass eine Mehrheit in ihrem Sinn entscheidet, wenn im kommenden Jahr über ein Parkraumanagement im Westen und Süden der Stadt debattiert wird.

Warum teures Parken auf der Straße sinnvoll sei, zeigt sich für den Oberbürgermeister am Beispiel der Wüstenrot Bausparkasse. Weil den Mitarbeitern das kostenpflichtige Abstellen ihrer Autos auf dem Firmengelände zu teuer sei, „parken sie zum Ärger der Anwohner jeden Tag die Südstadt zu“, so Knecht.

Wie weit die Vorstellungen der Fraktionen über Sinn und Zweck von Parkgebühren auseinanderklaffen, zeigte sich in der aktuellen Debatte. Die erinnerte phasenweise an eine Auktion: Korrigierte die Verwaltung von 80 Euro auf 50 nach unten, hielt die CDU 30 Euro dagegen. Parken müsse für Geringverdiener erschwinglich bleiben, argumentierte Fraktionschef Klaus Herrmann mit Blick auf SPD und Linke. Die Grünen folgten der städtischen Vorlage vorbehaltlos. Die Freien Wähler boten mit 35 Euro etwas mehr. Dem folgten nach einigem Zögern die Christdemokraten. Am Ende einigte sich eine Mehrheit aus Grüne, SPD, FDP und Linke auf 40 Euro für das Parken in der Oststadt. Dort stellen werktags vor allem Mitarbeiter des Landratsamts, Finanzamts und der Polizei ihre Autos ab. Die CDU wollte die Stundensätze um lediglich 20 Cent anheben. Damit erhielt sie keine Mehrheit. Somit kostet die Stunde in der ersten Zone 2,40 Euro und in der zweiten 1,20 Euro. Die Parkzeit ist auf zwei Stunden begrenzt. In Zone drei zahlen Parker pro Stunde einen Euro; maximal sechs Euro für einen Tag (aktuell 3,60 Uhr).

Autofahrer können abends die in der Stadt verteilten Parkautomaten weiterhin ignorieren. CDU und Freien Wähler wollten mit ihrem Nein zu 20 Uhr die Kultur und Gastronomie schützen, so ihr Argument. Wenn Parken nach 19 Uhr koste, bleiben nach ihrer Überzeugung Gäste weg. Je länger der Streit um die Parkgebühren im Sitzungssaal andauerte, desto offensichtlicher wurde, dass die Gegensätze grundsätzlicher Natur sind. Für die CDU sind die „Vorstellungen der Grünen nicht vermittelbar.“ Die Grünen halten dagegen, die CDU wolle sich einer Verkehrswende verweigern. „Sie wollen erhöhen, aber möglichst so, dass es niemand merkt“, kommentierte Christine Knoß den von der Stadt stark abweichenden CDU-Antrag.