Turngala Begeisterung in der MHP-Arena

Günther Jungnickl 04.01.2018

Selbst Rainer Kratt (73) vom Männerturnverein Ludwigsburg (MTV) war beeindruckt. Der langjährige Turn-Lehrwart, Regisseur und „Erfinder“ der „TurnGala“ lobte die neue Regisseurin Claudia Marx aus Halle an der Saale über den grünen Klee. Denn sie hatte all das umgesetzt, was er sich von ihr erwartet hatte: Eine moderne, tempogeladene Show, bei der sich hochklassiger Sport, Weltklasse-Artistik und sinnlich-tänzerischer Ästhetik genial ergänzten. Fast ohne Atempause und vom Publikum von Anfang an begeistert gefeiert.

„Das ist halt Turnpublikum“, meinte ein wenig stolz Altmeister Kratt, der anlässlich des damals 140-jährigen Bestehens des Schwäbischen Turnerbundes (STB) diese Gala aus der Taufe gehoben hatte. Weshalb auch schon im Gründungsjahr 1986  das Kinderturnen örtlicher Vereine gleich an ihren Anfang gehörte. So, wie diesmal auch rund 50 Mädchen und Buben vom MTV Ludwigsburg an den Bänken und am Barren demonstrierten, was sie in ihrem Verein gelernt hatten.

Zwei elf- und zwölfjährige Buben bewiesen mit ihren Barrenübungen sogar schon Riegenerfahrung.

Und mitten drin turnte die 92-jährige Johanna Quaas aus Halle ihre Barrenkür und wurde dafür stürmisch vom Publikum gefeiert. Die Seniorin gilt als älteste Wettkampfturnerin überhaupt und wird deshalb auch seit 2013 im Guinnessbuch der Rekorde geführt.

Ebenfalls aus Sachsen-Anhalt stammten die Mädchen vom SKC Tabea Halle (Trainerin: Regisseurin Claudia Marx), die gleich mehrfach an diesem Abend mit ihren anspruchsvollen Darbietungen in Rhythmischer Sportgymnastik glänzten. Bei Deutschen Meisterschaften in dieser Disziplin haben die jungen Damen in 15 Jahren nicht weniger als 20 Titel gesammelt.

Zusammen mit sechs Spitzenturnern aus Baden-Württemberg bewiesen die sechs jungen Damen aus dem Osten als „Turngala-Showteam“ mit eindrucksvollen Choreografien der Regisseurin nicht nur turnerisches Können, sondern auch ausdrucksvolle tänzerische Qualitäten. Und das alles wurde auch gebührend frenetisch von den Besuchern gewürdigt.

Geradezu international geriet wieder einmal das artistische Angebot. Aus Äthiopien kam das Duo Mamo, das mit seinen „ikraischen Spielen“ Kraft, Körperbeherrschung und Balance der Extraklasse zeigte. Wobei der liegende Artist seinen Partner mit den Füßen rasend schnell durch die Luft schleuderte. Aus Russland stammt Julia Raskina, die bei den Olympischen Spielen von Sydney eine Silbermedaille in Rhythmischer Sportgymnastik gewann und sich nun als Showstar mit einem Tuch hoch über der Bühne ziehen und in luftiger Höhe einen Gymnastikreifen um ihren Körper kreisen ließ.

Und aus Frankreich schließlich die Gruppe Cirque la Compagnie, die das Schleuderbrett wie auch die meterhohe Kletterstange (Chinese Pool) für ihre humorvolle Darbietung nutzte und trotzdem absolute Konzentration und Körperbeherrschung unter Beweis stellte.

Rollschuhe auf der Halfpipe

Apropos Körperbeherrschung: Till Schweinitz bewies sie ebenso mit seinen Rollschuhen auf der Halfpipe wie auch mit seiner Rola Rola Equibrilistik. Auch der Kanadier David Locke begeisterte mit seinem Leuchtreifen, den er nur mit eleganter Lockerheit bewegte oder ihn mit seinem Körper verschmelzen ließ. Oder Danilo Marder mit seiner einmalig schönen Handstandakrobatik, die vier Catwall-Acrobats auf dem Trampolin sowie die drei blutjungen russischen Mädchen mit spektakulären Würfen und sensationeller Bodenakobatik.

Herz, was willst du mehr! Wenn es überhaupt etwas auszusetzen gäbe an diesem Abend, so allenfalls an den langen Schlangen an den wenigen geöffneten Gastronomie-Ständen zur Halbzeit, für die eine 25-minütige Pause nicht ausreichte.