Es gibt einen großen Bedarf an Ehrenamtlichen im Bereich der Seelsorge und der Besuchsdienste“, erklärt Diakon Christoph Wiemann vom Evangelischen Kreisbildungswerk Ludwigsburg. Seelsorger sind ausgebildete Gesprächspartner, die in Situationen wie Trauer, Krankheit oder Einsamkeit zuhören, angemessen reagieren und auch helfen können. Sie können sich die Zeit nehmen, zuzuhören, was im stressigen Berufsalltag nicht immer funktioniert.

Der Nachwuchs jedoch, der bleibe größtenteils aus. „Wir haben versucht, den Menschen den Zugang zu erleichtern, indem wir nicht mehr Kompaktkurse an Wochenenden in Bildungshäusern anbieten, die eine feste Zusage voraussetzen“, erklärt Wiemann weiter. Stattdessen habe sich das Evangelische Kreisbildungswerk dazu entschlossen, eine Ausbildung in vier Schritten anzubieten – und zwar donnerstagabends. Für jeden Schritt können sich Interessierte einzeln anmelden, alles kann, nichts muss.

Psychologische Grundlagen

Neben Fachwissen rund um die Seelsorge werden psychologische Grundlagen der Entwicklung von Menschen sowie Kommunikationskenntnisse vermittelt, berichtete der Diakon. Am Ende der Ausbildung steht ein Zertifikat der Evangelischen Landeskirche. Evangelisch müsse man nicht sein, um an den Kursen teilzunehmen, jedoch sei eine „gewisse Spiritualität nötig“, um in der Seelsorge im christlichen Kontext zu arbeiten, sagt Wiemann. Jedoch sei man ökumenisch aufgestellt.

„Die Ehrenamtlichen können dann etwa im Gemeindekontext eingesetzt werden“, so der Diakon. Bei Gesprächsgruppen beispielsweise, in denen seelsorgerische Kompetenzen nötig seien, wie dem „Blauen Kreuz“, einer christlichen Organisation zur Selbsthilfe bei Suchtkrankheiten. Aber auch Altenheime und Gemeindecafés sieht Wiemann als Einsatzmöglichkeiten des Vermittelten. Eine Frau habe sich angemeldet, die als Helferin in einem christlichen Kindergarten arbeite. „Sie erzählte mir, dass Sie in einem Problemviertel arbeitet und sich den Elterngesprächen manchmal nicht gewachsen fühlt“, so Wiemann. Die Kompetenzen wolle sie durch den Kurs ausbauen. Das Gros der Teilnehmer seien Leute in den letzten Berufsjahren, „die nochmal neue Aufgaben suchen.“ Auch junge Mütter, die vor dem Wiedereinstieg ins Berufsleben ihre Kompetenzen ausbauen wollen. Junge Leute seien eher weniger darunter. „Bislang haben sich acht Teilnehmer angemeldet, am Donnerstag gibt es einen Infoabend. Nach diesem rechnen wir mit etwa 20 Teilnehmern“, sagt Wiemann.

Der Kurs muss übrigens selbst finanziert werden. Sei man bereits in einer Gemeinde tätig, könne der Betrag auch von der Kommune übernommen werden. 50 Euro kostet ein Schritt, um das Zertifikat zu erwerben, sind vier Schritte mit jeweils vier bis fünf Abenden Unterricht nötig. „Es ist auch eine nachträgliche Kostenübernahme durch die Gemeinden möglich“, so Wiemann. Die Evangelische Landeskirche helfe auch dabei, einen Einsatzort zu finden, wenn noch keiner vorhanden sei. Doch nicht nur Ehrenamtliche hätten sich bislang angemeldet. Wiemann habe mit einer Frau gesprochen, die als Sekretärin im Suchtbereich tätig sei. „Sie wollte ihre Arbeitskompetenz erweitern“, so der Diakon. Für sich selbst, da sie sich oft nicht in der Lage gesehen habe, den labilen Anrufern richtig zu antworten.

In Altenheimen gibt es auch hauptberufliche Alltagsbegleiter, deren Aufgabenbereich sich mit dem der ehrenamtlichen Seelsorger überschneidet. „Die hauptamtliche Personaldecke ist sehr dünn. Die Hauptamtlichen koordinieren die Ehrenamtlichen“, verneint der Diakon ein Konkurrenzverhältnis und spricht von Entlastung der Angestellten.

Info Ein Infoabend findet am Donnerstag, 23. Januar, von 19.30 bis 21 Uhr im Gerok-Geschwister-Cluss-Heim, Mömpelgarder Straße 8, in Ludwigsburg statt. Ohne Anmeldung. Der erste von vier Schritten beginnt nach der Anmeldung (bis 3. Februar online) am 20. Februar. Die Kurse finden donnerstags von 17.30 bis 21.30 Uhr statt, im wöchentlichen oder zweiwöchigen Turnus.

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