Ludwigsburg Aust würdigt das Staatsarchivs

Stefan Aust hielt die Festrede zum 150-jährigen Bestehen des Staatsarchivs Ludwigsburg im Kulturzentrum. Im Anschluss gab es noch einen Empfang im Foyer des Staatsarchivs.
Stefan Aust hielt die Festrede zum 150-jährigen Bestehen des Staatsarchivs Ludwigsburg im Kulturzentrum. Im Anschluss gab es noch einen Empfang im Foyer des Staatsarchivs. © Foto: Martin Kalb
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 07.11.2018

Der Bereich Stammheim, sie können es sich denken, ist der für mich spannendste“, sagte Stefan Aust bei der Festveranstaltung „150 Jahre Staatsarchiv Ludwigsburg“, die am Dienstag im Kulturzentrum in Ludwigsburg begann und im Foyer des Staatsarchivs fortgeführt wurde.

Mit Aust sicherte sich das Staatsarchiv einen Redner, der weiß, sein Publikum für sich zu gewinnen. Gewitzt und wortgewandt jagte ein Kracher den nächsten. Aust, ehemals Chefredakteur des „Spiegels“ (1994 bis 2008) und seit 2014 Herausgeber der Tageszeitung „Die Welt“, ist durch seine zumeist politischen Bücher bekannt geworden.

Autor des RAF-Bestsellers

Sein Buch „Der Baader-Meinhof-Komplex“, steigerte nicht nur seinen Bekanntheitsgrad, es zeichnete ihn auch als hervorragenden Festredner zum Jubiläum des Staatsarchivs aus, verbrachte er doch etliche Stunden im Rahmen seiner RAF-Recherche in den Räumlichkeiten des Archivs. Wie Aust betonte, stand ihm der Leiter des Staatsarchivs, Dr. Peter Müller, mit Rat und Tat zur Seite, und doch hätte er sich nicht ungern auch einmal alleine im Archiv umgeschaut, sagte der 72-jährige Journalist und Autor mit einem Augenzwinkern. „Archive sind Orte der Aufklärung, nicht der Abschottung“, betonte der Redner, auch solle ein Archiv für alle offen und zugänglich sein.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Professor Dr. Gerald Maier, Präsident des Landesarchivs Baden-Württemberg, die Anwesenden, und betonte die Bedeutung des Archivs, das das kulturelle Erbe sichert. Der Grundstein für das heutige Staatsarchiv wurde am 1. November 1868 gelegt: Im Ludwigsburger Schloss wurde das „Königlich Württembergische Staatsfilialarchiv“ eingerichtet. Es sei dort eng und zu feucht gewesen, sagte die zweite Rednerin, Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. „1995 gehörte das dann der Vergangenheit an“, so die Staatssekretärin. Das Archiv zog in zwei der zahlreichen Militärbauten Ludwigsburgs um, die ehemalige Arsenalkaserne und das Zeughaus. Somit wurden die Militärbauten wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und das Staatsarchiv bekam „eine innerstädtische Präsenz als Kultureinrichtung“, so Olschowski. 30,9 Millionen Euro wurden damals in die archivgerechte Umgestaltung des Gebäudekomplexes gesteckt.

Die exponierte Lage mitten in der Innenstadt sorgte auch dafür, dass das Archiv nicht nur vom klassischen Archivklientel genutzt wurde, sondern durch Ausstellungen, Aktionen für Kinder und vor allem auch durch die populär gewordene Forschung nach der eigenen (Familien-) Vergangenheit, auch von Privatpersonen aufgesucht wurde.

Blick in die Vergangenheit

Zahlreiche Einzel- und Fallakten wie Personalunterlagen, Justizakten oder die umfangreiche Überlieferung zu Entnazifizierung und Wiedergutmachung, ermöglichen es, einen Einblick ins Alltagsleben vergangener Generationen zu bekommen. Alleine zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus finden sich im Ludwigsburger Staatsarchiv 500 000 Akten. Auch bekannte Kriminalfälle sind nachzulesen. Zwischenzeitlich umfassen die Bestände des Staatsarchivs etwa 40 000 Regalmeter. Aber auch vor Modernisierung verschließt sich das Archiv nicht, die Digitalisierung ist ein fester Teil der modernen Archivierung geworden.

In einem Nebensatz erwähnte Olschowski die geplante Umgestaltung des Arsenalplatzes (die BZ berichtete), dies fing Oberbürgermeister Werner Spec in seinem Grußwort gleich auf, und bestätigte, dass das städtebauliche Verfahren jetzt anlaufe. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Trio „Art Of Ease“, mit Alexander Bühl (Preisträger des Landesjazzpreises 2018) am Saxofon, Jens Loh am Kontrabass und Christoph Neuhaus (Vizepreisträger des Landesjazzpreises 2016) an der Gitarre.

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