Gericht Aussage gegen Aussage

Heike Rommel 12.09.2018

Freispruch lautete das Urteil des Ludwigsburger Amtsgerichts für einen 25-jährigen Ludwigsburger, der einem Handyverkäufer in dessen Markgröninger Wohnung ein Messer an die Kehle gehalten haben soll. Die Aussagen der beiden Männer waren widersprüchlich. Der Markgröninger hatte dem Ludwigsburger zu viele Handyverträge aufgebrummt und bekam deshalb ungebetenen Besuch in seiner Wohnung.

„Der hat auf meine Familienangehörigen 58 Handyverträge abgeschlossen“, bezeichnete der wegen Nötigung angeklagte Ludwigsburger den 26-jährigen Markgröninger vor Gericht als „notorischen Lügner“. Der Tatvorwurf, er habe vom Markröninger am 25. November 2016 in dessen Wohnung im Gegenzug zu der „Abzocke“ Dinge wie eine Playstation oder eine Uhr gefordert und diesem ein Messer an den Hals gehalten, sei „sehr weit her geholt“. Er und der Belastungszeuge seien früher einmal „sehr dicke“ gewesen und hätten sich vertraut.

Gegen Vorauszahlungen, so der angeklagte Ludwigsburger, hätte der Markgröninger aber dann 10 Handyverträge auf seinen Namen abgeschlossen und weitere 58 auf seine Familienangehörigen. „Abzocker“, hätte er am Ende zu dem Markgröninger gesagt. „Du schuldest mir 25 000 Euro. Eine Hausdurchsuchung hätte er wegen dieses „Abzockers“ auch noch über sich ergehen lassen müssen. Einen Fernseher und eine Playstation hätte der Markgröninger aber dann herausgerückt. Ein versprochenes Laptop, eine Schreckschusswaffe und Kleidung von Hugo Boss, sei ihm der „Abzocker“ noch schuldig.

Der Markgröninger erklärte im Zeugenstand, der angeklagte Ludwigsburger sei am 25. November 2016 zu ihm nach Hause gekommen und habe ihm ein Messer an die Kehle gehalten. Unter Vorhalt des Messers hätte der Ludwigsburger die Herausgabe von Gegenständen erpressen wollen.

Gegensätzliche Aussagen

„Dass sind ja zwei komplett verschiedene Aussagen“, schloss Straf­richterin Verena Sennwitz. Der Gerichtsakte konnte sie entnehmen, dass der Markgröninger dem Ludwigsburger seine EC-Karte gegeben haben soll, damit gemeinsam „Schuldengeld“ abgehoben werden kann. Die Staatsanwaltschaft fand es im Übrigen seltsam, dass in so einem vermeintlich dringenden Fall erst drei Wochen nach der mutmaßlichen Tat Strafanzeige erstattet wurde. Für sie galt in diesem Falle die Unschuldsvermutung, denn es stand Aussage gegen Aussage. Das Gericht folgte ihrem Strafantrag auf Freispruch und erlegte die Kosten der Staatskasse auf wie bei Freisprüchen üblich.